Stand: 24.03.2017 14:34 Uhr

Vor 60 Jahren: Tod von Max Ophüls in Hamburg

Max Ophüls hat 25 Filme in 25 Jahren gedreht und war einst der jüngste Regisseur am Wiener Burgtheater, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Er lebte und wirkte in Paris, Frankfurt am Main, Hamburg, Breslau, den Niederlanden, Rom und Hollywood. Am 26. März 1957 ist der Theater- und Filmregisseur nach einem Herzleiden im Marienkrankenhaus Hamburg gestorben. Ein Porträt.

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Lebte für die Bühne und den Film: der Regisseur und einstige Schauspieler Max Ophüls.

Max Ophüls wird in eine jüdische Kaufmannsdynastie hineingeboren. Sein Vater Leopold Oppenheimer führt in Saarbrücken mehrere Konfektionshäuser für Herren und Knabengarderobe, seine Mutter entstammt ebenfalls einer Kaufmannsfamilie. Deren Sohn, als Max Oppenheimer am 6. Mai 1902 geboren, zeigt jedoch wenig Vorliebe für Buchführung. Vielmehr entdeckt er schon früh seine künstlerische Ader.

Aus Max Oppenheimer wird Max Ophüls

Bereits 1906 erlebt er seine erste Filmvorführung auf einem Jahrmarkt. Nebenbei verfasst er Stücke für das Puppentheater eines Freundes, spielt Flöte, lernt Klavier und Gitarre. Am liebsten geht der junge Max ins Stadttheater und spielt selbst auf der Bühne seines Gymnasiums. Es begeistert ihn so sehr, dass er vor dem Abitur die Schule abbricht, um 1920 am Landestheater Stuttgart als Schauspiel-Volontär zu arbeiten. Für seine Arbeit auf der Bühne nimmt Max Oppenheimer den Künstlernamen Max Ophüls an.

Jüngster Regisseur am Wiener Burgttheater

Zwar spielt Ophüls an mehreren Theatern, hat als Schauspieler aber keinen besonderen Erfolg. Zunehmend verlegt er seine Tätigkeit daher auf das Regieführen, arbeitet nebenher als Rundfunkrezitator und schreibt Hörspiele. 1925 wird er der bis dahin jüngste Regisseur am Burgtheater in Wien. Dort lernt er seine zukünftige Frau Hilde Wall kennen, die er 1926 heiratet. Beide werden in Frankfurt am Main am Theater engagiert, bis Ophüls 1928 nach Breslau und später nach Berlin ans Komödienhaus wechselt. 1927 kommt ihr einziger Sohn Marcel zur Welt.

"Ungestillter Drang zur Experimentierfreude"

In den Dreißigerjahren widmet er sich zunehmend dem damals noch jungen Tonfilm. Bis zur seiner Flucht nach Paris 1933 vor den Nazis aus Deutschland entstehen fünf abendfüllende Spielfilme, hinter denen sich laut der "F.A.Z." stets "ein ungestillter Drang zur Experimentierfreude verbarg".

Dazu gehört der erste deutsche Opernfilm "Die verkaufte Braut" von 1932, den Max Ophüls im Zirkusmilieu verfilmt - mit dem Star Karl Valentin als Zirkusdirektor. Ebenfalls einer seiner größten Erfolge: Der Film "Liebelei" nach dem Bühnenstück von Arthur Schnitzler, der ihn als "Virtuosen des Doppelbödigen" ("Deutsche Zeitung") etablierte. Mit dabei: Schauspieler Gustaf Gründgens als Baron Rudolf von Eggersdorf. 1938 nimmt Ophüls die französische Staatsbürgerschaft an. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt dazu in ihrem Nachruf: "Er lebte zwischen und mit den Völkern der Franzosen und der Deutschen, dachte und formte in beiden Sprachen und holte sich in seiner Unersättlichkeit am Schönen von beiden das Beste."

"Lola Montez" - 1955 teuerster Kostümfilm Europas

Insgesamt 25 Filme dreht der Regisseur innerhalb von 25 Jahren zwischen Europa und Hollywood, wohin er 1941 emigriert. In den USA arbeitet er mit Hilfe von Douglas Fairbanks jr. an einer Verfilmung einer Novelle von Stefan Zweig: "Briefe einer Unbekannten".

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Joan Fontaine spielt in "Brief einer Unbekannten" von Max Ophüls die Hauptrolle mit Louis Jordan.

Mit sein bekanntester Film ist die späte deutsch-französische Koproduktion "Lola Montez" von 1955. Ein Farbmonumentalfilm mit 11.000 Komparsen und 13.000 Kostümen, der von der authentischen Affären der Tänzerin Lola Montés (Martine Carole) mit Franz Listz und König Ludwig dem I. handelt. Der teuerste Nachkriegsfilm Europas wird zunächst kein großer Erfolg, Kinokritiker und Freunde von Ophüls wie François Truffaut verteidigen den Film jedoch als Werk der Avantgarde. Über seinen besonderen visuellen Stil schreibt "Der Spiegel": "Seine Kamera taumelte durch Spelunken, stürzte sich in die Straße, spähte durch Jalousiepalten, legte sich hinter Portieren auf Lauer - aber wusste auch den Blick zu senken".

Früher Tod durch Herzleiden

Nach mehreren Hörspielproduktionen für den öffentlichen Rundfunk in Deutschland inszeniert Max Opühls unter Gustaf Gründgens am Hamburger Schauspielhaus sein letztes Theaterstück. Darin adaptiert er Beaumarchais' Komödie "Der tolle Tag". Der Premiere des Theaterstücks kann der Regisseur nicht mehr erleben - er kommt mit einem schweren Herzleiden ins Krankenhaus, wo er am 26. März 1957 im Alter von 55 Jahren stirbt.

Bei der Trauerfeier im Ohlsdorfer Friedhof würdigt Schauspielhaus-Intendant Gründgens den großen Künstler: "Die Form, in der Max Ophüls sich äußerte, war jene schwebende Leichtigkeit, zu der so schwer zu gelangen ist, jene zärtliche Beseeltheit, deren Ursprung der Schmerz ist." Max Ophüls 1945 verfasste Autobiographie "Spiel im Dasein" erscheint in Deutschland erst posthum.

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