Stand: 27.04.2020 17:23 Uhr

Fußball-Regionalliga: Saison-Abbruch einzige Option?

Seit dem vergangenen Freitag hat die Homeoffice-Zeit für die Fußballer des VfB Lübeck ein Ende. Unter strengen Auflagen und in Kleingruppen durften die Spieler des Regionalliga-Tabellenführers wieder auf dem Platz an der Lohmühle trainieren. Die Kicker von Coach Rolf Landerl bereiten sich damit als bisher einziger Club aus der Nordstaffel wieder gemeinsam auf den Tag X vor - den Zeitpunkt der Saisonfortsetzung. Doch wird die nach der 25. Runde wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Serie überhaupt noch zu Ende gespielt? Reenald Koch, Vorsitzender des Regionalligaausschusses beim Norddeutschen Fußball-Verband (NFV), ist diesbezüglich skeptisch. Sehr skeptisch.

"Meine Befürchtung ist, dass wir in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr Fußball spielen werden. Es gilt in Deutschland nach wie vor die Abstandsregel. Und wann die aufgehoben wird, weiß letztendlich keiner", sagte der 60-Jährige in der Sendung Sportplatz bei NDR 90,3.

Geisterspiele in Liga vier eigentlich undenkbar

Der Ex-Profi und Vorstandschef des FC St. Pauli und aktuelle Präsident von Eintracht Norderstedt entwickelt derzeit für den NFV Konzepte, wie es in der Regionalliga weitergehen könnte. In der ersten Mai-Woche sollen die 18 Clubs dann über die konkreten Pläne abstimmen. Geisterspiele dürften für die Mehrheit der Vereine dabei keine Option sein. Zum einen, weil mit Ausnahmen der U23-Teams der Proficlubs alle Viertligisten die Einnahmen aus den Ticketverkäufen benötigen. Zum anderen würden noch enorme Zusatzkosten wegen vermutlich vorgeschriebener Corona-Tests auf sie zukommen. "Jeder am Spiel Beteiligte - also auch Physiotherapeuten, Trainer und Busfahrer - müsste vor dem Spiel getestet werden. Ein Corona-Test kostet derzeit 150 Euro. Legt man 25 Beteiligte pro Verein zugrunde, wären das pro Spiel 3.750 Euro", rechnete Koch vor. Bei noch neun ausstehenden Spieltagen würde das für jeden Regionalligisten einen finanziellen Mehraufwand von insgesamt 33.750 Euro bedeuten.

Koch plädiert für Quotientenregelung

Summiert mit den fehlenden Zuschauereinnahmen würden sich für die Clubs Mehrkosten ergeben, die sie nur schwer oder in vielen Fällen gar nicht schultern könnten. Selbst in der weitaus prominent besetzteren Regionalliga West, in der unter anderem die Ex-Bundesligisten Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen um Punkte kämpfen, votierten 17 der 18 Vereine bei einer Umfrage für einen Abbruch der Saison. Das Meinungsbild bei den Nord-Clubs dürfte nahezu identisch sein. Bliebe aber die Frage, wie die Serie im Falle eines Abbruchs gewertet würde. Koch präferiert eine Quotientenregelung. "Die Anzahl der Spiele durch die erreichten Punkte - das ist, glaube ich, eine gute Lösung", sagte der NFV-Funktionär NDR 90,3.

Keine Absteiger in dieser Saison?

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Eine solche Quotientenregelung käme dem VfB Lübeck zugute. Er würde als Erster in die Dritte Liga aufsteigen. Aber würde Verfolger VfL Wolfsburg II dem zustimmen? Und was würden die Clubs tun, die deswegen absteigen müssten? Oder würde es wegen der besonderen Situation in dieser Serie keine Absteiger geben? Fragen, die noch geklärt werden müssen - abseits des Spielfelds. Dass alsbald wieder Entscheidungen auf dem grünen Rasen fallen, kann sich Koch nicht vorstellen. "Es gibt eine einzige Möglichkeit: Es wird rechtzeitig ein Impfstoff gefunden. Aber so lange die Abstandsregelung nicht aufgehoben wird, wird es wohl auf absehbare Zeit kein Amateurfußball in Deutschland geben", sagte der Norderstedt-Präsident.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Sportplatz | 26.04.2020 | 18:00 Uhr

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