Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" - am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg - der Film lief im Wettbewerb in Cannes 2021 © Alamode Film

Filmemacherin Ildikó Enyedi über Hamburg und ihr neues Drama

Stand: 03.11.2021 10:00 Uhr

Für ihren Film "Die Geschichte meiner Frau" hat die ungarische Filmemacherin und Berlinale-Siegerin Ildikó Enyedi viel Zeit in Hamburg verbracht. Eigentlich verdankt sie den Start ihrer Karriere sogar der Hansestadt.

von Patricia Batlle

Das erzählte die 65-jährige ungarische Regisseurin vor der Deutschland-Premiere ihres Filmes im Gespräch mit NDR 90,3 beim Filmfest Hamburg im Oktober. Bekannt ist Enyedi seit ihrem Berlinale-Sieger "Körper und Seele" - ein romantisches Melodram um ein Paar in einem Schlachthof. Es gewann 2017 bei der Berlinale und erhielt eine Oscarnominierung als bester internationaler Film.

Ildikó Enyedi: Geld für ersten Film 1988 mit Hamburger Filmförderung

Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi beim Filmfest Hamburg stellt ihr in Hamburg gedrehtes Drama "Die Geschichte meiner Frau" vor © FIlmfest Hamburg / Martin Kunze Foto: Martin Kunze
Die ungarische Filmemacherin Ildikó Enyedi kommt seit 1985 nach Hamburg, hat hier mehrfach gedreht und Filmförderung erhalten. Und: ihren Mann kennengelernt.

Einen bedeutenden Teil für ihre neue Produktion "Die Geschichte meiner Frau" mit Leá Seydoux und Gijs Naber in den Hauptrollen hat sie in Hamburg gedreht. Der Film nahm im Wettbewerb beim Filmfest in Cannes teil. Details zum Dreh und zu ihrer langjährigen Beziehung hat Eneydi im Gespräch erzählt.

"Kurioserweise habe ich das Geld für meinen ersten Film 1988 nicht in Ungarn, sondern von der Hamburger Filmförderung erhalten." Gedreht wurde ihr erster Spielfilm damals ebenfalls in der Stadt, auf einem Hamburger Fleet. Doch ihre Hamburg-Geschichte begann schon viel früher. "Ich kam 1985, quasi in prähistorischer Zeit, mit meinen Experimentalfilmen ins Metropolis und bin so froh, dass es das Hamburger Kino an der Staatsoper heute noch gibt!", freut sich die Ungarin.

Ehemann gründete Schanzencafé Unter den Linden

Léa Seydoux (von links als Lizzy) und Gijs Naber als Jacob Störr im Film "The Story Of My Wife" - am Alter Wandrahm in der Speicherstadt Hamburg - der Film lief im Wettbewerb in Cannes 2021 © Hanna Csata
Léa Seydoux als Lizzy und Gijs Naber als Jacob Störr in einer Szene am Alten Wandrahm in der Speicherstadt.

Auch ihren Ehemann hat die 65-Jährige hier kennengelernt - einen Germanisten. "Damals habe ich mich in die Stadt verliebt und in einen Mann, der zufällig der Gründer des Cafés unter den Linden ist", so Enyedi. Mit ihm lebt sie seit mehr als drei Jahrzehnten in Budapest zusammen. Teile ihres neuen Films "Die Geschichte meiner Frau" hat Ényedi erneut im Norden gedreht: "Wir haben viele, viele Jahre nach meinem ersten Fim wieder auf demselben Fleet wie damals gedreht. Das war wichtig für den Hamburg-Teil des Filmes 'Die Geschichte meiner Frau'."

Buchverfilmung nach Roman von Milán Füst in Hamburger Speicherstadt

Das knapp dreistündige Drama basiert auf einem Roman des Ungarn Milán Füst. Darin schließt der hartgesottene Kapitän Jakob Störr, gespielt vom Niederländer Gijs Naber, eine Wette mit seinem besten Freund ab. Diese wird den Rest seines Lebens beeinflussen, denn er will einfach spontan eine Gattin finden. "Ich will heiraten, habe ich beschlossen. Ich könnte zum Beispiel die erste Frau heiraten, die zur Tür hereinkommt", sagt Störr im Film.

Verblüffenderweise klappt es und die erste Frau, die das Café betritt, heiratet den Kapitän. Doch die Französin Lizzy, gespielt von Leá Seydoux, fühlt sich bald einsam in Paris ohne ihren Mann, der Monate auf See verbringt. Es scheint einen Nebenbuhler zu geben, immer wieder geraten Jakob und Lizzie aneinander, streiten sich. "Er entdeckt, dass eine Ehe eine sehr anspruchsvolle Angelegenheit ist. Er will seine französische Frau Lizzie aus Paris gut kennenlernen und lernt eine Menge über das Leben", so Enyedi.

Szene mit Léa Seydoux (links), Gijs Naber und Louis Garrel aus "Die Geschichte meiner Frau" von Ildíko Enyedi © Films Boutique
Léa Seydoux (links), Gijs Naber (mitte) und Louis Garrel in einer Szene im Theater.

Das Paar hofft mit einem Umzug nach Hamburg auf Besserung. Doch auch hier klappt es nicht besser in der Ehe zwischen einem Mann, der das Leben an Land genauso praktisch angeht, wie an Bord seiner Cargo-Schiffe - und einer vielseitigen und geheimnisvollen Frau. "Der ganze Film handelt davon, wie Jakob alte Männlichkeitsmuster verlässt und lernt, neue zu finden."

"Hamburg ähnelt dem Kapitän Störr: steht für stolz, harte Arbeit"

Hamburg spiele beim Film eine Art alter ego des Kapitäns, meint die Ungarin. "In Hamburg wollte ich das Publikum näher an Jakob bringen. Hier ist seine Welt, seine Hansestadt. Hamburg ist eine stolze Stadt, die für harte, ehrliche Arbeit steht", sagt die Filmemacherin. Sie sei keine von Königen und Edelleuten begründete Stadt.

Léa Seydoux (von links als Lizzy), Regisseurin Ildikó Enyedi und Schauspieler Gijs Naber (Jacob Störr) am Hamburger Set von  "The Story Of My Wife" - hier zu sehen auf der Straße Alter Wandrahm © Hanna Csata
Gijs Naber, Léa Seydox und ihre Regisseurin bei den Dreharbeiten in der Speicherstadt.

Man spürt: Die Hansestadt - nicht nur als Filmmetropole - hat im Herzen der ungarischen Regisseurin einen besonderen Platz. Obwohl sie mit der Stadt auch ein Malheur verbindet. Die meisten Filmpreise für ihre sechs Spielfilme, wie etwa den Goldenen Bären, bewahrt sie zu Hause auf. Bis auf einen: "Die Goldene Kamera, die ich für meinen ersten Film in Cannes erhielt, ist in Hamburg in der Garderobe in einem Café an der Binnenalster verloren gegangen. Hier ist sie verschwunden", erzählt sie lachend.

Ihren nächsten Film plant Ildikó Enyedi übrigens erneut in Deutschland. "Und tatsächlich wird der Hauptdarsteller ein Baum sein."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 03.11.2021 | 19:00 Uhr

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