Ruben Östlund mit seiner Goldenen Palme für  "Triangle of Sadness" in Cannes - © Joel C Ryan/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Joel C Ryan

Hamburger Hoffnung "Triangle of Sadness" holt Goldene Palme

Stand: 29.05.2022 12:21 Uhr

Bei der Gala der Filmfestspiele Cannes hat Ruben Östlund am Sonnabend die Goldene Palme für seine Sozialsatire "Triangle of Sadness" erhalten. Die Idee zum Film stammt aus Hamburg, wo er gefördert wurde.

von Patricia Batlle

Was für ein Triumph für den Schweden Ruben Östlund! 2017 holte er die Goldene Palme mit seiner Sozialsatire "The Square" in Cannes. Fünf Jahre später nimmt er erneut am Wettbewerb der 75. Filmfestspiele von Cannes teil und konkurriert gegen 20 weitere Beiträge. Bis zum Schluss taucht der Name des Autorenfilmers Östlund nicht auf. Doch dann erscheint der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón auf der Bühne, um gemeinsam mit dem Jurypräsidenten des Wettbewerbs Vincent Lindon den Sieger der 75. Goldenen Palme zu verkünden.

Ruben Östlund holt zweite Goldene Palme in Folge

Tatsächlich holt Ruben Östlund voller Freude die Goldene Palme ab und bringt den kompletten großen Kinosaal Lumiére an der Croisette zum Brodeln. Er habe einen Film gemacht, der Fragen stelle, der zum Nachdenken bringen solle, sagte er breit lächelnd bei der Preisverleihung. Auf die Idee zum Film habe ihn seine aus Hamburg stammende Frau Sina Östlund gebracht, erzählte Ruben Östlund kurz vor Beginn des Festivals im Gespräch mit NDR Kultur.

In seiner Sozialsatire mit Iris Berben und Woody Harrelson geht es um zwei Models, die eine Luxuskreuzfahrt mit Milliardären in der Südsee machen. Die Reise endet in einem absurden Desaster, als das Schiff sinkt und einige Überlebende sich auf eine verlassene Insel retten können. Die Weltpremiere hatte bereits für viel Lachen beim Publikum gesorgt - die vielen absurden Situationen im Film mit Katastrophencharakter sorgten für komische Momente.

Weitere Informationen
Ruben Östlund freut sich mit seiner Goldenen Palme für "Triangle of Sadness" in Cannes. © Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Vianney Le Caer

Ruben Östlund über seine "wilde Achterbahnfahrt für Erwachsene"

Sein Cannes-Siegerfilm "Triangle of Sadness", in dem viel Hamburg steckt, sei intellektuell - und sehr verrückt, sagt der Schwede. mehr

Es sei ein Film mit "vielen wunderbaren Ideen", sagte Helge Albers, Geschäftsführer der Moin-Filmförderung, über die Produktion im Gespräch mit NDR Kultur. Bemerkenswert sei etwa der Zitate-Battle und die Idee, sich als Mann für Salzstangen zu prostituieren. "Das Verdrehen von Rollen, diese Überzeichnung ist extrem zeitgeistig, lustig, intelligent und groß gedacht. Das ist ein toller Film." Schauspielerin Iris Berben reagiert erfreut auf die Auszeichnung: "Ich bin überglücklich, ein kleines Mosaiksteinchen in dieser bitterbösen, komischen, traurigen und widersprüchlichen Filmsatire zu sein", teilte die 71-Jährige mit.

Palme für Schauspielerin Zar Amir Ebrahimi aus "Holy Spider" - in Hamburg gefördert

Die iranische Schauspielerin  Zar Amir Ebrahimi mit ihrer Palme als beste Hauptdarstellerin von Cannes © Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk Foto: Vianney Le Caer
Die Iranerin Zar Amir Ebrahimi, die in "Holy Spider" von Ali Abbasi eine Journalistin spielt, freut sich über ihre Palme als beste Schauspielerin.

