Sendedatum: 06.11.2011 17:20 Uhr  | Archiv

Marilyn Monroe - Metamorphosen

von Silke Lahmann-Lammert

Im August 2012 wird es 50 Jahre her sein, dass die Nachricht von Marilyn Monroes Tod um die Welt ging. Bereits lange vor diesem Termin setzt nun ein Bildband Maßstäbe. Das Buch enthält - kaum zu glauben - zahllose bisher unveröffentlichte Porträts der Schauspielerin aus dem Archiv des Privatsammlers David Wills. Silke Lahmann-Lammert über ein Buch, das die Lebensgeschichte des Weltstars - anhand von Bildern - noch einmal neu erzählt.

Vielleicht gibt es keinen anderen Weltstar, in dessen Augen der Wunsch zu gefallen so deutlich zu lesen ist. Das Lachen, das Marilyn Monroe anknipst, sobald eine Kamera auf sie gerichtet ist, verleiht ihr die Aura eines fröhlichen, unbeschwerten Menschen. Eine Frau, die es verdient, vorbehaltlos geliebt zu werden.

Kokettieren mit der Kamera

Schon in der Zeit, in der sie noch Norma Jean Baker hieß, wirbt dieses offene, mädchenhafte Lächeln um die Gunst des Betrachters. Ihre Kollegin Liz Taylor beschreibt einmal das Phänomen.

Liz Taylor: "Das war so ein Schimmer um sie, von dem sie nichts zu wissen schien, etwas kindlich Unschuldiges. Wenn sie nackt posierte, dann so wie 'Hoppla, also was meint ihr, irgendwie bin ich doch ganz nett anzusehen'. Als ob sie es genießen würde, aber ohne Selbstgefälligkeit."

Auf dem Weg nach Hollywood

Der Fotoband von David Wills und Stephen Schmidt erzählt die Lebensgeschichte der Diva anhand von Bildern: Porträts der blutjungen Norma Jean, ein niedliches Mädchen mit brünetten Locken und ein paar Pfund zu viel auf den Rippen. Ab 1947 dann das Starlet, das - inzwischen blond - Karriere beim Film machen möchte. Sie selbst erinnert sich einst daran.

Marilyn Monroe: "Wenn ich in Hollywood nachts aus dem Fenster schaute, dachte ich immer: Bestimmt sitzen jetzt Tausende Mädchen so allein da wie ich und träumen davon, ein Filmstar zu werden. Aber darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Ich träume am härtesten."

Marilyn spielt Nebenrollen in B-Movies. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Model. Wenn nötig auch mit Nacktaufnahmen, die später, als sie schon längst ein Superstar ist, wieder hervor gezerrt werden und für einen Skandal sorgen. Ein Reporter, der anzüglich fragt: Hatten Sie wirklich nichts an? Bekommt die Antwort: Doch! Das Radio!

Das Klischee der naiven Sexbombe

Der Durchbruch kommt mit ihrem Film "Blondinen bevorzugt". Und mit ihm kommt die Festlegung auf den Typus der naiven Sexbombe. Ein Klischee - davon erzählen die Bilder in dem neuen Fotoband - das sie mit Hingabe bedient und das ihr gleichzeitig zur Last wird. Ihr Filmpartner Clark Gable erinnert sich an die magische Wirkung, die Marilyn Monroe auf Männer hatte.

Clark Gable: "Marilyn ist sozusagen das Nonplusultra, unerreicht in ihrer Weiblichkeit. Alles an ihr ist anders, eigenartig und aufregend, von ihrer Sprechweise bis zu dem, was sie mit diesem grandiosen Körper anstellt. Ich glaube, sie wirkt auf jeden Mann verschieden; irgendwie vereint sie in sich all das, wonach er jeweils am meisten verlangt."

Marilyn, die fleischgewordene Projektionsfläche für Männerträume, für Sehnsüchte und Wünsche. Die Fotos ebenso wie Zitate von ihr selbst und von Filmkollegen ergeben das Bild einer Frau, die diese Rolle bis zum bitteren Ende spielt, obwohl sie sich innerlich längst davon verabschiedet hat.

Ruhm vergeht

Eine der letzten Aufnahmen zeigt die Schauspielerin - völlig abgemagert - bei der Golden-Globe-Gala 1962. Das Lachen auf ihrem stark geschminkten Gesicht wirkt wie eine Maske. Ein trauriger Clown im Glitzerkleid. Da liegen die größten Erfolge, ihre gescheiterten Ehen und Enttäuschungen schon hinter ihr. Und die Erkenntnis, dass trotz ihrer Popularität beim Publikum kaum jemand zu bemerken scheint, was für eine großartige Schauspielerin sie ist.

In einem Interview, das zwei Tage vor ihrem Tod in der amerikanischen Illustrierten Life erscheint und in dem vorliegenden Buch erstmals wieder veröffentlicht ist, zieht sie Bilanz.

Marilyn Monroe: "Ich glaube, man ist immer so gut wie das, was in einem steckt. Ich lebe jetzt in meiner Arbeit und in ein paar Beziehungen mit den wenigen Leuten, auf die ich wirklich zählen kann. Ruhm vergeht. Leb wohl Ruhm. Ich hab' dich gehabt."

Marilyn Monroe - Metamorphosen. Verwandlungen

von David Wills, Stephen Schmidt
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Bildband
Verlag:
Schirmer/Mosel, ca. 320 Seiten mit 233 Fotos
Bestellnummer:
978-3-8296-0551-9
Preis:
49,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 06.11.2011 | 17:20 Uhr

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