Stand: 13.02.2018 12:47 Uhr

Thriller über die Getty-Entführung

Alles Geld der Welt
, Regie: Ridley Scott
Vorgestellt von Krischan Koch

Der Film "Alles Geld der Welt" über den Entführungsfall Getty war bereits vor seinem Kinostart in den Schlagzeilen. Wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe wurde Getty-Darsteller Kevin Spacey aus dem Film geworfen. Die betreffenden Szenen hat Regisseur Ridley Scott mit Christopher Plummer nachgedreht, der damit jetzt für einen Oscar nominiert ist.

Es ist einer der berühmtesten Entführungsfälle aller Zeiten. 1973 wird der 16-jährige Paul Getty, Enkel des milliardenschweren Ölmagnaten und Kunstsammlers J. Paul Getty (gespielt von Christopher Plummer), in Rom gekidnappt. Die Entführer melden sich bei seiner Mutter.

Getty Senior will das Lösegeld nicht zahlen

Während die Mutter (Michelle Williams) verzweifelt um das Leben ihres Sohnes kämpft, schickt Getty senior einen ehemaligen CIA-Agenten (Mark Wahlberg) zu eigenen Ermittlungen nach Rom. Der reichste Mann der Welt denkt gar nicht daran, das Lösegeld zu zahlen. Er hat den Verdacht, dass die Entführung inszeniert ist. Getty gilt als harter Verhandler, vor allem fürchtet er Nachahmer.

Christopher Plummers Psychogramm des einsamen alten Mannes ist etwas holzschnittartig, aber dennoch beeindruckend. Dabei versucht Plummer das öffentliche Bild des rücksichtslosen geizigen Kapitalisten etwas zu korrigieren: Er sagt: "Ich glaube, er ist sehr viel menschlicher, als er immer dargestellt wurde. Sicher hatte er eine sehr unsentimentale Haltung zu der Entführung. Das Drehbuch verlangte, ihn mit mehr Menschlichkeit zu spielen. Darum habe ich mich sehr bemüht."  

Rom in den 70er-Jahren - ein Zeitporträt

Mehr als auf die Entführung konzentriert sich Regisseur Ridley Scott auf die Psychoduelle innerhalb der durch das Geld verdorbenen Familie. Und dann interessiert ihn die Atmosphäre jener Zeit. Scott beginnt seinen Film mit einer Hommage an Fellinis Filmklassiker "Dolce Vita", wenn er den 16-jährigen Paul in Schwarz-Weiß zwischen umhersirrenden Vespas und Straßenmädchen durch das nächtliche Rom streunen lässt.

Der Film trifft perfekt die fiebrig flirrende Stimmung im Rom der frühen 70er-Jahre. Zwischenzeitlich wird die Entführung mit den Roten Brigaden in Verbindung gebracht, bis schließlich die kalabrische Mafia in den Fokus gerät.

Auch das berühmte abgeschnittene Ohr bleibt dem Zuschauer nicht erspart. Am Ende entwickelt sich der Film doch noch zum echten Thriller. Obwohl wir wissen, wie die Geschichte ausgeht, hält die Spannung bis zum Schluss. Routinier Ridley Scott weiß, wie man aus einem berühmten Entführungsfall packendes Kino macht.

Alles Geld der Welt

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
mit Michelle Williams, Christopher Plummer, Mark Wahlberg
Regie:
Ridley Scott
Länge:
133 min
FSK:
ab 12 Jahre
Kinostart:
15. Februar 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Neue Filme | 14.02.2018 | 06:40 Uhr

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