Auch eine weitere von der Moin Filmförderung geförderte Produktion wird bei der Gala ausgezeichnet: Die Iranerin Zar Amir Ebrahimi erhält die Palme für die beste weibliche Hauptrolle im Thriller "Holy Spider" von Ali Abbasi. Sie spielt eine Journalistin, die in den Schattenseiten der iranischen Stadt Mashhad recherchiert, um den Serienmorden an Prostituierten durch den so genannten "Spinnenmörder" auf den Grund zu gehen. "Ali Abbasis bissiger und systemkritischer Thriller 'Holy Spider' hat diese Auszeichnung mehr als verdient: Seine Hauptdarstellerin Zar Amir Ebrahimi spielt die Rolle der investigativen Journalistin mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht. Was für ein Abend - wir gratulieren allen Teams!", freut sich Helge Albers. Als bester Hauptdarsteller erhält der Südkoreaner Song Kang-ho die Palme für seine Rolle in "Broker" des Japaners Hirokazu Kore-Eda. Vor drei Jahren spielte er die Hauptrolle im damaligen Palmen-Sieger "Parasite".

Eine Frau schaut verstört und hat Schweißperlen auf der STirn - Szene aus dem Cannes-Wettbewerbbeitrag "Holy Spider" von Ali Abbasi © Profile Pictures, One Two Films, Alamode Film)
AUDIO: Cannes-Favorit Holy Spider vom iranischen Regisseur Ali Abbasi (4 Min)

Kultursenator Carsten Brosda gratuliert Teams im Norden

Am Sonntag gratuliert Kultursenator Carsten Brosda (SPD) den zwei Filmteams von "Holy Spider" und "Triangle of Sadness" per Twitter: "Eine starke Leistung des Film-Nordens, Glückwunsch!"

Regie-Palme für Südkoreaner Park Chan-wook

Der Südkoreaner Park Chan-wook wird in Cannes als bester Regisseur für "Decision to leave" ausgezeichnet. Den Großen Preis der Jury teilen sich die französische Regisseurin Claire Denis für "Stars at Noon" und der Belgier Lukas Dhont für "Close". Alle weiteren Preise führt das Filmfest Cannes auf seiner Website auf.

Die Arte-Koproduktion "Triangle of Sadness", eine Produktion zwischen Schweden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland startet am 13. Oktober beim Alamode Verleih im deutschen Kino.

Weitere Informationen
Ruben Östlund freut sich mit seiner Goldenen Palme für "Triangle of Sadness" in Cannes. © Vianney Le Caer/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Vianney Le Caer

Ruben Östlund über seine "wilde Achterbahnfahrt für Erwachsene"

Sein Cannes-Siegerfilm "Triangle of Sadness", in dem viel Hamburg steckt, sei intellektuell - und sehr verrückt, sagt der Schwede. mehr

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund mit seinen Schauspielern Jean-Christophe Folly (l-r), Vicki Berlin und Woody Harrelson beim Photo-Call zu "Triangle of Sadness" in Cannes, wo der Film im Wettbewerb läuft © IMAGO / TT

Hamburger Film "Triangle of Sadness" holt Goldene Palme

Drei Produktionen aus der Hansestadt waren in Cannes im Wettbewerb. Helge Albers von der Moin Filmförderung berichtet von sehr positivem Feedback. mehr

Die Drehbuchautorin und Regisseurin Emily Atef in Cannes © NDR Foto: Patricia Batlle

Emily Atef: "Plus que jamais" ist "kein Film über den Tod“

Emily Atefs norddeutsch geförderter Film hat in Cannes Weltpremiere gefeiert. Die Regisseurin erzählt von der berührenden Premiere. mehr

Die US-Regisseurin und Drehbuchautorin Kelly Reichardt - 2019 war sie Mitglied der Jury des Wettbewerbs in Cannes, 2022 nimmt sie mit ihrem Film "Showing Up" daran teil © IMAGO / Starface

Frau - Macht - Kunst: Bestandsaufnahme vor dem Filmfest in Cannes

Letztes Jahr haben Frauen die größten Filmpreise weltweit abgeräumt, nur fünf zeigen ab Dienstag ihre Filme in Cannes. Es bleibt viel zu tun. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 29.05.2022 | 14:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Spielfilm

Filmfestival

Mehr Kultur

SHMF © Musikfest© Axel Nickolaus Foto: ©Axel Nickolaus

SHMF mit Brahms-Schwerpunkt: Heute geht es los

Der Blick ins Programm des SHMF zeigt: Es wird nicht nur klassisch - das gilt schon fürs Eröffnungswochenende. mehr