Sendedatum: 23.01.2011 17:20 Uhr  | Archiv

Andreas Feininger - Ein Fotografenleben

von Susanne Neumann

Seine Schwarz-Weiß-Bilder sind weltbekannt. Andreas Feininger, Sohn des Malers Lyonel Feininger, kam auf der Flucht vor den Nazis in die USA - und wurde dort zu einem der wichtigsten Foto-Reporter des "Life Magazine". Thomas Buchsteiner porträtiert in seinem Buch die Person Feininger. Susanne Neumann stellt es vor.

Der Maler, drei kleine Jungs und selbstgebastelte Modellsegelboote - die frühen Schnappschüsse der Familie zeigen den innigen Zusammenhalt. Frei, künstlerisch und anregend, so war das Leben der drei Feininger-Brüder. Entscheidend vor allem: die Zeit in Weimar und Dessau. Dort lehrte ihr Vater an der Bauhaus-Hochschule. Dort trafen sie auf Menschen wie Walter Gropius und Wassili Kandinsky. T.Lux Feininger wird später Maler, Laurence Musiker und Andreas - der beginnt zunächst eine Lehre als Kunsttischler.

Thomas Buchsteiner: "Er war von Anfang an begeistert von der Atmosphäre und dem Geruch in der Tischlerwerkstatt des Bauhauses. Es roch nach Leim und Harz, nach Bäumen, nach Eichen und Tannen, wie in seinen geliebten thüringischen Wäldern. "

Der Geist des Bauhauses, das Innovative, Moderne hat Andreas Feininger magnetisch angezogen, schreibt Thomas Buchsteiner vom "Andreas Feininger Archive". Im Anschluss studiert er Architektur - schließt 1929 mit summa cum laude ab - doch ein amerikanischer Halbjude hat schlechte Chancen im Deutschland der Weltwirtschaftskrise. Er geht nach Hamburg.

Leidenschaft für Architektur der Städte

"Hamburg - der Name allein hat einen zauberhaften Klang", schwärmt er. Er dekoriert Schaufenster für den Lebensunterhalt und arbeitet als Bauzeichner - in seiner Freizeit zieht er durch die Straßen und widmet sich seinem liebsten Hobby: Er fotografiert.

Thomas Buchsteiner: "Eine Fotosequenz, in der man die Kranbalken quietschen hört, das beißende Dieselöl im Hafen riecht, mit den Heckwellen der Hafenbarkassen schaukelt, die Sehnsucht spürt, die an Bord der auslaufenden Schiffe mitfährt, in der man aber auch Nachtaufnahmen von angestrahlten Hamburger Kirchtürmen findet, deren in den Himmel gezeichnete, schwarz-weiß-graue Lichtfächer an die Gemälde seines Vaters Lyonel erinnern."

Verwandschaft auch im Werk

Die kompositorische Nähe zwischen Vater und Sohn soll bis zum Schluss erhalten bleiben. Andreas Feininger: "Ganz sicher sind wir verwandt in der Art, wie wir unsere Arbeit auffassen, Bilder zu machen, und wie wir mit Struktur und Komposition umgehen. Alle seine Bilder sind hoch organisiert, vollkommen durchgeplant in diesen schönen klaren Proportionen. Ich versuche dasselbe in der Fotografie."

Teilweise acht Stunden harrt Andreas Feininger aus, bis das Licht perfekt ist. Bis die Brooklyn Bridge so von Nebelschwaden eingehüllt ist, dass sie ihn an eine Erzählung von Jack London erinnert. Menschen interessieren ihn wenig. Er liebt die klaren Strukturen der Natur und die klaren Linien der Städte.

Nach Hamburg erobert er sich Paris, dann mit seiner Frau zusammen Stockholm und ab 1939 schließlich: New York. Das sind die schönsten Bilder in diesem Buch. Grafische, absolut perfekte Schwarzweiß-Kompositionen: die 5th Avenue zur Mittagszeit oder die Häuserschluchten von Manhattan. Häufig für das renommierte "Life Magazine", bei dem er 1943 angestellt wird - und 20 Jahre bleibt.

Fotograf mit Hingabe

Für ein bildschönes Bilderbuch sind die Fotos leider häufig zu klein. Nur wenige werden ganzseitig gezeigt. Aber das ist auch nicht Thomas Buchsteiners Anliegen. Er hat viel mit Andreas Sohn Tomas und seinem Bruder T. Lux gesprochen und zeichnet ein eindrucksvolles Bild dieser künstlerischen Familie. Gleichzeitig erklärt er mit Hingabe die Technik - Andreas Feiningers frühe Experimente mit Belichtung, seine selbstgebastelten Objektive ebenso.

"Andreas Feininger war an seinem Echo interessiert, nicht an seinem Ego", sagt Thomas Buchsteiner. Mit seinem Porträt wollte er erreichen, dass wir mehr über den Menschen hinter den brillanten Bildern erfahren. Das hat er geschafft.

Andreas Feininger - Ein Fotografenleben

von Buchsteiner, Thomas
Seitenzahl:
192 Seiten
Genre:
Sachbuch, Bildband
Verlag:
Hatje und Cantz, 192 Seiten
Bestellnummer:
978-3775727044
Preis:
29,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 23.01.2011 | 17:20 Uhr

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