Szene aus dem Film "Maria träumt - Oder: Die Kunst des Neuanfangs" © 2022 ADNP / TF1 STUDIO / FRANCE 3 CINEMA

"Maria träumt - Oder: Die Kunst des Neuanfangs": Liebenswerte Komödie

Stand: 18.01.2023 06:00 Uhr

Eine Frau entdeckt mitten im festgefahrenen Leben nochmal ganz neue Seiten an sich. "Maria träumt - Oder: Die Kunst des Neuanfangs" ist eine glaubwürdige Feelgood-Komödie aus Frankreich.

von Walli Müller

Ihr Name ist bei uns vielleicht weniger bekannt als in Frankreich, aber ihr Gesicht hat man garantiert schon gesehen. Denn die Schauspielerin Karin Viard hat im Laufe ihrer Karriere in über 80 Filmen mitgespielt, oft sehr lustigen wie "Verstehen Sie die Béliers?" Nun kommt wieder eine Komödie mit ihr in die Kinos; die Heldin ist eine unscheinbare Frau, die sich selbst überrascht.

Karin Viard spielt eine tollpatschige Putzfrau

Es gibt Filme, in denen unheimlich viel passiert - Schicksalsschläge, Liebeswirren, spektakuläre Action. Und Filme wie "Maria träumt", die ganz ohne großes Drama auskommen und sich dafür auf die innere Entwicklung ihrer Charaktere konzentrieren. Was hätte eine Frau wie Maria auch Spektakuläres an sich? Sie ist Mitte 50, verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und ist auf der Suche nach einem neuen Putz-Job.

"Also, Sie haben acht Jahre als Haushälterin gearbeitet. Sie haben geputzt, gebügelt, warum nicht. 25 Jahre Berufserfahrung, sehr gut, gut. Ich zeige Ihnen Ihren Spind."
"Soll das heißen, ich bin eingestellt?"
"Also wirklich, als ob ich Zeit für Bewerbungsgespräche hätte." Szene aus dem Film

Schon gehört Maria zur Reinemachtruppe der Pariser Akademie der Schönen Künste. Und man will schon anfangen, sich Sorgen zu machen um die verhuschte, reichlich tollpatschige Heldin, die aus Versehen erst mal Kunstwerke der Studierenden in den Abfall schmeißt. Aber zum Glück gibt’s Hausmeister Hubert, der die gute Seele des Hauses ist und Maria aus der Patsche hilft.

Die neue Umgebung weckt eine kindliche Neugierde in Maria. Was hat der Kunst-Nachwuchs nur für schräge Projekt-Ideen?

"Also, das Thema meiner Präsentation ist die Transversalität und die Funktionalität zwischen der Relativität, wie schon gesagt. Und jetzt denken wir an die Vertikalität." Szene aus dem Film

Keine kann so wunderbar belämmert gucken wie Hauptdarstellerin Karin Viard, wenn sie nur Bahnhof versteht. Die moderne Kunst liefert so manche augenzwinkernde Pointe in diesem Film.

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Maria beginnt sich zu verändern

Von der Kreativität der jungen Leute lässt Maria sich anstecken - wie von der guten Laune des Hausmeisters.

"Mögen Sie Ihren Beruf, Maria?"
"Naja, Putzfrau war nicht gerade mein Traumberuf, ehrlich gesagt. Es war nur als Übergang gedacht. Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. So schlimm ist es auch nicht. Ohne dass die Leute es merken, machen wir ihre Welt wieder schön und sauber. Außerdem sehen wir alles. Wir sind überall und sagen nichts. Das gefällt mir, so als ob ich unsichtbar wäre."
"Es wäre eine Schande, Sie nicht zu sehen!" Szene aus dem Film

Da entdeckt eine Frau mitten im festgefahrenen Leben also nochmal ganz neue Seiten an sich. Nie hätte Maria gedacht, dass sie sich für moderne Kunst begeistern oder den Flirt mit einem fremden Mann genießen könnte. Und unbemerkt vom Ehemann zu Hause beginnt sie sich zu verändern. Ein schickerer Pulli, die Haare offen - eines Tages sitzt sie sogar Modell.

"Maria träumt": Liebenswerte, glaubwürdige Komödie

"Maria träumt" heißt der Film. Aber kann sie mit Mitte 50 wirklich nochmal ein ganz anderer Mensch werden, sich selbst und ihre Träume wichtiger nehmen, ein aufregenderes Leben führen? Es ist keine spektakuläre Verwandlung, die die Heldin durchmacht, sondern der ein oder andere kleine, mit viel Humor geschilderte Schritt in ein erfüllteres Leben. Das macht den Film des Regie-Duos Lauriane Escaffre und Yvo Muller so liebenswert und glaubwürdig.

Maria träumt - Oder: Die Kunst des Neuanfangs

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2021
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
Mit Karin Viard, Grégory Gadebois, Philippe Uchan u.a.
Regie:
Lauriane Escaffre | Yvo Muller
Länge:
93 Minuten
FSK:
ab 6 Jahren
Kinostart:
19. Januar 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 18.01.2023 | 07:55 Uhr

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