Vereins-Präsident Oke Göttlich auf der Mitgliederversammlung des FC St. Pauli © Witters

Corona: St. Pauli macht Millionen-Verlust - Göttlich weiter Präsident

Stand: 01.12.2021 23:10 Uhr

Bedingt durch die Corona-Pandemie hat der Fußball-Zweitligist FC St. Pauli im Geschäftsjahr 2020/2021 5,75 Millionen Euro Verlust gemacht. Oke Göttlich, der als Präsident wiedergewählt wurde, prophezeite auf der Mitgliederversammlung auch für das laufende Saison Millionen-Verluste.

"Das klingt dramatisch und ist auch sehr schmerzhaft für uns alle", sagte Göttlich. "Aber wenn man bedenkt, dass wir Corona-bedingt über 22 Millionen Euro Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, relativiert sich das Ergebnis jedoch." Kalkuliert hatte der FC St. Pauli mit einem Umsatzrückgang von zehn Millionen Euro.

Vor allem die Geisterspiele in der vergangenen Saison haben dem Kiezclub zugesetzt. Aber auch in beinahe allen anderen Bereichen schlugen die Corona-Folgen zu Buche, unter anderen im Veranstaltungs- und Eventgeschäft, den Fanshops und bei der Fußball-Schule.

Das Eigenkapital des Vereins hat sich von 14 auf knapp acht Millionen Euro nahezu halbiert. Trotz der enormen Einnahmeverluste stehe der Verein auf "festen Füßen", versicherte Göttlich.

Präsident Göttlich vier weitere Jahre im Amt

Der 46-Jährige steht seit 2014 an der Spitze des Vereins und wurde von den in den Messehallen anwesenden Mitgliedern mit 258 von 263 abgegebenen Stimmen als Vereins-Präsident wiedergewählt. Zusammen mit seinen ebenfalls im Amt bestätigten Stellvertreterinnen und Stellvertreter Christiane Hollander, Esin Rager, Carsten Höltkemeyer und Jochen Winand wird Göttlich, der keinen Gegenkandidaten hatte, auch die kommenden vier Jahre die Geschicke des Vereins leiten, der sich in der Corona-Krise auf die Unterstützung seiner Fans verlassen kann.

So haben viele Anhänger in der vergangenen Saison auf die Erstattung ihrer bereits erworbenen Dauerkarten verzichtet. Kurzarbeit, der Gehaltsverzicht von Spielern und leitenden Angestellten, die Unterstützung einiger Sponsoren sowie ein erneuter Transferüberschuss konnten zudem das Minus in Grenzen halten.

"Wir konnten uns wieder auf die Solidarität unserer Mitglieder, Fans und Partner verlassen." Oke Göttlich

"Die Corona-Krise hat uns im Jahr 2020 in einer Zeit getroffen, als wir uns wirtschaftlich sehr gut entwickelt hatten", sagte Vizepräsident Höltkemeyer. "Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren konnten wir ein Eigenkapital in Höhe von 14 Millionen Euro aufbauen. Das war und ist eine gute Grundlage bei der Bewältigung der Krise."

Bereits im Geschäftsjahr 2019/2020 hatte St. Pauli ein Minus von 557.000 Euro verzeichnet, das erste nach zuvor neun Jahren in den schwarzen Zahlen.

Göttlich: "Wir bleiben im Krisenmodus"

Durchatmen kann der Zweitliga-Spitzenreiter keineswegs. "Die Krise ist noch nicht vorbei und es gilt auch weiterhin größte Aufmerksamkeit", so Höltkemeyer. Sollten die Fans wieder teilweise oder sogar komplett aus den Stadien verbannt werden, würden neue finanzielle Herausforderungen auch auf den FC St. Pauli zukommen.

"Wir stehen in einer der schwersten Krise in der Geschichte unseres Vereins." Oke Göttlich

Der Verein befände sich in einer weiteren wirtschaftlich schwierigen Saison, in der erneut Verluste in Millionenhöhe zu erwarten seien, sagte Göttlich. "Wir bleiben im Krisenmodus, minimieren unsere Kosten und sorgen für ausreichend Liquidität, für den Fall, dass die Lage wieder schlimmer wird als sie jetzt schon ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 01.12.2021 | 23:03 Uhr

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