Der Schauspieler David Kross bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises in München im Prinzregententheater © xF.xKernx/xFuturexImage

David Kross: Von Bargteheide nach Hollywood

Stand: 19.05.2022 12:05 Uhr

Er gilt als bodenständiger Familienmensch und hat mit "Der Vorleser" mit Kate Winslet den Sprung nach Hollywood geschafft. Ein Porträt von David Kross, aufgewachsen in Bargteheide bei Hamburg.

von Stefanie Grossmann, NDR.de

Der 31-jährige David Kross wirkt wegen seiner jungenhaften Ausstrahlung fast ein wenig unscheinbar - wie jemand, der im Vorbeigehen leicht übersehen wird. Dadurch verkörpert er so gar nicht den typischen Hollywood-Beau wie beispielsweise ein Robert Pattinson. Doch sein intensives Spiel hat Regisseure wie Steven Spielberg und Stephen Daldry beeindruckt. Deshalb ist der Schleswig-Holsteiner in Hollywoods Glitzerwelt schon in die Phalanx der Großen vorgerückt und hat im internationalen Filmgeschäft deutliche Spuren hinterlassen.

2009 für "Der Vorleser" als Nachwuchsstar gefeiert

Besonders beeindruckt Kross in seiner Rolle im Blockbuster "Der Vorleser" nach dem Weltbestseller von Bernhard Schlink. Darin verkörpert der damals 18-Jährige den Schüler Michael Berg, der sich in eine mehr als doppelt so alte Straßenbahnschaffnerin und ehemalige KZ-Wärterin verliebt, die von Kate Winslet gespielt wird. Das Pikante an Stephen Daldrys Film ist nicht nur der schwierige Stoff, sondern auch die vielen Sexszenen. Dem "Stern" berichtete er über seine "Hemmungen" im Vorfeld des Drehs, doch die britische Aktrice habe ihm die nötige Sicherheit gegeben. Winslet bekommt für ihre Rolle einen Oscar und Kross wird im Premierenjahr des Films auf der Berlinale 2009 mit der Auszeichnung "Shooting-Star" gefeiert. Beim Filmfest Cannes erhält er im gleichen Jahr die Trophée Chopard, einen Preis für Nachwuchsschauspieler.

David Kross: Entdeckt von Detlev Buck

Die Schauspieler David Kross als Krabat (l.) und Christian Redl als Meister stehen am Dienstag (19.12.2006) in Bottrop im Movie Park Gerrmany bei der Verfilmung des Jugendbuchklassikers "Krabat" im Studio. © dpa-Report Foto: Horst Ossinger
In "Krabat" brilliert David Kross neben Schauspielern wie Christian Redl.

Entscheidenden Anteil an David Kross' Karriere hat Produzent Detlev Buck, der ebenfalls im beschaulichen Bargteheide wohnt. Dessen Tochter Bernadette macht den Regisseur auf den 15-jährigen Schüler aufmerksam, der damals schon in kleineren TV-Rollen und in einer Laiengruppe Theater spielt. Buck findet in dem Teenager die Idealbesetzung für die Hauptrolle in seinem Großstadt-Drama "Knallhart". Schon damals begeistert Kross die Kritiker mit seinem eindringlichen Spiel. Es folgen hochkarätige Rollen wie die des Müllerburschen "Krabat" nach dem bekannten Jugendbuch von Otfried Preußler. Immer wieder besetzt ihn sein Entdecker Buck - zunächst im Kinderfilm "Hände weg von Mississippi", dann in "Same same but different" im Jahr 2009. Die Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, gespielt von Kross, und einer HIV-positiven Kambodschanerin basiert auf dem autobiografischen Roman von Benjamin Prüfer.

Zusammenarbeit mit Steven Spielberg in "Gefährten"

2011 engagiert ihn Steven Spielberg für das Kriegsdrama "Gefährten". Darin spielt er einen jungen Soldaten, der im Ersten Weltkrieg mit einem Pferd Fahnenflucht begeht. 2012 ist er in "Die Vermessung der Welt" nach dem Bestseller von Daniel Kehlmann zu sehen - wieder unter der Regie von Detlev Buck. Ein weiteres Projekt ist "Boy 7" von Regisseur Özgür Yıldırım. Erstmals ist Kross darin in einem Thriller zu sehen. Er mimt einen 18-Jährigen, der in einem U-Bahn-Tunnel aufwacht - und sich an nichts erinnern kann. Verzweifelt sucht er nach Hinweisen auf seine Vergangenheit. Dabei wird ihm klar, dass er in Lebensgefahr schwebt. Der Film kam im August 2015 in die Kinos.

