Sascha Bukow (Charly Hübner) © NDR/Christine Schroeder

Letzter Einsatz von Charly Hübner im "Polizeiruf 110"

Stand: 09.01.2022 21:45 Uhr

Mit dem 24. Fall und nach zwölf Jahren ist nun Schluss für Kriminalhauptkommissar Bukow in Rostock. Die letzte Folge mit ihm lief am 9. Januar im Ersten. Ein Blick zurück auf die Ära des Schauspielers Charly Hübner beim "Polizeiruf 110".

von Axel Seitz

Als Kriminalhauptkommissar Alexander (Sascha) Bukow ermittelte Hübner seit dem Frühjahr 2010 in der Hansestadt. An seiner Seite: Anneke Kim Sarnau als Kriminalhauptkommissarin Katrin König. Nun ermittelten beide in ihrem letzten gemeinsamen Fall aus Rostock - in "Keiner von uns" im Ersten. König macht an der Warnow weiter, Bukow steigt aus.

Hauptfiguren immer wieder von eigener Vergangenheit eingeholt

Nach einer Verfolgungsjagd in der Nähe des Stadthafens laufen sich beide im wahrsten Sinne des Wortes erstmals über den Weg. Der Polizeiruf 110 aus Rostock mit dem Titel "Einer von uns" hatte in der ARD im April 2010 Premiere. Neben dem normalen Kriminalfall soll Katrin König allerdings auch gegen Alexander Bukow ermitteln.

"Es geht um Kriminalhauptkommissar Bukow. Ich habe von Berlin den Auftrag, ihn zu beobachten."
"Interne Ermittlungen? Gegen Sascha?"
"Ja, es ist irgendeine Geschichte in Berlin, viel weiß ich noch nicht."
"Da werden viele Sachen erzählt, die nicht wahr sind, Frau König." Dialog aus der Folge 1

Von Anfang an holt beide Hauptfiguren des Rostocker Polizeirufs auch immer wieder ihre jeweilige Vergangenheit ein. Und diese zwei Ebenen fand Charly Hübner von Anfang an sehr überzeugend - es war aber auch eine Herausforderung: "Damals, als wir anfingen 2009, das war noch vor dem gigantischen Serienboom. Der kam schon aus Amerika, war schon im Raum. Und das hat uns auch inspiriert. Es ist leichter für eine Serie, etwas zu erzählen, die einmal pro Woche läuft, als bei uns. Wenn einer uns zum ersten Mal sieht und wir reden die ganze Zeit über irgendetwas, was vor vier Fällen passiert ist, der versteht kein Wort. Für den sind das fünf verlorene Filmminuten. Und dieses Gewebe muss immer gestrickt werden."

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Der Schauspieler Charly Hübner. © IMAGO / Chris Emil Janßen Foto: Chris Emil Janßen
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Und bei allen ungeklärten Fragen in der Vergangenheit von Sascha Bukow, aber auch von Katrin König, sollte dieser Polizeiruf zudem immer einer aus Rostock sein: "Meistens schaffen wir es, manchmal schaffen wir es nicht ganz, weil die Autoren oder die Regisseure sich nicht mit Rostock anfreunden können oder kein Verhältnis zu Rostock oder zu dieser norddeutschen Lebenskultur Mecklenburgs aufbauen können und dann eher einen Krimi aus Deutschland erzählen. Da sind wir selber nicht so glücklich drüber. Wir können viel mehr mit den Fällen anfangen, die es auch wirklich gab, wo die Studentin auch als Prostituierte gearbeitet hat - zwischen den Welten. Oder der Film, der sich mit der Fußballszenerie befasst, diesen Kosmos irgendwie in einen Krimi reinzukriegen. Und so versuchen wir, uns immer so nah wie es geht an Rostock zu orientieren, sind auch mit der Polizei immer mal wieder im Gespräch und versuchen, da einen Fall zu finden, der sich in diese Struktur von 90 Minuten einweben lässt - das ist ja auch nicht immer machbar."

Hübners Ehefrau Lina Beckmann übernimmt

Der Rostocker Polizeiruf kam an - beim Publikum mit zumeist mehr als acht Millionen Fernsehzuschauern und bei der Kritik. So wurde Charly Hübner als bester Darsteller 2013 mit dem Bayerischen Fernsehpreis und der Polizeiruf insgesamt um die Ermittler Bukow und König 2019 mit dem Roland-Filmpreis des Krimifestivals "Tatort Eifel" ausgezeichnet.

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Szenenbild aus dem ersten "Polizeiruf 110" vom 27. Juni 1971: Eine Postbeamtin und ihr Bekannter werden bei einem Postraub verletzt. Es gibt viele Verdächtige, die offensichtlich alle etwas zu verbergen haben. -V.l.: Leutnant Vera Arndt (Sigrid Göhler), Harry Wolter (Ingolf Gorges), Oberleutnant Peter Fuchs (Peter Borgelt) © ARD/DRA/Bernd Nickel

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Wenn Sascha Bukow nun die Hansestadt als Ermittler verlässt, ist bereits seine Nachfolge geklärt: Auf Bukow folgt dessen Halbschwester Melly Böwe. Die Rolle der neuen Kommissarin hat Lina Beckmann übernommen, die Ehefrau von Charly Hübner: "Ich hatte direkt Lust", erzählt sie. "Aber natürlich hat man auch überlegt, wie das ist, in die Fußstapfen des Mannes zu treten. Und da er bei mir direkt am Küchentisch saß, kam ich nicht drum rum, mit ihm das Ganze zu bequatschen. Deswegen vermischte sich das etwas. Aber ich hatte direkt Lust, das schon."

Mit dem letzten Fall für Sascha Bukow schloss sich auch der Kreis zum ersten Fall, denn der serbische Bandenchef Zoran Subocek kommt in der Folge "Keiner von uns" nach Rostock:

"Subocek?"
"Du hast da was im Mundwinkel, Sascha. Es ist wirklich seltsam, Dich wiederzusehen."
"Fick Dich Zoran, von mir aus hättest Du im Knast verrecken können. Wieso bist Du überhaupt… elf Jahre nur?"
"Gute Führung, gute Anwälte."
"Du wanderst gleich wieder zurück für dieses scheiß Halunkentheater hier. Oder willst Du mich gleich umbringen?" Dialog aus der Folge 24

Wer wen eventuell umbringt, wurde am Sonntagabend in der ARD verraten. Für Charly Hübner alias Alexander (Sascha) Bukow endete jedenfalls mit dem 24. Fall nach rund zwölf Jahren die Ermittler-Laufbahn beim Polizeiruf 110 in Rostock.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 08.01.2022 | 06:40 Uhr

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