Uli Balß: "Terra Incognita Tuva" (Cover) © Jaro Medien Foto: Uli Balß

Karge Landschaften: Bildband "Terra Incognita Tuva" von Uli Balß

Stand: 19.03.2021 16:35 Uhr

Der Musikverlag Jaro ist seit über 30 Jahren ein namhafter Herausgeber und gleichzeitig Konzertagentur für Musik aus aller Welt. Mehrfach wurden die Aufnahmen schon international ausgezeichnet

von Petra Rieß

Für den in Bremen ansässigen Verlag gab es bereits einen BBC-Preis, den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik sowie zwei Grammy-Nominierungen.

Verlagsgründer und Herausgeber Ulrich Balß hat neben der Musik aber noch zwei weitere Leidenschaften: Das Reisen und die Fotografie. Nach Büchern über Lissabon und dem historischen New York ist ein Bildband über die russische Republik Tuva das dritte Fotobuch dieser Reihe.

Karge Landschaft, großzügige stolze Menschen

Diese abgelegene Region befindet sich im Süden Sibiriens: Himmel. Viel Himmel. Karge Bergkämme. Hellbraunes Gras wächst auf einer Hochebene. Nichts hält den Blick fest, auch nicht die Bäume, die mal vereinzelt, mal als Grüppchen in der Landschaft kauern.

An einem jener geduckten Bäume hängen blaue, gelbe und rote Stoffstücke an den Zweigen, flattern im Wind. Eine alte Frau steht am Wegesrand, ebenfalls bunt gekleidet, die Augen geschlossen. In der rechten Hand hält sie einen Holzlöffel. Aus einer weißen Schüssel schöpft sie eine weiße Flüssigkeit - Milch - und sie verteilt sie auf dem Boden. Eine weiße Gabe für die Geister, die an Bergpässen oder in Bäumen wohnen. Die bunten Fähnchen markieren, wo man sie treffen, wo man ihnen nahe sein kann.

Die Kinder lernen reiten, bevor sie laufen können

Immer wieder sind da die Pferde. In Herden auf der Steppe, als goldenes Amulett oder Bronzestatue. Dann tragen sie schmale, elegante Figuren mit geschwungenen Bögen. Stolze Reiternomaden, die sogar Dschingis Khan für seine Feldzüge anheuerte.

Heute sitzen Jungs in Trainingshosen und T-Shirt auf ihrem Rücken. Vier, fünf sechs, vielleicht zehn Jahre alt. Nicht minder stolz. Sie lernen reiten, bevor sie laufen können. Auf einem anderen Foto trägt ein schmaler, etwas struppiger Schimmel, gesattelt, gleich zwei dieser Turnhosentuviner.

Die Verbindung der Bewohner zur Natur ist eng

Damit man sich nicht verirrt, gibt es im Buch eine Landkarte von Tuva. Entlang der rot markierten Landesgrenze befinden sich Russland, Kasachstan, China und die Mongolei. Tuva liegt im Zentrum Asiens. Das Wort bedeutet Mutterland, Mutter Erde.

Die Verbindung der Tuviner zur Natur ist eng. Zwei Drittel der Bevölkerung lebt in der Steppe, in sogenannten Jurten. Große weiße Rundzelte, mit Sonnenkollektoren und Satellitenschüsseln auf dem Dach.

Leben im Mikrokosmos Jurte

Die Jurte ist der Mikrokosmos des Tuva-Universums. Im Inneren stehen rot bemalte Holzbetten wie in einem Zirkusrund am Rand der Zeltwand, die mit gelbem, schimmernden Stoff ausgekleidet ist. In der Mitte der Ofen, auf dem gekocht wird. Die Tuviner sind gastfreundlich. Sie reichen Schüsseln mit Hammelfleisch, zerstoßene Hirse und Gerste, aus denen Brei bereitet wird, und natürlich Tee.

Wenn alle versammelt sind, wird gesungen. Chöömej nennen die Tuviner ihren Kehlkopfgesang, der die charakteristischen, pfeifend klingenden Obertöne erzeugt. Es ist der Gesang jener Menschen, die eng mit der Natur verbunden sind. Sie erzählen die Geschichte dieses Volkes und schon die Kinder lernen ihn zu singen. Auch in der Hauptstadt Kysyl, wo ein Drittel aller Tuviner lebt.

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt Tuva eine kulturelle Renaissance. Nur deshalb begegnen wir auf einigen Bildern dieses Fotobandes auch dem traditionellen tuvinischen Ringkampf, dem Huresh, den die Männer unter freiem Himmel austragen - archaisch und anmutig wie das Land.

Terra Incognita Tuva

von Uli Balß
Seitenzahl:
144 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Deutsch/Englisch, 21,6 x 30,9 cm. Mit Bonus-DVD: TV-Dokumentation über Tuva von 1993
Verlag:
Jaro Medien
Bestellnummer:
3981350960
Preis:
35,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 21.03.2021 | 17:40 Uhr

Mehr Kultur

Blick auf die Trave und die Lübecker Altstadt mit den Kirchen St. Petri und St. Marien. © Colourbox Foto: Olena Buyskykh

Kultureinrichtungen in Lübeck öffnen wieder

Unter anderen hat das Lübecker Kino als eines der ersten in Deutschland wieder geöffnet - mit der Deutschlandpremiere eines Oscarfilms. mehr