Fabian Klos (l.) von Arminia Bielefeld und Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg (Bild-Collage) © imago images/Sportfoto Rudel/imago images/Christian Schroedter

VfL Wolfsburg in Bielefeld: Duell der Ausnahme-Stürmer

Stand: 19.02.2021 07:56 Uhr

Heute Abend (20.30 Uhr) gastiert der VfL Wolfsburg in der Fußball-Bundesliga bei Arminia Bielefeld. Dabei kommt es zum Duell zweier Stürmer, die beide einen ähnlichen - ungewöhnlichen - