FC St. Pauli feiert die Herbstmeisterschaft - ohne abzuheben

Stand: 05.12.2021 10:51 Uhr

Der FC St. Pauli hat auf dem angepeilten Weg zurück in die Fußball-Bundesliga mit der Herbstmeisterschaft einen Meilenstein gesetzt. Vor 19.950 Fans war nach dem Sieg gegen Schalke Party angesagt - ohne das Wesentliche aus den Augen zu verlieren.

von Florian Neuhauss

Es war ein Abend wie gemalt: Das letzte Mal im heimischen Millerntor-Stadion, bevor die neuen Corona-Beschränkungen greifen. Der ärgste Verfolger Darmstadt 98 hatte den Kiezkickern mit der Niederlage in Düsseldorf die Herbstmeisterschaft auf dem Silbertablett präsentiert. Und dann lieferten die St. Paulianer mit dem 2:1-Sieg im Topspiel gegen Bundesliga-Absteiger Schalke 04 ab.

Gemeinsam mit den 19.950 Fans feierten die Hamburger nach dem Schlusspfiff ein schon jetzt überragendes Jahr (66 Punkte). Am Mikrofon aber ließen sie Zurückhaltung walten. "Wir sind alles geerdete Jungs", sagte Doppeltorschütze Guido Burgstaller. "Wir wissen, was zu tun ist, und dass wir hart arbeiten müssen, um solche Erfolge zu haben." Von der Herbstmeisterschaft könne man sich nichts kaufen. "Ich hoffe aber, dass wir so weitermachen."

St. Paulis tiefer Fall vor dem Höhenflug

Burgstaller ist der personifizierte Erfolg der Hamburger. Als der Österreicher in der vergangenen Saison verletzt fehlte, schienen die Tage von Cheftrainer Timo Schultz, der gegen Schalke wegen seiner Corona-Infektion weiter fehlte, bereits gezählt zu sein. Mit der Rückkehr Burgstallers auf den Platz begann die atemberaubende Zeit für St. Pauli.

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Der FCSP ist das beste Zweitliga-Team des Kalenderjahres. Dank 31 Punkten in der vergangenen Rückrunde befreiten sich die Norddeutschen überzeugend jeder Abstiegssorgen. Mit den 35 Punkten, die die Schultz-Elf schon jetzt geholt hat, klopft der Abstiegskandidat von vor einem Jahr lautstark ans Tor zur Bundesliga, aus der der Club 2011 abstieg.

Schultz Corona-Pause geht spurlos am Team vorbei

Dass St. Pauli nun so gut dasteht, geht allerdings nicht nur auf Burgstallers Konto. Dass Manager Andreas Bornemann in der schwierigen Phase an Schultz und seinem jungen Trainerteam festhielt, ist alles andere als selbstverständlich. Schultz selbst hat den "Freibeutern der Liga" neues Leben eingehaucht. Und nicht minder bemerkenswert ist, dass sich das Team nicht verunsichern ließ, dass Corona-bedingt auf einmal die im Profifußball bis zum Engagement bei St. Pauli völlig unerfahrenen Loïc Favé und Fabian Hürzeler, beide mit 28 Jahren jünger als so mancher Spieler, das Sagen hatten.

"Ich muss Loïc und Fabi mal ein großes Kompliment machen, die beiden machen das überragend", lobte der 32-jährige Burgstaller. "Da war für uns keine große Umstellung nötig, seitdem Timo in Quarantäne ist. Man muss wirklich den Hut ziehen vor den zwei Jungs. Das macht richtig Spaß."

St.-Pauli-Kapitän Ziereis: "Grundlage Arbeit gegen den Ball"

Mit seinen Saisontreffern 13 und 14 ist Burgstaller bester Torjäger und Scorer (18 Punkte) der Liga. Gegen Schalke kam es allerdings nicht nur auf die Sturmreihe an. "Es war eine brutale Energieleistung von allen. Fabi hat vor dem Spiel eine super Ansprache gehalten, alle Leute im Staff haben sich eingebracht. Das hat man dann auch auf dem Feld gesehen. Insgesamt haben wir als Mannschaft geschlossen verteidigt", erklärte Favé.

Und Kapitän Philipp Ziereis betonte: "Die Arbeit gegen den Ball war die Grundlage, wir haben alles reingeworfen. Alles in allem war das schon ein verdienter Sieg. Es ist schön, dass wir das am Ende gezogen haben." 27 von 39 Zweitliga-Herbstmeistern sind am Saisonende in die Bundesliga aufgestiegen. Unter den Gescheiterten waren in den jüngsten Jahren Eintracht Braunschweig, Holstein Kiel und gleich zweimal der HSV...

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 05.12.2021 | 23:03 Uhr

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