Stand: 02.02.2018 14:12 Uhr

Subjektiver Blick auf die 68er-Bewegung

Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968
von Heinz Bude

In diesem Jahr jährt sich die Studentenbewegung von 1968 zum 50. Mal. Pünktlich dazu kommen diverse Sachbüchern auf den Markt, die sich mit der 68er-Bewegung auseinandersetzen. Eines der ersten ist "Adorno für Ruinenkinder", das der Soziologe Heinz Bude aus Kassel geschrieben hat.

Buchcover: Heinz Bude - Adorno für Ruinenkinder © Hanser Verlag

"Adorno für Ruinenkinder" von Heinz Bude

NDR Info -

Zum 50. Jahrestag der Studentenproteste von 1968 zieht der Soziologe Heinz Bude in seinem Buch "Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968" eine Bilanz.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Der Soziologe Heinz Bude war 1968 erst 14 Jahre alt. Für einen Zeitzeugen ist er also viel zu jung. Doch Bude hat sich immer wieder mit der 68er-Bewegung auseinandergesetzt, sogar in seiner Habilitation im Jahr 1994. Nun hat er einige Interviews aus der Zeit recycelt, die er vor 30 Jahren mit ehemaligen Aktivsten geführt hat.

"Ein halbes Jahrhundert nach 1968 frage ich erneut nach der Rolle dieser Generation im Familienroman der Bundesrepublik. Erst kamen die Alten wie Adenauer, die das institutionelle Grundgerüst schufen, dann die Flakhelfer wie Enzensberger, die rieten, besser die Fahrpläne zu lesen, und dann als letzte Generation, die noch den Krieg erlebt hatte, die 68er, die den Aufstand probten." Leseprobe

Porträts von Aktivisten der Studentenbewegung

Weitere Informationen
NDR Kultur

Heinz Budes Geschichte von 1968

NDR Kultur

1968 - ein Jahr der Befreiung? Mit dieser Frage hat sich der Soziologe Heinz Bude beschäftigt, in seinem neuen Buch "Adorno für Ruinenkinder". Auf NDR Kultur spricht er darüber. mehr

Der Autor Bude trifft auf fünf Menschen, die alle aus Kriegsfamilien stammen, Flucht und Vertreibung erlebt haben, meist vaterlos aufgewachsen sind - und alle in den 80er-Jahren gesellschaftlich im Bürgertum angekommen sind. Damals wollte er wissen, was sie 1968 angetrieben hat zu ihrem proklamierten "Marsch durch die Institutionen".

2018 sieht er aus seinem eigenen Blick des Nachkriegskindes in der Generation der 68er stärker als früher die Ruinenkinder, die sich mit ihrem radikalen Nein zur BRD der 60er-Jahre eine bessere Zukunft aufbauten.

Radikaler Bruch und Neuanfang

Eine seiner Gesprächspartnerinnen wurde als Fünfjährige im Februar 1945 von ihrer Mutter zusammen mit ihren Geschwistern ohne Begleitung auf den wohl letzten Zug aus Königsberg in den Westen geschickt. Die Mutter wollte den Führer nicht verraten und blieb in der Erwartung der Roten Armee zurück.

Heinz Bude fragt sich, wie man mit solch einer Vergangenheit der Zukunft begegnen kann. Seine Antwort für die 68er: mit einem radikalen Bruch und Neuanfang.

"Ihre Bewegung der Befreiung war für sie selbst am Ende eine Bewegung des sozialen Aufstiegs. Nach der Nullstellung der deutschen Gesellschaften in Ost und West hatten sie als geburtenstarke Nachkriegs-Jahrgänge in einem Boom der Weltwirtschaft freie Bahn." Leseprobe

Die Grunderfahrung dieser Generation war laut Bude: "Das Schlimmste, was einem passieren kann, liegt hinter uns."

Die Mythen werden ausgelassen

Der Autor bleibt auch in seinem neuen Buch den Thesen treu, die er schon in "Gesellschaft der Angst" und "Das Gefühl der Welt" beschrieben hat.

"Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968" ist, wie der Titel schon sagt, nur eine - und dazu noch eine sehr subjektive - Geschichte dieser Zeit. Bude erzählt die anderen Geschichten nicht: die Mythen der 68er-Bewegung; die Tatsache, dass es im Endeffekt nur ein sehr kleiner Teil dieser Generation war, der auf die Barrikaden ging; die Geschichte der Radikalisierung der RAF.

"Alles hat seine Zeit"

Am Schluss reißt er die Frage an, warum 1968 für Teile der Konservativen und Rechten heute sogar ein Schimpfwort ist; ein Chiffre für alles, was 1968 und die folgenden Jahrzehnte der Frauen- und Umweltbewegung und der Pluralisierung der Gesellschaft in Deutschland verändert haben.

"Damals hatte ihnen Adorno mit auf den Weg gegeben, dass es einem umso schwerer wird, sich in der Gesellschaft nützlich zu machen, je mehr man von der Gesellschaft versteht. Heute würden sich vielleicht manche der Angekommenen damit beruhigen, dass alles seine Zeit hat." Leseprobe

Adorno für Ruinenkinder. Eine Geschichte von 1968

von
Seitenzahl:
128 Seiten
Verlag:
Hanser
Veröffentlichungsdatum:
29. Januar 2018
Bestellnummer:
9783446259157
Preis:
17,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Buchtipp | 05.02.2018 | 10:20 Uhr

Mehr Kultur

01:02
NDR 1 Welle Nord

1918 - Aufstand der Matrosen

04.11.2018 20:15 Uhr
NDR 1 Welle Nord
38:27
NDR 1 Welle Nord

Jens Becker - Matrosenaufstand fürs Fernsehen

23.10.2018 20:00 Uhr
NDR 1 Welle Nord
48:26
NDR Info

Unterleuten (4/6)

21.10.2018 21:05 Uhr
NDR Info