Ewald Arenz: "Der große Sommer" © DuMont Verlag

Ewald Arenz: "Der große Sommer"

Stand: 06.04.2021 17:21 Uhr

Ewald Arenz' erzählt in seinem letzten Roman "Alte Sorten" von einer jungen Frau, die mit einer Essstörung kämpfte. Das Buch war ein Riesenerfolg und stand wochenlang auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

von Andrea Gerk

An die zwanzig Romane und Theaterstücke hat der aus Nürnberg stammende Schriftsteller und Gymnasiallehrer bereits veröffentlicht, jetzt ist sein neuer Roman erschienen.

Zum Lernen zu den Großeltern

"Der große Sommer" spielt in den 1980er-Jahren, im Hintergrund wird gegen Atomkraft und Pershing II-Raketen demonstriert, während der 16-jährige Frieder in Mathe und Latein in die Nachprüfung muss. Für ihn fällt deshalb der Familienurlaub aus, stattdessen soll er sechs Wochen zu seinen Großeltern.

"Sechs Wochen! Die ganzen Sommerferien bei meinem Großvater. Ausgerechnet. Ich meine, ich liebte meine Großmutter. Nana. Ich fand sie unglaublich. Aber vor meinem Großvater hatte ich, ehrlich gesagt, einfach Angst." Leseprobe

Nicht ganz zu Unrecht, denn der Großvater ist eine außergewöhnliche Erscheinung. Der Herr Professor ist ein angesehener Bakteriologe mit eigenem Labor, jeden Morgen badet er eiskalt, die Enkel sollten ihn siezen, bis sie zehn waren. Ein penibler Mann, unerbittlich und streng gegen sich und andere. Keine guten Aussichten also, wären da nicht die Großmutter Nana, eine Künstlerin, und dieses Mädchen im flaschengrünen Badeanzug, das Frieder im Schwimmbad trifft und unbedingt wiedersehen will.

Die Wirren der Pubertät

"Dann sah ich Beate in der Menge. Ich erkannte sie sofort. Sie stand in einer Gruppe von sieben, acht anderen Mädchen, unterhielt sich, lachte und für einen Moment sah sie aus wie eines der Blätter der Silberpappeln: flirrend und schön. Mir stieß es kalt durch den Magen - dieses seltsame Erschrecken zwischen Freude und Angst. Und jetzt?" Leseprobe

Die wilden Gefühle der ersten großen Liebe, die Selbstzweifel und Wirrungen der Pubertät sind das eigentliche Thema dieses fast schon klassischen Coming-of-Age-Romans. Frieders Schwester Alma, sein bester Freund Johann, Beate und er hängen, so oft es geht zusammen ab, sie steigen nachts ins Schwimmbad ein, werden natürlich erwischt und wachsen bei solchen Mutproben über sich hinaus.

Dass nach diesem "großen Sommer" nichts mehr so ist wie zuvor, liegt aber auch an den beiden vielleicht interessantesten Figuren dieses Romans - den Großeltern. Weil Frieder nicht begreift, wie die bezaubernde Künstlerin Nana sich ausgerechnet in den so unerbittlich wirkenden Großvater verlieben konnte, stöbert er in alten Tagebüchern und Briefen und erfährt von einer großen Liebesgeschichte, die von Flucht und Krieg geprägt ist und viel mit seiner eigenen zu tun hat.

Überrascht von der ersten Liebe

"Ich wollte wissen, wie das alles gewesen war. Wie mein echter Großvater Nana verlassen hatte, mitten im Krieg. Eigentlich kapierte ich erst jetzt so richtig, was es für Mama bedeutet haben musste, plötzlich keinen Vater mehr zu haben. Und für Nana? Wie es für sie gewesen war, als sie sich so unsterblich in Großvater verliebte wie ich mich in … Ja. Wie ich mich in Beate. Vielleicht wiederholt sich die Geschichte manchmal. Alles Schicksal. Oder nicht?" Leseprobe

Mit viel Einfühlungsvermögen und Humor erzählt Ewald Arenz von einer Zeit im Leben, in der noch alles möglich scheint, weil über so vielem der Zauber des ersten Mals liegt. Sich diese Energie zu bewahren, dazu kann dieser schöne Sommerroman auf poetische Weise anregen.

Der große Sommer

von Ewald Arenz
Seitenzahl:
320 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
DuMont
Bestellnummer:
978-3-8321-8153-6
Preis:
20,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 07.04.2021 | 12:40 Uhr

Mehr Kultur

Die Direktorin des Hamburger Völkerkundemueseums, Barbara Plankensteiner. © Museum für Völkerkunde Hamburg Foto: Paul Schimweg

Provenienzforschung: "Es gibt einen Wandel in der Haltung"

Barbara Plankensteiner, Direktorin des MARKK, spricht über den aktuellen Stand der Provenienzforschung in Deutschland. mehr