Stand: 13.09.2016 13:40 Uhr

"Mind Control": Stephen-King-Thriller mit Detektiv Hodges

von Danny Marques Marcalo
Stephen King: "Mind Control" (Cover) © Heyne Verlag
Auch das neueste Werk des Thriller-Autors Stephen King hält den Leser bis zur letzten Seite in Atem.

Er hat es schon wieder getan: Stephen Kings neuer Roman "Mind Control" ist bereits sein fünfundfünfzigster! Zum dritten Mal steht dabei der Privatdetektiv Bill Hodges im Mittelpunkt.

Der Anfang ist, wie es sich für einen Stephen King-Roman gehört, ein echter Schocker. Ein Verrückter rast in eine Menschenmenge, Panik bricht aus.

"Rob sah eine Frau mit zerfetzter Strumpfhose, blutigen Schienbeinen und nur einem Schuh. Er trat so panisch auf die Bremse, dass sich die Schnauze des Rettungswagens neigte und jede Menge ungesicherter Kram durch die Gegend flog." Leseprobe

Rückblick auf den ersten Teil mit Ermittler Bill Hodges

"Mind Control" beginnt mit einem Rückblick auf das zentrale Ereignis des 2014 erschienenen ersten Teils der Bill-Hodges-Trilogie, "Mr. Mercedes". Damals noch reine Fiktion, liest sich der Amoklauf heute beklemmend, erinnert er doch an die schrecklichen Bilder des Terroranschlags von Nizza. Am Ende von "Mr. Mercedes" landet der Attentäter Brady Hartsfield apathisch im Krankenhaus. Im selben Zustand ist er auch in "Mind Control".

"Der lebt wie Donald Trump, denkt Ruth Scapelli. Er hat acht Menschen umgebracht und wer weiß wie viele verwundet, er hat versucht, bei einem Rockkonzert mehrere Tausend Teenager zu töten und da sitzt er: Die Mahlzeiten werden ihm von seinem Personal serviert, man wäscht ihm seine Kleidung und rasiert ihm das Gesicht." Leseprobe

Tödliche Begabung eines Psychopathen

Ein ehrgeiziger Arzt will Brady aus der Apathie herausholen. Seine Behandlung hat eine ungeahnte Nebenwirkung: Brady kann jetzt in die Köpfe anderer Menschen eindringen und sie in den Selbstmord treiben. Zunächst bringt er Überlebende seines Amoklaufs dazu, sich das Leben zu nehmen. Privatschnüffler Bill Hodges bleibt das nicht verborgen. Der hat aber seine eigenen Probleme. Er kämpft gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Selbstmordwelle reißt nicht ab

Die Zeit arbeitet gegen Hodges. Immer mehr Menschen begehen Selbstmord. Schließlich auch sein Erzfeind Brady. Auch nach Bradys Tod reißt die mysteriöse Selbstmordwelle nicht ab. Niemand will glauben, dass Brady einfach im Körper anderer Menschen weiterlebt. Wie das ausgeht - wird nicht verraten.

"Mind Control" ist laut Stephen King keine Horrorgeschichte, sondern eine Hardboiled Detective Story, so wie die Romane um den Meisterdetektiv Philip Marlowe: "Hitchcock sagte einmal, der Unterschied zwischen Horror und Suspense ist, dass beim Horror die Bombe explodiert. Beim Suspense unterhalten sich die Menschen ganz normal und wissen nicht, dass die Bombe da ist und die Zeit abläuft."

Immer neue Rätsel tun sich auf

Mit jedem Rätsel, das Bill Hodges löst, tun sich zwei neue auf. Brady Hartsfield ist kein origineller Bösewicht, aber ein effektiver. Seine perfiden Pläne lassen einem beim Lesen mitunter die Haare zu Berge stehen. Die manchmal deutlichen Beschreibungen von Mord und Selbstmord werden nicht jedem gefallen. Aber "Mind Control" ist schließlich ein Stephen King. Detektivroman hin oder her. Seit über 40 Jahren schreibt er über das Unheimliche, über das, worüber niemand reden will.

Die ersten beiden Teile der Reihe, "Mr. Mercedes" und "Finderlohn" muss man übrigens nicht gelesen haben. Die Ereignisse dieser Romane werden lang und breit nacherzählt. So ist "Mind Control" mit 523 Seiten ein wenig lang geraten. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch: ein Roman für schlaflose Nächte.

Mind Control

von Stephen King, aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Seitenzahl:
528 Seiten
Genre:
Krimi
Verlag:
Heyne Verlag
Bestellnummer:
978-3-453-27086-2
Preis:
22,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 14.09.2016 | 12:40 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/kultur/buch/Stephen-King-Mind-Control,mindcontrol102.html

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