Stand: 12.05.2019 08:55 Uhr

Thriller mit Isabelle Huppert als "Greta"

Greta
, Regie: Neil Jordan
Vorgestellt von Walli Müller

Seine großen Kino-Erfolge hatte der irische Regisseur Neil Jordan in den 90er-Jahren mit IRA-Dramen wie "Michael Collins" oder "The Crying Game", wofür er den Drehbuch-Oscar bekam. Auch die Bestseller-Verfilmung "Interview mit einem Vampir" hat man in Erinnerung. Zuletzt war der Name im Kino nicht mehr ganz so präsent. Aber nun meldet sich Neil Jordan zurück - mit dem Psycho-Thriller "Greta" mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle.

Eine Damenhandtasche als Köder

Wer schon einmal etwas in der Bahn hat liegen lassen, weiß, wie glücklich man über einen ehrlichen Finder ist - wie Frances. Die New Yorker Studentin hat in der U-Bahn eine schicke Handtasche gefunden, zum Glück ist ein Ausweis mit Adresse drin. So weiß sie, was zu tun ist. Brav liefert sie die Tasche bei der Besitzerin ab: Der Französin Greta, die entsprechend dankbar ist.

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Frances (Chloë Grace Moretz) beschleicht ein mulmiges Gefühl.

Die beiden kommen nett ins Plaudern. Frances erfährt, dass Greta verwitwet und etwas einsam ist. Sie treffen sich wieder, gehen spazieren, kochen zusammen. Mit der Zeit wird Greta für Frances eine mütterliche Freundin - bis das Mädchen eines Tages in ihrer Wohnung eine verstörende Entdeckung macht. Hinter der Schranktür, die Frances versehentlich öffnet, stehen Dutzende Taschen wie die, die sie in der U-Bahn gefunden hat. Offenbar legt Greta sie als Köder aus.

Eine ziemlich schaurige Wendung, auch für das Publikum, das die eben noch distinguiert und als Klavier-Virtuosin auftretende Isabelle Huppert nun als Psychopathin erleben kann. Immer unangenehmer wird es mitanzusehen, wie sie die junge Frau, die ihr doch die Freundschaft gekündigt hat, auf Schritt und Tritt verfolgt.

Zwischen Stalking-Drama und klassischem Thriller

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Gretas (Isabelle Huppert) Verhalten wird immer unheimlicher.

Leider kann Regisseur Neil Jordan sich nicht so recht entscheiden, ob er nun ein Stalking-Drama erzählen will oder einen klassischen Thriller abliefern. Denn während die eine Frau die andere unaufhörlich verfolgt, tritt die Inszenierung auf der Stelle. Mal überfällt Greta Frances beim Kellnern, sodass ihr die Gläser aus der Hand fallen. Mal steht sie stundenlang vorm Restaurant-Fenster und beobachtet sie - was auch die Polizei nicht verbieten kann.

Einem guten Psycho-Thriller kann man sich nicht entziehen. Dieser aber fesselt nicht wirklich. Dazu ist die Geschichte zu abstrus, die Dramaturgie zu zäh. Und "Greta" gewinnt auch nicht durch die plumpen Schock-Effekte, die am Ende noch aufgefahren werden. Isabelle Huppert macht ihre Sache als weibliche Psychopathin zwar gut - keine Frage - und der drastische Schluss kostet doch noch ein paar Nerven. Aber Neil Jordan bleibt hier als Regisseur und Drehbuchautor weit unter seinem Niveau. 

Greta

Genre:
Thriller
Produktionsjahr:
2019
Produktionsland:
USA, Irland
Zusatzinfo:
mit Isabelle Huppert, Chloë Grace Moretz, Maika Monroe
Regie:
Neil Jordan
Länge:
98 Min.
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
16. Mai 2019

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 13.05.2019 | 08:55 Uhr

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