Bayerischer Filmpreis für "Simpel", Fußball-Rolle in "Trautmann"

Kross spielt weiter vornehmlich fürs Kino. Etwa für die Literaturverfilmung "Rico, Oscar und die Tieferschatten" und die Fortsetzung "Rico, Oscar und der Diebstahlstein". Für seine bewegende Rolle als behinderter Jugendlicher in Markus Gollers Drama "Simpel" erhält er gemeinsam mit seinem Filmbruder Frederick Lau 2018 den Bayerischen Filmpreis als bester Schauspieler.

David Kross (l.), Emilia Schüle und Frederick Lau beim Filmfest Hamburg © NDR Foto: Patricia Batlle
Markus Gollers Hamburg-Drama "Simpel" feiert 2018 Deutschlandpremiere auf dem Filmfest Hamburg mit den Hauptdarstellern Frederick Lau (links), David Kross (2. v. links) und Emilia Schüle

2019 verkörpert er eine Fußballlegende, den deutschen Torhüter Bert Trautmann. Das Historiendrama "Trautmann" von Marcus H. Rosenmüller erzählt, wie der deutsche Keeper es im Nachkriegsengland schafft, zum Idol der englischen Fußballfans beim Verein Manchester City zu werden. 2020 spielt er für den Netflix-Film "Betonrausch" - erneut an der Seite von Lau - einen Immobilienmakler, der innerhalb kürzester Zeit sehr reich wird. An der Rolle habe ihn gereizt, "dass diese Figur einfach etwas komplett anderes ist, als was ich bis jetzt gespielt habe", so Kross im Gespräch mit NDR Kultur.

An der Seite von Henry Hübchen in Leander Haußmanns "Stasikomödie"

Nach all den ernsten Stoffen erfüllt sich 2022 ein lang gehegter Wunsch für den Schauspieler: Eine Hauptrolle in einer Komödie. In Leander Haußmanns "Stasikomödie" spielt Kross den naiven Ost-Berliner Jungspund Ludger Fuchs, der sich als Dichter ausgibt, um die Künstlerszene am Prenzlauer Berg zu unterwandern. Henry Hübchen spielt Fuchs' trinkenden, zynischen Führungsoffizier von der Stasi.

Was der 31-Jährige an der "Stasikomödie" schätzt: "Als Zuschauer kriegt man einen Einblick in eine Jugendzeit damals im Osten. Ich bin 1990 geboren und habe da gar keinen Bezug zu. Aber Leander Haußmann und Henry Hübchen haben diese Zeit miterlebt und ganz viel Persönliches eingebracht. Wenn ich den Film sehe, denke ich: So könnte sich es damals angefühlt haben, jung zu sein."

Aufgewachsen mit drei Geschwistern

David Kross bekommt als Shooting-Star 2010 die Romy, den österreichischen Fernsehpreis. © picture alliance/APA/picturedesk.com
Als "Shooting-Star" bekommt David Kross 2010 den österreichischen Fernsehpreis "Romy".

Trotz all des Erfolges erdet David Kross seine norddeutsche Herkunft. In Bargteheide bei Hamburg wächst er mit zwei Brüdern und einer Schwester auf und besucht dort das Gymnasium. Wegen seiner zahlreichen Engagements bricht Kross die Schule nach der mittleren Reife ab, auch ein Schauspielstudium in London beendet er 2009 nach drei Monaten wieder. Für seine Geschwister ist er trotz seines Erfolge immer noch der kleine oder große Bruder. "Das hilft mir, auf dem Teppich zu bleiben und einen normalen Alltag zu haben", erzählt er einmal dem "Stern".

Seit 2019 zurück im Norden: "Hamburg meine erste Wahl"

Nachdem der Schauspieler mehrere Jahre in Berlin gelebt hatte, kehrte er 2019 in den Norden zurück - und lebt jetzt in Hamburg. "Berlin ist eine tolle Stadt, hat eine tolle Energie", sagt Kross. "Durch meinen Job hatte ich dort natürlich auch viel zu tun. Aber irgendwann brauchte ich einen Ortswechsel. Hamburg war dann meine erste Wahl. Ich habe mich hier auch sofort sehr wohl gefühlt und bin richtig happy mit der Entscheidung."

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 18.05.2022 | 09:20 Uhr

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