Stand: 21.09.2020 14:20 Uhr

"Unorthodox"-Autorin Feldman über den Emmy-Triumph

von Susanne Birkner
Regisseurin Maria Schrader (r.) mit vielen Darstellerinnen am Set ihrer Netflix-Serie "Unorthodox" © Anika Molnar/Netflix
Die Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader (Mitte, mit Mikro) steht am Set zur zweiten Folge von "Unorthodox" bei ihren Schauspielerinnen.

Als erste deutsche Regisseurin überhaupt wurde Maria Schrader in der Nacht von Sonntag auf Montag mit dem US-Fernsehpreis Emmy ausgezeichnet. Die aus Niedersachsen stammende Schauspielerin bekam den Preis für die Regie in ihrer vierteiligen Netflix-Serie "Unorthodox" - die in gleich acht Kategorien nominiert war. Sie erzählt in der Serie - frei nach dem autobiographischen Bestseller von Deborah Feldman - die Geschichte der Jüdin Esther, die aus ihrer ultra-orthodoxen New Yorker Gemeinde nach Berlin flüchtet.

Maria Schrader erhält als erste deutsche Regisseurin einen Emmy

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Maria Schrader © dpa

Regisseurin Schrader gewinnt Emmy

Die Schaupielerin und Regisseurin Maria Schrader hat einen Emmy Award als beste Regisseurin für die Mini-Serie "Unorthodox" erhalten. Schrader stammt aus Hannover. mehr

Maria Schrader kann es kaum fassen. In der Live-Schalte mitten in der Nacht nach Los Angeles freut sie sich über den Ritterschlag: Die Emmys sind die Oscars der Fernsehbranche. Es sei so unglaublich, sie sei sprachlos, freute sich die Regisseurin.

Romanautorin Deborah Feldman: "Toll, dass Maria diesen Emmy gewonnen hat"

Die in Berlin lebende "Unorthodox"-Autorin Deborah Feldman © picture alliance / Sven Simon Foto: Malte Ossowski/Sven Simon
Autorin Deborah Feldman hat im Bestseller "Unorthodox" von 2017 ihre eigene Vergangenheit verarbeitet.

Auch Deborah Feldman, auf deren Leben und Bestseller die Serie basiert, hat heute Nacht um zwei Uhr in ihrer Wahlheimat Berlin zugeschaut. Sie erzählt, wie eine Kategorie nach der nächsten gekommen sei, in der sie nominiert waren und sie keine Gewinne gehabt hätten. "Und dann kam Maria. Das war eine große Erleichterung, denn Regie steht für das ganze Projekt. Regie ist eine Art Kategorie, die für die Wucht und Wirkung für die Geschichte steht. Es ist toll, dass Maria diesen Emmy gewonnen hat, denn damit haben wir quasi alle gewonnen."

Netflix-Serie "Unorthodox" - Flucht einer ultra-orthodoxen Jüdin aus New York

In "Unorthodox" flieht eine ultra-orthodoxe Jüdin vor den Zwängen ihrer Gemeinde im New Yorker Stadtteil Williamsburg nach Berlin. Gespielt von der ebenfalls für einen Emmy nominierten Schauspielerin Shira Haas.

- Du bist geflohen, hab ich Recht?
- Das klingt, als hätte ich im Gefängnis gesessen.
- Stimmt das nicht?
- Nein, aber ich bin gegangen, ohne irgendjemandem zu sagen, wohin.
- Wieso bist du weg?
- Gott hat zu viel von mir erwartet. Dialog aus der Serie "Unorthodox"

Regisseurin Maria Schrader (r.) mit dem Kameramann am Set ihrer Netflix-Serie "Unorthodox" © Anika Molnar/Netflix
Maria Schrader war die erste Wahl für die Verfilmung des Bestsellers von Deborah Feldman.

Ihre Familie hat sie zwangsverheiratet, sie soll möglichst viele Kinder bekommen, um die Opfer des Holocausts auszugleichen. Eine Parallelgesellschaft in der pulsierenden amerikanischen Metropole. Dieser Teil ist eng an Deborah Feldmans autobiografischen Bestseller angelehnt. Den Berliner Teil, in dem Esther Freunde und Freiheit findet, haben die Drehbuchautorinnen Anna Winger und Alexa Karolinski frei gestaltet, auch um das Privatleben der Autorin zu schützen.

25 Verlage lehnten einst Deborah Feldmans Buch ab

"Warum es für mich gerade aber so ein persönlicher Triumph ist, ist die persönliche Geschichte der Veröffentlichung des Buches", sagt Feldman. 25 Verlage lehnten den Entwurf der damals 22-Jährigen ab. Niemand würde sich für so ein Nischenthema interessieren. Doch "Unorthodox" wurde zum Bestseller - und jetzt zur Emmy-gekrönten Serie.

"Mir wurde halt immer wieder in unterschiedlichen Worten vermittelt 'bleib bitte stumm, Mädchen'. Das hat lange nachgehallt. Als ich verstanden habe, dass die Serie es in die Emmys geschafft hat, in die Nominierungen, habe ich verstanden: Diese Geschichte steht jetzt im kulturellen Zentrum. Das war für mich sehr bedeutsam", sagt Feldman. Zuvor habe man ihr immer gesagt: "Du bist nicht relevant."

Maria Schrader war erste Wahl für die Romanverfilmung

Die nun mit dem US-Fernsehpreis ausgezeichnete Regisseurin Maria Schrader war für Deborah Feldman die erste Wahl für die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte. In den USA habe sie oft Regisseure am Set erlebt, die mit Schreien und Beleidigen ihre Sicht durchsetzen wollten - ganz anders Maria Schrader, erzählt Feldman: "Das Unfassbarste an Maria ist: Je gestresster sie wird, desto sanfter die Stimme. Sie hat so eine besondere Art, mit anderen Menschen umzugehen. So zart, so einfühlsam. Das hat eine Wirkung gehabt auf die ganze Stimmung am Set."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 21.09.2020 | 14:55 Uhr

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