Stand: 30.03.2019 00:00 Uhr

Indiebookday: Zu Besuch beim Kleinstverlag

von Anina Pommerenke

Seit 2013 gibt es den "Indiebookday". Erfunden hat ihn der mairisch Verlag aus Hamburg. Mittlerweile feiern viele kleine, von Konzernen unabhängige Verlage, aber auch Buchhandlungen in Deutschland, den Niederlanden, Italien oder sogar Brasilien diesen Tag und machen mit Aktionen in den sozialen Medien auf sich aufmerksam. Ein Besuch beim elbaol Verlag im schleswig-holsteinischen Meldorf, dem vermutlich kleinsten Verlag Norddeutschlands.

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Das Autorenkollektiv "Die Wattliteraten" berät sich beim elbaol Verlag in Meldorf.

Um den Wohnzimmertisch von Ellen Balsewitsch-Oldach hat sich das Autoren-Kollektiv "Die Wattliteraten" versammelt. Heute wollen sich die fünf Autorinnen und Autoren auf die Zwischenüberschriften für die nächste gemeinsame Anthologie einigen. Sie ist eines von insgesamt fünf Büchern, die Ellen Balsewitsch-Oldach in ihrem "Eine-Frau-Verlag" noch dieses Jahr herausgeben will. Sie hat sich über den Selbstverlag an die Branche heran getastet: "Ich hatte probehalber mit einem neuen Dienstleister, der im On-Demand-Verfahren produziert, einen eigenen Kurzkrimiband rausgebracht. Und da habe ich gedacht: Donnerwetter, das ist eine Möglichkeit, auch mit wenig Personal zu publizieren."

Ein PC für alles

Jetzt gibt es den elbaol Verlag schon seit zehn Jahren. Damit ist er einer von 197 unabhängigen Verlagen in Norddeutschland, die beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels eingetragen sind. Vor fünf Jahren zog die 64 Jahre alte Verlegerin aus der Hansestadt nach Dithmarschen. Sie wohnt und arbeitet dort in einer über 100 Jahre alten Villa. Während ihr Dienstleister nach Bedarf Druck, Bindung, Packung, Auslieferung und Abrechnung organisiert, braucht Balsewitsch-Oldach nur eins zum Arbeiten: "Mein Rechner ist alles was ich brauche, um die Bücher entstehen zu lassen. Durch den Digitaldruck ist es möglich, am PC zu setzen, Illustrationen zu machen, Cover zu entwerfen - alles hier an diesem Schreibtisch."

Norddeutsche Nischenliteratur

Und das hat sie sich alles selbst beigebracht. Zehn bis zwölf Manuskripte liest sie im Jahr. Eigentlich will sie nicht mehr als vier Bücher jährlich herausgeben. Mit Kurzprosa, Lyrik und Anthologien - meist mit Bezug zu Norddeutschland - hat Balsewitsch-Oldach sich eine Nische gesucht, auch wenn sie mit anderen Themen vielleicht mehr Geld verdienen könnte. Trotzdem steckt für sie gerade in der Kurzprosa viel Potenzial: "Das ist eine feine Sache. Man kann das lesen, wenn man auf den Bus wartet, oder wenn man drei Stationen mit der U-Bahn fährt."

Ein bisschen was Selbstgestricktes

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Satz, Illustrationen, Cover - Ellen Balsewitsch-Oldach entwirft alles an diesem Schreibtisch.

Nur selten erreicht der elbaol Verlag Auflagen im vierstelligen Bereich. Das stellt den kleinen Verlag vor Herausforderungen, wenn es mal wieder Gesetzesänderungen gibt. So wie Anfang des Jahres, als das neue Verpackungsgesetz kam und es plötzlich hieß, der Verlag müsse für in Umlauf gebrachte Verpackungen Strafe zahlen. Balsewitsch-Oldachs Lösung: "Bei allem, was privat bestellt wird, hebe ich die Verpackungen auf. Ich muss dann halt ein bisschen was Selbstgestricktes versenden, anstatt immer neue Verpackungen zu verwenden."

Der einzige Wunsch: Ein Klon

Auch wenn Ellen Balsewitsch-Oldach keinen Konzern im Rücken hat, der ihr finanzielle Sicherheit gibt, hergeben würde sie ihr Indie-Unternehmen nicht. "Das einzige, was schön wäre: Wenn man sich klonen könnte - um dann die ein oder andere Aufgabe zu delegieren." 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 30.03.2019 | 06:40 Uhr