Ein schwarz-weiß Bild, auf dem eine Frau mit viel weißem Tüll zu sehen ist. © picture alliance / abaca | APS-Medias/ABACA Foto: picture alliance / abaca | APS-Medias/ABACA

Reaktionen auf den Tod von Schauspielerin Gina Lollobrigida

Stand: 17.01.2023 14:06 Uhr

Die italienische Film-Legende Gina Lollobrigida ist tot. Sie wurde 95 Jahre alt. Nicht nur die Filmwelt in Italien verneigt sich vor dem Leben der Diva.

von Jörg Seisselberg

Kulturministers Gennaro Sangiuliano twitterte ein unbeschreibliches Schwarz-Weiß-Porträt der Künstlerin und diese Nachricht: "Mit Lollobrigida sei eine Schauspielerin gestorben, die 'die italienische Kino-Geschichte mehr als ein halbes Jahrhundert lang' geprägt habe. Ciao Lollo"!

Immer ein elegantes Auftreten

gina lollobrigida © ndr Foto: Filmstill
Gina Lollobrigida in "THE WAYWARD WIFE"

Kunstvoll frisiertes Haar, verlängerte Wimpern, strahlende Zähne, ein elegantes schwarz-goldenes Kostüm mit glamourösem Goldschmuck um den Hals. Auch in ihrem letzten großen Interview im italienischen Staatsfernsehen RAI vor gut einem Jahr war ihr der große Auftritt als Diva wichtig. "Ich heiße Gina Lollobrigida. Eine Frau, die Italien in der Welt repräsentiert hat. Heute mit weit über 90 Jahren bin ich voll Energie und noch voller Tatendurst", sagte sie.

Lollobrigida war Filmikone Italiens

Glamour, Ausstrahlung und vor allem Schönheit - dafür stand Gina Lollobrigida auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, als sie in den 1950er- und 60er-Jahre die Filmikone Italiens war. Bereits als Dreijährige gewann Luigina Lollobrigida, wie sie eigentlich heißt, den Wettbewerb "Schönstes Kleinkind Italiens".

Reaktionen der Feuilletons

Das Hamburger Abendblatt widmet sich in seinem Nachruf besonders dem Äußeren der FIlmikone. "Sie war das, was man in den 1950er-Jahren als 'Busenwunder' bezeichnete. Und es gibt fast keinen ihrer frühen Filme, in denen sie nicht tief ins Dekolleté blicken lässt."

"Grandissima" betitelt die Süddeutsche Zeitung ihren Nachruf: "Sie war nicht nur eine der berühmtesten Schauspielerinnen ihrer Generation, sondern auch eine der schönsten", heißt es darin. Auch an Selbstbewusstsein habe es ihr nicht gemangelt. In Italien wurde "La Lollo" immer neben Sophia Loren gesehen. Auf die Rivalität angesprochen, konterte Lollobrigida schlicht: "Ich war die Nummer eins." Aussprüche wie diese trugen zu ihrem Image als Diva bei" - schreibt die SZ.

Nicht nur im Heimatland als Sexsymbol gefeiert

In den Wirtschaftswunderjahren wurde "La Lollo" nicht nur in ihrem Heimatland als Sexsymbol gefeiert. Ganz selbstverständlich bekam sie 1955 die Hauptrolle im Film "Die schönste Frau der Welt", von dem sie noch Jahrzehnte später stolz erzählte: "Ein Film, der alle Einnahmerekorde gebrochen hat. Er hatte so viele Zuschauer wie der Film 'La dolce vita'. In einigen Städten hat er sogar mehr Tickets verkauft als die Stadt Einwohner hatte. Meine Mutter hat ihn zehn Mal gesehen." In den 70er Jahren zog sie sich aus dem Filmgeschäft zurück und arbeitete fortan als Fotografin. Mit Porträts etwa von Prominenten aus der Politik und namhaften Schauspielkollegen hatte sie großen Erfolg. Später stand Lollobrigida wieder für Filmprojekte vor der Leinwand, 1986 war sie Jury-Vorsitzende bei den Berliner Filmfestspielen.

