Buchcover: Klaus Kordon - Und alles neu macht der Mai © Beltz Verlag

"Und alles neu macht der Mai": Neues Jugendbuch von Klaus Kordon

Stand: 28.08.2021 00:01 Uhr

"Und alles neu macht der Mai", der neue Jugendeoman von Klaus Kordon, erzählt die Geschichte einer Familie, die in den letzten Kriegsmonaten aus dem von Deutschland besetzten Polen flieht.

von Katharina Mahrenholtz

Januar 1945. Die 16-jährige Rena, ihre drei Geschwister und ihre Mutter sind in einem norddeutschen Dorf gelandet. Mit dem letzten Zug haben sie Polen verlassen - auf der Flucht vor den anrückenden Russen. Der Vater ist an der Front; von ihm haben sie schon lange nichts mehr gehört. Ihr beschwerlicher Weg führt sie erst ins zerbombte Berlin, wo sie kurzzeitig von Renas Tante aufgenommen werden. Aber dort können sie nicht bleiben. Bei Tante Mala ist kein Platz und sie bekommen keine Zuzugsgenehmigung.

Für Flüchtlinge, so hieß es, sei die Reichshauptstadt nur Durchgangsstation. Alle müssten weiter ins Reich, länger als 24 Stunden dürfe keiner bleiben. Ein echter Rausschmiss, wie Momm sagte, denn ohne Zuzugsgenehmigung und Einquartierungsschein keine Lebensmittelkarte, und ohne Lebensmittelkarte kein Stückchen Brot, Wurst oder sonst irgendwas. Leseprobe

Klaus Kordon findet einen guten Ton

Klaus Kordon gilt als Chronist der deutschen Geschichte. Der Matrosenaufstand, die Machtübernahme der Nazis, das Kriegsende - das sind die Themen seiner berühmten "Wendepunkte"-Trilogie, erschienen zwischen 1984 und 1993. Bei seinen neueren Büchern hatte man schon mal das Gefühl, der Autor habe den Kontakt zur Zielgruppe ein bisschen verloren. In diesem Jahr wird Klaus Kordon 78 - ein Roman aus der Sicht einer 16-Jährigen scheint riskant. Aber er findet einen guten Ton, das Buch liest sich flüssig, Renas Perspektive wirkt an keiner Stelle aufgesetzt.

Die erste Nacht in Kewenow. Ein eiskalter Wind pfiff durch die Fensterritzen. (…) Dazu die raue, kratzende Bettwäsche, irgendwann im Mittelalter selbst gewebt, ewig haltbar. Nur gut, dass wir uns wegen der Kälte in unseren Kleidern schlafen gelegt haben, sonst hätten wir uns darin wundgescheuert. Leseprobe

Die Geschichte einer normalen deutschen Familie

"Und alles neu macht der Mai" ist die Geschichte einer Mitläuferfamilie, die Eltern überzeugte Nazis. Aus Frankfurt sind sie ins besetzte Polen gezogen, weil der Vater dort als Tiefbauingenieur gebraucht wurde. Der Krieg wurde hingenommen, die Siege gefeiert. Rena war begeistertes Mitglied im Bund Deutscher Mädel - und glaubt lange, dass sie bald zurückkehren werden in ihr altes Leben.

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Erst als sie im Dorf Klaas kennenlernt, kommen ihr langsam Zweifel. Klaas erzählt Dinge, von denen Rena nichts wusste - und sie beginnt, Fragen zu stellen. Wem das Haus in Eichenbrück vorher gehört hat. Wohin die Juden wirklich gebracht wurden. Ob die Deutschen wirklich das überlegene Volk sind. Ihre Mutter versucht zu erklären und zu verteidigen. Und Rena weiß lange nicht, wem sie glauben soll. Es ist die Geschichte einer normalen deutschen Familie - ein wichtiges Puzzleteil, um die Vergangenheit besser zu verstehen und daraus zu lernen.

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Und alles neu macht der Mai

von Klaus Kordon
Seitenzahl:
443 Seiten
Genre:
Roman
Zusatzinfo:
ab 14 Jahre
Verlag:
Beltz & Gelberg
Bestellnummer:
978-3-407-75602-2
Preis:
22,00 Euro €

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 28.08.2021 | 08:55 Uhr

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