Die Krimi-Autorin Melanie Jungk © Merle Giebeler / NDR Foto: Merle Giebeler

Morden in Fürstenau mit Melanie Jungk

Stand: 05.11.2021 18:01 Uhr

In Fürstenau nahe Osnabrück wirkt und schreibt Melanie Jungk. Hier müssen ihre Ermittler Arne Mayer und Jasmin Krüger diverse Morde aufklären. In der Reihe "Küstenkrimi" lässt Jungk auch an der Nordsee morden.

von Merle Giebeler

Fürstenau, das ist ein kleines Städtchen mit knapp 10.000 Einwohnern, gelegen im ländlich geprägten Osnabrücker Nordkreis. Mancher würde sagen: Niemandsland. Melanie Jungk sagt: meine Heimat - und der perfekte Mord-Ort für Krimis. Auch aus ganz praktischen Gründen, erzählt sie: "Als ich angefangen habe, diese ganze Geschichte zu erfinden, war es für mich schon herausfordernd, dass es mit den Personen passt und dass auch die Geschichte spannend ist. Da habe ich gedacht, ich nehme einfach einen Ort, den ich kenne. Einen Ort, der nicht an der Nordsee ist zum Beispiel, denn da hätte ich ja immer hinfahren müssen."

Duo aus Hannover ermittelt in Fürstenau

Ein altes Gebäude hinter Bäumen und Büschen © Merle Giebeler / NDR Foto: Merle Giebeler
Fürstenau bietet reichlich Orte für ihre Krimis, findet Autorin Melanie Jungk - zum Beispiel die Schlossinsel.

"Diese ganze Geschichte" umfasst inzwischen fünf Fürstenau-Krimis rund um das Ermittlerduo Arne Mayer und Jasmin Krüger. Um die Fälle zu lösen, werden sie extra aus Hannover nach Fürstenau geschickt. Mayer ist selbst auf dem Land groß geworden, während Krüger ein absolutes Stadtkind ist - und überheblich gegenüber den Fürstenauer Landeiern. Immer wieder macht Kommissarin Krüger deutlich, dass sie den Menschen vom Dorf in Sachen Intelligenz wenig zutraut. Und selbstverständlich lässt Autorin Jungk ihre Ermittlerin damit regelmäßig auf die Nase fallen. So belächelt Krüger beispielsweise eine alte Tradition der Fürstenauer spöttisch - und muss später erkennen, dass genau diese Tradition den entscheidenden Hinweis liefert, um den Fall zu lösen.

Mord mit Lokalkolorit

"Es ist Lokalkolorit dabei, ein bisschen Humor, ein bisschen Plattdeutsch, ein bisschen Spannung", so beschreibt Jungk ihre Krimis. "Aber es ist auf jeden Fall nichts Blutiges, ich gehe da nicht ins Detail." Wobei ein kleiner Überblick über ihre Geschichten durchaus von Grausamkeit zeugt: Die erste Leiche ist im Kerker gefesselt. Die Zweite liegt mit aufgeschlitzter Kehle im Wald und der Mörder kündigt mit versteckter Botschaft weitere Verbrechen an. Und in "Morgengrauenkiller" inszeniert ein Unbekannter ein perfides Todes-Spiel, bei dem täglich zum Morgengrauen ein Einwohner sein Leben verliert. Das Hannoversche Ermittlerduo hat also reichlich zu tun. Für ihre Verdienste ernennt die Stadt die beiden schließlich sogar zu Ehrenbürgern. Um ihren Titel entgegenzunehmen, statten die beiden Fürstenau einen weiteren Besuch ab. Aber auch der bleibt nicht leichenlos.

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Brennerei produziert Schnaps zum Buch

Der Krimi ist ihr Genre, sagt Melanie Jungk. Das habe sie schon von ihren Eltern mitbekommen: "Bei uns war sonntags immer 'Tatort'-Abend und mein Vater hat gerne Krimis gelesen. Ausschlaggebend war dann, dass ich in der Bücherei die Krimis von Agatha Christie und Sherlock Holmes entdeckt habe." Ihr erster Fürstenau-Krimi "Schnapsleichenfund" ist 2014 entstanden. Als Kulisse dient ein altes Gefängnis, das noch heute auf der Schlossinsel der Stadt steht. In der Folterkammer wird eine Leiche gefunden, ermordet mit einer Flasche der örtlichen Schnapsbrennerei. Auch die gibt es wirklich. Ob es in der Brennerei so gut ankommt, in einen Mordfall verwickelt zu sein? “Die waren sogar begeistert und machen Werbung für mein Buch”, erzählt Jungk. So gibt es zum Beispiel einen extra produzierten Schnaps zum "Schnapsleichenfund".

Zweite Reihe: Küstenkrimis spielen in Ostfriesland

Eine Gebäudewand mit zwei Holztüren und einem Holzschild © Merle Giebeler / NDR Foto: Merle Giebeler
Das historische Gefängnis in Fürstenau kennt Melanie Jungk ganz genau. Beste Voraussetzung für ihre Regionalkrimis.

Jungks Krimis spielen aber auch im Fürstenauer Umland. Auf Wunsch der Leser führt ihr jüngster Fall die Ermittler in den Nebenort Schwagstorf, wie Jungk lachend erzählt: "Die haben gesagt: Morde doch mal in Schwagstorf!" Das ließ sie sich nicht zwei Mal sagen und bescherte den Schwagstorfern in "Männercliquenexitus" gleich fünf Leichen. Inzwischen traut Jungk sich übrigens auch zu, an Orten zu ermitteln, die weiter von ihrer Heimat entfernt sind: Ihre zweite Reihe läuft unter dem Titel "Küstenkrimis", mit Schauplätzen in Ostfriesland.

Jungk verlegt ihre Krimis selbst

Ihre Bücher verlegt Melanie Jungk selbst. Als "Self-Publisherin" braucht sie somit keinen Verlag. "Heute, im Zeitalter der Digitalisierung, ist das Gott sei Dank kein Problem mehr", sagt die Autorin. Kosten entstehen ihr trotzdem, zum Beispiel für Cover-Gestaltung und Lektorat. Durch den Verkauf ihrer Krimis kann sie diese Kosten aber ganz gut ausgleichen. Melanie Jungk ist eigentlich Steuerfachangestellte und Mutter. Wenn Familie und Job es zulassen, nutzt sie die Zeit zum Schreiben: mal im Camper auf dem Weg in den Urlaub, mal im Wartezimmer beim Arzt, und mal ganz idyllisch am Ufer der Hase: "Meinen ersten Krimi habe ich zu großen Teilen in Bramsche an der Hase geschrieben, weil meine Tochter dort zu einem Kurs musste. Ich musste dann immer eine Stunde auf sie warten und dann habe ich mich in die Sonne gesetzt und in meine Kladde geschrieben." Ganz klassisch, ohne digitalen Schnickschnack, so mag es die Fürstenauerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 05.11.2021 | 20:00 Uhr

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