Stand: 05.10.2018 17:00 Uhr

Faszinierende Orte der Einsamkeit und Stille

The Sound of Mountains
von Guerel Sahin
Vorgestellt von Stefanie Groth

Alles hat seinen Klang. Im Wald ächzt und knackst es, Vögel zwitschern. Wind rauscht. Das Meer tost. Und die Berge? Stille. Nichts lässt sich so laut und deutlich vor der Kulisse majestätischer Gipfel wahrnehmen wie das Nichts. Die vollkommene Ruhe, die einen umgibt. Ob schneebedeckt, karges Gestein oder aber dicht bewaldet, es ist vor allem die Einsamkeit - und damit die Stille - die die Berge für uns so faszinierend macht. Der Fotograf Guerel Sahin ist seit jeher fasziniert davon. Berglandschaften sind sein liebstes Motiv. Seine besten Arbeiten sind nun in einem Bildband erschienen, und der heißt, wenig überraschend: "The Sound of Mountains", Klang der Berge.

Sonnenaufgang in den Bergen - ein magischer Moment

Morgens. 4.30 Uhr. Alles ist in tiefes Schwarz gehüllt. Nur die Stirnlampe leuchtet den Weg durch die Dunkelheit, bewahrt den Fotografen vor einem Fehltritt - und damit vor dem sicheren Sturz in den Abgrund. Trekking in den Alpen, 2.900 Meter über Normalnull. Langsam dämmert es. Hinter dem nächsten Berg verziehen sich Gewitterwolken. Die Sonne geht auf. Ein magischer Moment.

14 Stunden lang unterwegs sein für nur ein Motiv. Mit dem Auto durch die Pampa fahren, ohne einer Menschenseele zu begegnen. An entlegene Orte wandern, mit 25 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Das ist Guerel Sahins Element.

Schleierwolken umschmeicheln die Berglandschaft am Horizont. Sie werden durchbrochen von den Felsspitzen der Drei Zinnen - die 2.999 Meter hohen Felswände der Dolomiten erheben sich markant gegen die umliegende Landschaft. "Jedes Mal wenn ich die drei Zinnen von Wolken umgeben sehe, nimmt es mir den Atem. Die bloße Enormität von Mutter Naturs Handschrift in Stein gemeißelt, das ist unglaublich", gesteht der Autor.

Grandiose Natur der Bergwelt

Bis zu 200 Tage im Jahr ist Sahin unterwegs. In der Natur sein, entdecken, immer auf der Suche nach dem perfekten Spot - all das spielt für ihn eine große Rolle beim Fotografieren. Er will nicht einfach nur auf den Auslöser drücken müssen.

Man sitzt mit Sahin am Lagerfeuer, an dem er sich in den frühen Morgenstunden seinen Kaffee kocht, bevor der Rucksack wieder aufgeschnallt wird. Man spürt förmlich die Wasserspritzer, wenn Sahin einen großen Stein für das perfekte Foto in einen malerischen Bergsee wirft. Man blickt mit Sahin auf die rauen Bergfelsen, die sich im Abendlicht in perfekter Symmetrie auf der Wasseroberfläche am Fuße des Berges spiegeln. Als wären oben und unten austauschbar.

"Eine Nacht mitten in den Bergen, weit weg vom Trubel der Metropolen, der schlechten Luft in der Stadt, das hat was. Dann liege ich am Ende völlig kaputt in meinem Schlafsack im Zelt. Um mich herum keinerlei Geräusche, außer natürlich der unverwechselbare Klang der Berge", erzählt Sahin. Der 36-Jährige aus Kaiserslautern brach sein Studium der Elektrotechnik ab, ließ die Gelegenheitsjobs auf der Baustelle hinter sich, um seine Leidenschaft - das Fotografieren - zum Beruf zu machen. Anfangs belächelt, kann Sahin heute gut davon leben. Auch, weil er es versteht, sich und seine Bilder in den sozialen Medien zu vermarkten.

Perfekte Werbung für Outdoorkleidung

Den Rücken zur Kamera steht Sahin vor einer 300 Meter hohen Felswand. Kurze Hose, blaue Regenjacke. Die Kapuze übergezogen. Viel bringen wird das nicht - das Gletscherwasser stürzt über einen Kamm die Felswand hinunter. Direkt auf Sahin.

Das sieht nach perfekter Werbung für Outdoorkleidung aus. Ist es auch. Sahin ist Gesicht einer bekannten Markenfirma. Auf Instagram folgen ihm weit über 100.000 Menschen. Eine Selbstvermarktung, die auch im Bildband immer wieder durchblitzt, wenn er von seinen Reisen erzählt, seinem Werdegang, Rückschlägen und Selbsterkenntnissen: "Ich nehme heute jeden Menschen so wie er ist, auch wenn er noch so vermeintlich unrealistische Träume hat. Ob mich das zu einem besseren Menschen macht? Keine Ahnung. Aber es lässt mich nachts besser schlafen."

Auf den immer wieder dazwischen drängenden Kommentar von Sahin ließe sich gut verzichten. Es stört den Blick auf seine bezaubernden Fotografien von atemberaubenden Bergpanoramen. Ein Beleg dafür, dass es manchmal besser ist, seine Arbeit für sich selbst sprechen zu lassen - und dafür, dass Instagram und Bildbände zwei völlig verschiedene paar Schuhe sind.

The Sound of Mountains

von
Seitenzahl:
240 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
Hardcover 22,3 x 28,7 cm, 120 Farbfotografien, mit Texten auf Deutsch, Englisch und Französisch, Gewicht 1,462 kg
Verlag:
teNeues
Bestellnummer:
978-3-96171-109-3
Preis:
40,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 07.10.2018 | 17:40 Uhr

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