Drei Männer kauern und schauen gespannt - Szene mit Götz George (von links), Otto Sander und Rolf Hoppe - zum DEFA-Spielfilm "Der Bruch" von Frank Beyer © DEFA-Stiftung / Waltraut Pathenheimer

75 Jahre DEFA - Westdeutsche Schauspieler im Osten

Stand: 10.05.2021 06:00 Uhr

Zum 75. Jubiläum der DEFA blickt Axel Seitz auf die lange Liste westdeutscher Schauspielerinnen und Schauspieler vor ostdeutschen Filmkameras - etwa Götz George, Otto Sander, Hannelore Elsner und Judy Winter.

von Axel Seitz

Die Liste westdeutscher und österreichischer Schauspieler, die bei der ostdeutschen Produktionsfirma DEFA vor allem in den 40er- und 50er-Jahren arbeiteten, ist lang. Mit dem Mauerbau waren diese Engagements abrupt beendet. Doch auch nach 1961 traten immer mal wieder westdeutsche Schauspieler vor ostdeutsche Filmkameras. 1972 drehte Hannelore Elsner an der Seite des Amerikaners Dean Reed die Literaturverfilmung "Aus dem Leben eines Taugenichts". Rund zehn Jahre später stand Judy Winter vor der Kamera im Film "Ärztinnen" nach dem Schauspiel von Rolf Hochhuth.

Ich habe gehört, dass Eure Klinik nicht ganz unschuldig daran ist, dass dieses Mädchen gestorben ist. – Wer sagt so was? – Die Pathologen. – Pathologen, das ist so typisch, die können alles, die wissen alles. Leider kommen sie immer 24 Stunden zu spät. Filmzitat aus "Ärztinnen"

Wolfgang Kieling drehte Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre gleich ein halbes Dutzend Filme bei der DEFA, so auch "Jungfer, Sie gefällt mir" nach dem Lustspiel "Der zerbrochene Krug":

He, Ruprecht, Tümpel, wird hier der Richter nicht gegrüßt? - Was?  - Ob hier der Richter nicht gegrüßt wird? – Was? – Das gewöhnst Du Dir auch noch ab, mein Junge. Im Vertrauen, Frau Marthe, Eure Ev wird bald sicher sein, vor diesem Lümmel. Der zieht die Fahne ein und streicht die Segel. Filmzitat aus "Jungfer, Sie gefällt mir"

 

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Nach dem Mauerbau: kaum noch Westdeutsche vor DEFA-Kameras

Dass nach dem Mauerbau 1961 kaum noch westdeutsche Schauspielerinnen und Schauspieler bei DEFA-Produktionen dabei waren, hatte vor allem mit Geld zu tun, weiß Stefanie Eckert von der DEFA-Stiftung: "Die Produktion eines Films ist immer sehr kostenintensiv. Filmemacher aus dem Ausland einzuladen ist dann noch mal kostenintensiver. Wenn man dann auch noch einen West-Schauspieler engagiert, dann geht es nur noch um Devisen und darum, wieviel Geld darf tatsächlich für einen Film aufgebracht werden. Es ging weniger darum, dass man nicht bestimmten Filmemacher verpflichten wollte oder konnte oder die auch Interesse hatten, sondern darum, kann man die überhaupt bezahlen."

Co-Produktionen ging die DEFA, wenn überhaupt, nach dem Mauerbau zumeist nur mit osteuropäischen Ländern wie der ČSSR, Polen und der Sowjetunion ein. Erst in den 80er Jahren kam es wieder zu Ost-West-Produktionen, beispielsweise bei Peter Schamonis Film "Frühlingssinfonie" von 1983 mit Nastassja Kinski und Herbert Grönemeyer als Clara Wiek und Robert Schumann.

80er-Jahre: wieder Ost-West-Produktionen, etwa in "Frühlingssinfonie"

Eine weitere musikalische Zusammenarbeit entstand 1986 - diesmal mit Österreich - als das Leben von Johann Strauß verfilmt wurde, unter anderem mit Oliver Tobias in der Hauptrolle sowie Karin Dor, Audrey Landers und Zsa Zsa Gabor.

1988, zu jenem Zeitpunkt ahnte keiner, dass die DDR und wenig später die DEFA Geschichte sein werden, drehte Frank Beyer die Nachkriegs-Gaunerkomödie "Der Bruch" - mit Götz George, Rolf Hoppe und Otto Sander in den Hauptrollen. Für Götz George war dieser Film eine Rückkehr zur DEFA: Bereits rund 30 Jahre vorher, 1956 drehte der damals 18-Jährige den Film "Alter Kahn und junge Liebe" und gab damit - nach zwei kleineren Rollen - hier sein eigentliches Filmdebüt.

 

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