Stand: 22.05.2019 18:10 Uhr

NDR Koproduktion "Kippa" bekommt Nachwuchspreis

Kippa
, Regie: Lukas Nathrath
Vorgestellt von Bettina Peulecke

Der CIVIS Medienpreis wird am Donnerstagabend in Berlin vergeben. 767 Bewerber aus 22 EU-Staaten und der Schweiz konkurrieren in sechs Bereichen und mehreren Kategorien um Europas bedeutendsten Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt. Vier Preise wurden vorab bereits vergeben. Mit dem Nachwuchspreis "Young C." wird die NDR Koproduktion "Kippa" ausgezeichnet. Der Film entstand in Kooperation mit der Hamburger Media School und ist der Abschlussfilm des Jungregisseurs Lukas Nathrath.

Hauptdarsteller des Kurzfilms "Kippa"

Kurzfilm "Kippa" erhält CIVIS Medienpreis

Hamburg Journal -

Der Kurzfilm "Kippa" von Studenten der Hamburg Media School basiert auf wahren Begebenheiten und will das Publikum für zunehmende antisemitische Übergriffe sensibilisieren.

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Lukas Nathrath (hier mit Drehbuchautorin Julia Drache) spielte als Schauspieler schon Nebenrollen in zahlreichen Fernsehserien - unter anderem in Marienhof und Soko Leipzig.

"Das ist einfach eine riesige Ehre, im Auswärtigen Amt eine Auszeichnung verliehen zu bekommen. Das ist so eine schöne Mischung aus einem filmischen und einem gesellschaftspolitischen Preis", freut sich Regisseur Lukas Nathrath, der viel Herzblut in diesen Film gesteckt hat. "Kippa" ist ein Spielfilm, der auf einem wahren Fall von antisemitischem Mobbing in einer Berliner Schule basiert. Der 15-jährige Oskar ist neu an der Schule, gut in Sport und hat keine Anschlussprobleme. Nachmittags wird Fußball gespielt oder Musik gehört. Alles läuft normal bis ihm eines Tages ein Mitschüler im Bus eine Frage stellt:

"Stimmt das eigentlich, was die anderen sagen?" "Weiß nicht, was sagen die denn?" "Dass du ein Jude bist. Und findest du das eigentlich geil, was ihr da mit den Palästinensern macht?" Filmzitat

Marmor: "Antisemitismus in Westeuropa ist ein aktuelles Thema"

Von da an wird Oskar drangsaliert - auf der Toilette und auf dem Sportplatz. Ein Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" brachte den Regisseur auf das Thema. Das war vor zwei Jahren. Inzwischen ist das Thema in aller Munde. "Der Film 'Kippa' beleuchtet ganz eindringlich den wachsenden Antisemitismus in Westeuropa - leider ein wirklich sehr aktuelles Thema", sagt der Intendant des Norddeutschen Rundfunks, Lutz Marmor.

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Oskar wird systematisch gemobbt und auf der Schultoilette verprügelt.

Im Vorfeld drehte Nathrath eine Dokumentation als Recherchefilm, um antisemitische Phänomene faktisch und wahrhaftig darstellen zu können. "Aber dann habe ich auch gemerkt, dass eben durch diese zwischenmenschlichen Drucksituationen, diese Machtspiele, diese Ausgrenzung, dieses Mobbing auch viele szenische Möglichkeiten gibt, um alles innerhalb einer Geschichte zu erzählen", erklärt Nathrath.

Das findet auch die Jury des CIVIS Medienpreises. "Ein brisantes Thema, hochaktuell - filmisch und schauspielerisch herausragend", urteilt die Jury über den Film. Zunächst wird "Kippa" auf einigen Festivals, unter anderem beim Filmfest Emden Norderney, laufen.

"Kippa": Nathrath will zur Diskussion anregen

Lukas Nathrath hofft, dass sich nicht nur Menschen seinen Film anschauen, die ohnehin vertraut sind mit dem Thema. Er will eine Diskussion anregen: "Ich glaube schon, dass Filme im besten Fall da eben Brücken bauen können, wo es die Parteipolitik oder generell parteipolitische Diskussionen nicht so leicht schaffen." Denn Filme würden die Leute anders als Politik auf einer persönlichen und individualen Ebene berühren und so Empathie für bestimmte Figuren oder Welten vermitteln.

"Kippa" hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer. Und der CIVIS Medienpreis "Young C." könnte nicht die letzte Auszeichnung bleiben: Der Film ist auch schon für den Nachwuchspreis von Studio Hamburg nominiert.

Kippa

Genre:
Kurzspielfilm
Produktionsjahr:
2018
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Gustav Peter Wöhler, Wiebke Wackermann und Riccardo Campione.
Regie:
Lukas Nathrath
Länge:
20 Min.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 23.05.2019 | 06:40 Uhr

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