Stand: 15.10.2018 00:00 Uhr

Ein Vorname erhitzt die Gemüter

Der Vorname
, Regie: Sönke Wortmann
Vorgestellt von Krischan Koch

Mit Filmen wie "Der bewegte Mann" oder "Das Wunder von Bern" gehört Sönke Wortmann seit fast 30 Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Filmregisseuren. Zuletzt hat er für das Fernsehen die Serie "Charité" gedreht. Jetzt kommt eine Gesellschaftskomödie von ihm ins Kino: "Der Vorname".

Streit beim gemütlichen Abend

Eigentlich sollte es ein gemütliches Abendessen zu fünft werden. Literaturprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) haben zu sich nach Hause eingeladen, den netten Hausfreund René, Elisabeths Bruder Thomas und dessen Freundin Anna, die gerade schwanger ist. Doch als Thomas (Florian David Fitz) verkündet, dass sie ihr Baby Adolf nennen wollen, bleibt den anderen der Salat im Hals stecken.  

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Thomas' und Annas Namenswahl für ihr Kind sorgt für Empörung.

Die harmonische Stimmung ist augenblicklich dahin. Der freundliche René versucht noch zu schlichten. Aber die anderen gehen sofort aufeinander los. Da sind alte Rechnungen offen. Aversionen, Jugendsünden und peinliche Wahrheiten werden genüsslich ausgewalzt. Es geht um Kindererziehung, um die richtigen Lebensformen und politischen Einstellungen. Der Name Adolf sprengt die Runde.  

Gut gehütete Geheimnisse werden aufgedeckt

Der Film basiert auf dem gleichnamigen französischen Theaterstück "Le Prénom", das vor sechs Jahren in Frankreich schon einmal verfilmt wurde und das Sönke Wortmann jetzt in einigen Passagen auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten hat. Auch so funktioniert das Psychoduell am Esstisch ganz wunderbar, wenn der neureiche Immobilienmakler Thomas dem blasierten Hochschullehrer Stephan seine bildungsbürgerliche Besserwisserei vorwirft. Denn der findet den Vornamen gar nicht so "geil".

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Auch der nette René (Justus von Dohnányi, r.) hat ein pikantes Geheimnis.

Dann ist da noch die offene Frage, ob der unbeirrbar nette, von Justus von Dohnányi herrlich komisch gespielte Hausfreund wirklich schwul ist. Die Lüftung dieses Geheimnisses sorgt für den nächsten Knall des Abends, und der linksliberale Stephan offenbart seine Vorurteile. Das ist eine Abrechnung mit der scheinheiligen Wohlfühlgesellschaft, die sich in ihrer politischen Korrektheit gemütlich eingerichtet hat.   

Gelungene Adaption einer französischen Theatervorlage

Das erinnert ein bisschen an Polanskis grandioses Kammerspiel "Der Gott des Gemetzels". Sönke Wortmann ist nicht ganz so gallig. Aber die Dialoge sind witzig und schnell, die perfekt getimten Pointen sitzen. Christoph Maria Herbst und Florian David Fitz beim Streiten zuzusehen, ist ein großer Spaß. Eine herrlich böse und höchst unterhaltsame deutsche Gesellschaftskomödie.

Der Vorname

Genre:
Komödie
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohnányi
Regie:
Sönke Wortmann
Länge:
91 Min.
FSK:
ab 6 Jahre
Kinostart:
18. Oktober 2018

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 15.10.2018 | 06:55 Uhr

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