Filmpartnerin von Rock Hudson, Frank Sinatra und Sean Connery

gina lollobrigida © ndr Foto: Filmstill
Gina Lollobrigida mit Rock Hudson in dem Film "Happy End im September" aus dem Jahre 1961.

An der Seite vieler der ganz Großen ihrer Zeit hat sie gespielt. Von Marcello Mastroianni über Rock Hudson, Burt Lancaster, Anthony Quinn, Frank Sinatra bis Sean Connery. Privat hatte "Gina Nazionale", wie sie in Italien auch genannt wird, weniger Glück. Viele Affäre wurden ihr nachgesagt, die sie selbstbewusst kommentierte mit dem Satz: Es sei leichter Männer zu finden, als sie wieder loszuwerden.

Über 20 Jahre war sie mit dem serbischen Arzt Milko Skofic verheiratet, ihr gemeinsamer Sohn Milko Junior hat der ehemaligen Filmdiva vor einigen Jahren einen finanziellen Vormund zuweisen lassen. Entmüdigt, heißt das im Volksmund. Dagegen wehrte sich Lollobrigida im erwähnten RAI-Interview im vorvergangenen November: "Leider durchlebe ich Jahre großer Bitterkeit. Weil ich Angriffen ausgesetzt bin auf meine Freiheit und auf mein Vermögen, das ich mir selbst geschaffen habe."

Öffentlicher Familienstreit ums Vermögen

Italien verfolgt leidend, wie "Gina Nazionale" im öffentlichen Familienstreit litt. "Mein Sohn war jahrelang aus meinem Leben verschwunden und taucht jetzt wieder auf. Nicht, um mich emotional zu unterstützen, sondern um mir das Verfügungsrecht über mein Vermögen zu nehmen. Ich bitte schlicht um das mir zustehende Recht, alt zu werden, ohne bestohlen zu werden", sagte sie.

Lollobrigida auch als Fotografin und Bildhauerin erfolgreich

In ihrer Karriere ist Lollobrigida mehrfach mit den renommierten italienischen Filmpreisen David di Donatello und Nastro d’Argento ausgezeichnet worden, war zwei Mal für den Golden Globe nominiert. In Deutschland erhielt sie sechsmal den Bambi als beste Schauspielerin, unter anderem für ihre bekanntesten Filme, "Der Glöckner von Notre Dame" und "Trapez". Da sie nie reifere Frauen spielen wollte, stieg Lollobrigida in den 1970er-Jahren weitgehend aus dem Filmgeschäft aus. Danach arbeitete sie - ebenfalls durchaus erfolgreich - als Fotografin und auch als Bildhauerin. Dazu schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Ebenso hartnäckig und ehrgeizig, wie sie vor der Kamera gearbeitet hatte, wirkte sie dahinter. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie eine der begehrtesten Fotografinnen Italiens, schoss Porträts von Fidel Castro, Ronald Reagan und Paul Newman und arbeitete als Modefotografin für die 'Vogue'".

2022 als Kandidatin bei Parlamentswahl aufgestellt

1999 trat sie bei der Europawahl für das Mitte-Links-Bündnis Romano Prodis an. In der Parlamentswahl im vergangenen September stellte sie sich einer kleinen linken Liste als Kandidatin zur Verfügung. In dieser Zeit erlitt sie bei einem Sturz in ihrem Haus einen Oberschenkelbruch und musste damit längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden. Lollobrigida selbst hat sich einmal charakterisiert als "hartnäckig und starrköpfig, enthusiastisch und impulsiv".

"Über sich selbst zu lachen, das war Gina Lollobrigida nicht gegeben" - schreibt Die Welt. Bis zum Ende habe sie den Ruf einer trotzig nicht altern wollenden Sexgöttin am Leben gehalten, die ihre völlig aus der Zeit gefallene Rolle nach wie vor zu lieben schien." Jetzt ist sie mit 95 Jahren in Rom gestorben.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 17.01.2023 | 07:40 Uhr

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