Stand: 20.11.2018 06:00 Uhr

Fader Nachschlag zur "Millennium-Trilogie"

Verschwörung
, Regie: Fede Alvarez
Vorgestellt von Walli Müller

Zu den faszinierendsten Frauen-Figuren, die in jüngerer Zeit im Kino zu sehen waren, gehört Lisbeth Salander, das toughe Punk-Girl aus Stieg Larssons legendärer "Millennium-Trilogie". Erst wurde sie in der schwedischen Verfilmung von Noomi Rapace gespielt, dann im US-Remake von Rooney Mara. Nun bekommt sie noch einmal ein neues Kino-Gesicht: Die Britin Claire Foy übernimmt die Rolle in der Verfilmung des vierten Bandes "Verschwörung", den - nachdem Larsson 2004 gestorben war - David Lagercrantz beisteuerte.

Lisbeth Salander (Claire Foy) - Szene aus "Verschwörung" © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Filmtrailer: "Verschwörung"

"Verschwörung", die von David Lagercrantz geschriebene Fortsetzung von Stieg Larssons "Millennium-Trilogie", kommt ins Kino. "The Crown"-Darstellerin Claire Foy spielt Lisbeth Salander.

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Als Hackerin auf Datenklau

In den drei Teilen der "Millennium-Trilogie" kämpfte sie gegen ein mächtiges, Frauen verachtendes Männer-Netzwerk und gegen die Geister ihrer Vergangenheit. In "Verschwörung" lebt Lisbeth Salander nun wieder ihr Einzelgänger-Leben - zurückgezogen, aber wachsam; immer bereit, brutalen Kerlen eine Lektion zu erteilen. Ihre Waffe ist dabei der Datenklau.

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Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) ist in dieser Verfilmung nur Stichwortgeber für Lisbeth Salander (Claire Foy).

Weil Lisbeth inzwischen als Hackerin den Ruf einer Koryphäe genießt, wendet sich ein schwedischer Softwareentwickler in heikler Mission an sie. Da das rabenschwarz gekleidete Gothic-Girl tief drin eine gute Seele hat, erledigt sie den Job - woraufhin ihr die Wohnung gesprengt und das gehackte Programm geklaut wird. Als die Böse steht aber wieder mal sie selbst da - und nur dem Journalisten Mikael Blomkvist kann sie erzählen, wie es wirklich war, weil er ihr vertraut.

Claire Foy spielt ihre Rolle überzeugend

Die ungewöhnliche, knisternde Beziehung zwischen dem rabiaten Punk-Girl und dem soften Investigativ-Journalisten war das Reizvolle an den früheren Filmen. Hier ist nun leider die Spannung raus aus der Konstellation. Die Blomkvist-Figur dient nur noch als Stichwortgeber.

Claire Foy dagegen, der man nach ihrem Abo auf Kostüm-Dramen wie "The Crown" die Lisbeth-Salander-Rolle gar nicht so ohne Weiteres zugetraut hätte, macht ihre Sache richtig gut. Man nimmt der zarten Britin die Kämpferin ab und traut ihr das einschüchternde Drachen-Tattoo auf dem Rücken zu. "Von außen betrachtet, nach den Filmen, die ich gedreht habe, mag es natürlich so aussehen, als würde diese wütende Person nicht in mir stecken. Aber meine Familie weiß es besser! Die meinten nur, oh, da ist sie ja! So kennen wir sie", erzählt Claire Foy.

Viele Klischees, flache Geschichte

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Gangster Jan Holster (Claes Bang) wirkt wie aus den 80er-Jahren entsprungen.

Liebend gern lässt Regisseur Fede Alvarez diese Frau in seinem Film auf einer schwarzen Ducati durch die Gegend rasen. Stylishe Bilder sind das, versiert im Noir-Thriller-Stil inszeniert. Aber sie können nicht darüber hinwegtäuschen, wie flach die Story letztlich ist. Die Fortsetzung von David Lagercrantz kommt nicht annähernd an die Komplexität der Stieg-Larsson-Originale heran - und bedient sich allzu vieler Klischees: Die blondierte Killer-Maschine wirkt wie einem James-Bond-Film aus den 80ern entlaufen - und für die verruchte Clan-Chefin in rotem Lackleder muss man sich fast ein wenig fremdschämen. Alles in allem nur ein Durchschnitts-Thriller.

Verschwörung

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Claire Foy, Sverrir Gudnason, Sylvia Hoeks
Regie:
Fede Alvarez
Länge:
116 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
22. November 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 20.11.2018 | 08:55 Uhr

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