Eine abgesperrte Reihe im Kinosaal mit de rAufschrift "gesperrt" an schwarzen Sitzen © picture alliance/Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dp Foto: Martin Schutt

Krise der Filmbranche: Wie geht Kino im Corona-Herbst?

Stand: 07.10.2020 12:48 Uhr

Die Kinos in Deutschland befinden sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Vereinzelte Erfolge können nicht über einen Mangel an Besuchern und Filmen hinwegtäuschen.

von Bettina Peulecke

Am Freitag vergangener Woche wurde verkündet, dass der Filmstart des neuen James Bond von November abermals verschoben wurde - nun soll Daniel Craig als 007 im April 2021 loslegen. Diverse andere Blockbuster, von denen sich die von der Corona-Krise stark beeinflusste Filmbranche die dringend notwendige Wiederbelebung des Geschäfts erwartet hatte, lassen ebenfalls auf sich warten. Hinzu kommen die geltenden Sitzplatzbeschränkungen, die Zeit der Open Air Veranstaltungen ist vorüber. Wie geht Kino im Corona-Herbst?

John David Washington steht als Agent vor einer Einschussstelle im Film "Tenet" von Christopher Nolan © 2019 Warner Bros. Entertainment, Foto: Melinda Sue Gordon
In Christopher Nolans Thriller "Tenet" mit John David Washington geht es um Zeitsprünge.

Auch in Sachen Kinobesuch gibt es offenbar deutliche Verhaltensunterschiede zwischen älteren und jüngeren Menschen. Viele, vor allem Ältere, trauen sich nicht in die Kinos, weil sie über einen längeren Zeitraum mit anderen in einem geschlossenen Raum sitzen. Auch äußern manche Bedenken, dass die Klimaanlagen und Belüftungen das Coronavirus im Saal verteilen könnten. Jüngere Kinobesucher meinen eher, dass die Abstände genügend Sicherheit bieten. Unabhängig von Sicherheitsbedenken hält das überschaubare Filmangebot die Menschen von den Kinos fern.

Sci-Fi-Spektakel "Tenet" lockt 1,4 Millionen in die Kinos

Immerhin rausgekommen ist der erste und nun eben auch letzte Hollywood-Blockbuster dieses Jahres, das Sci-Fi-Spektakel "Tenet", auf den die Branche große Hoffnungen gesetzt hatte. Und diese wurden auch erfüllt, wie Christine Berg, Geschäftsführerin vom Hauptverband Deutscher Filmtheater, sagt: "Der Thriller 'Tenet' hat über 1,4 Millionen Besucher ins Kino locken können und hat auch gleichzeitig dafür gesorgt, dass Kino wieder ins Gedächtnis der Leute kommt. Das Kino ist wieder da, man kann wieder reingehen. Deshalb würde ich sagen, die Hoffnungen haben sich erfüllt und die Zahlen waren wirklich richtig gut."

Nur ein Drittel der Plätze in den Kinosälen nutzbar

Szene aus dem Kinofilm "Jim Knopf und die Wilde 13" © Warner Foto: Joe Albas
Solomon Gordon als Jim Knopf und Henning Baum als Lukas erleben in "Jim Knopf und die Wilde 13" viele Abenteuer.

Auch im familiengeführten Kino "Casablanca" in Oldenburg sei "Tenet" überdurchschnittlich gut gelaufen, ebenso wie der groß gestartete deutsche Film "Jim Knopf und die Wilde 13", so Inhaber und Geschäftsführer Tobias Rossmann. Kurzfristig habe die Nachfrage das Angebot tatsächlich überschritten: "Wir haben immer noch die Abstandsregelungen von 1,50 Meter und können eigentlich nur maximal ein Drittel der Plätze belegen. An den letzten Wochenenden waren wir tatsächlich schon ein paar Mal in der Situation, dass wir ein paar Leute wegschicken mussten, weil aufgrund der Abstandsregeln keine Plätze mehr da waren."

Momentan kein wirtschaftliches Arbeiten möglich

Das klingt und ist positiv, und Tobias Rossmann stellt es in den Vordergrund, weil er lieber gute als schlechte Nachrichten unter die Leute bringt. Dennoch ist die Lage ernst. "Andererseits ist es natürlich so, dass wir weit davon entfernt sind, hier wirtschaftlich arbeiten zu können", erklärt Rossmann. "Denn die Bedingungen sind einfach so, wie sie sind. Da werden wir die nächsten Monate auch nicht unbedingt rauskommen. Es bleibt also schwierig."

60 Prozent Umsatzeinbruch in Deutschland

Anfang der Woche verkündete die große internationale Kinokette "Cineworld" die vorübergehende Schließung aller ihrer 536 Häuser in den USA und Großbritannien. 40.000 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit.  In Deutschland verzeichnen alle Kinos seit drei Monaten einen Umsatzeinbruch von 60 Prozent, während der kompletten Schließung zuvor waren es 100 Prozent. "Dass es den Kinos nicht gut geht und dass die Kinos im Moment nur zubuttern und kein eigenes Geld einnehmen können, um ihre Kosten überhaupt finanzieren zu können, das steht außer Frage", sagt Berg.

Bestehen bleibt die Frage, wie lange die Kinos das durchhalten können. "Man kann da keinen Stichtag nennen. Aber wenn die Leute jetzt tatsächlich ihr Verhalten wieder ändern und nicht so viel ins Kino gehen, dann werden die ersten Insolvenzen relativ schnell kommen", vermutet Berg. "Dann reden wir darüber, dass der Herbst nicht überstanden wird."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 07.10.2020 | 08:55 Uhr

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