Stand: 12.10.2018 09:31 Uhr

"On the same page" für die Erklärung der Menschenrechte

Die Messe ist politisch wie nie zuvor in ihrem 70. Jahr. Das wird zwar jedes Jahr aufs Neue postuliert, aber genauso wie jedes Jahr in Sachen Besucher- und Ausstellerzahlen neue Superlative behauptet werden, darf es auch jedes Jahr ein bisschen politischer sein. Diesmal springt da besonders eine gemeinsame Kampagne von Buchmesse und Börsenverein zusammen mit ZDF, arte und dem SPIEGEL ins Auge: "On the same page". Jürgen Deppe hat nachgehakt.

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Jürgen Deppe kommentiert die politische Kampagne "On the same page".

Im Eingang der Halle 4 ist gleich links eine große, weiße Wand mit dem Logo von "On the same page" angebracht. Das heißt, wirklich weiß ist sie gar nicht mehr, denn alle sind aufgefordert, dort ihre Unterschrift zu hinterlassen. Demonstrativ! Schließlich sind wir doch alle "On the same page", oder etwa nicht? Irgendwie als Teil einer Bewegung für das Gute in der Welt.

Die Büchermenschen sind auf derselben Seite

"Das ist natürlich der Vorteil der 'On the same page'-Kampagne. Zum einen kann ich mich einfach zugehörig erklären, weil wir alle auf einer Seite stehen. Und besonders schön ist natürlich, dass wir als Büchermenschen viele Seiten mit vielen Ideen vollschreiben, dass wir versuchen, unsere Ideen und Positionen versuchen niederzubringen. Und entsprechend passt natürlich dieser Slogan besonders gut", sagt Kathrin Böhne.

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An der Kampagne können alle Besucherinnen und Besucher der Buchmesse ganz einfach teilnehmen.

Wahrscheinlich muss sie das sagen, schließlich ist sie die Sprecherin von "On the same page", jener Kampagne, für die die Branchenverbände im 70. Jahr der Buchmesse eine 70 Jahre alte Weisheit recycelt haben: "Da muss man gar nicht groß etwas Neues erfinden: Es gibt seit 70 Jahren ein Regelwerk, das sich die Menschheit selber gegeben hat, nämlich die allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Und die ist so aktuell wie nie zuvor - und gleichzeitig wird sie gerade so sehr bedroht wie nie zuvor."

Und weil wohl nicht so ganz klar zu sein scheint, wie geläufig die allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist, liegt sie am Stand von "On the same page" stapelweise zum Mitnehmen aus. Vielleicht erreicht sie ja wen oder was.

"Naja, es gibt sehr viele Leute, die derzeit nach den einfachen Wahrheiten suchen. An diese sehr einfachen Wahrheiten glauben wir nicht, und denen wollen wir uns auch entgegenstellen. Es gibt auch Menschen, die die Meinungsfreiheit nutzen, um genau diese Freiheit mittelfristig wieder in Frage zu stellen", erklärt Kathrin Böhne.

Eine Kampagne gegen die einfachen Wahrheiten

Drei Menschen unterschreiben auf einem großen Plakat mit der Aufschrift "I'm on the same page" im Rahmen einer Kampagne auf der Frankfurter Buchmesse für die allgemeine Erklärung der Menschenrechte. © NDR Foto: Judith Blatt

"On the same page"-Kampagne auf der Buchmesse

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Und also geht die Buchbranche mit Büchern dagegen vor. Die Sprecherin führt fort: "Wir haben eine sehr lange Liste mit Büchern zusammen getragen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Mal hochtheoretisch, mal auch sehr einfach erklärt. Oder Belletristik zum Thema. Viele Buchhandlungen haben sich angeschlossen und präsentieren die Büchertische oder Buchauswahlen zu diesem Thema. Außerdem machen viele Verleger mit und überlegen, welche Titel in ihrem Programm genau dazu passen."

Auch sogenannte "Testimonials" - wie von Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni - legen sich für die Kampagne ins Zeug, die übrigens von derselben Agentur organisiert wurde, die auch die FreeDeniz-Kampagne und die Auto-Korsi für Deniz Yücel organisiert hat. Wahrscheinlich reicht es dem Buch heute nicht mehr, Buch zu sein, und der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, einfach richtig zu sein, es bedarf schon eines ordentlichen "campainings", damit wir alle "On the same page" stehen.

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"On the same page" für die Erklärung der Menschenrechte

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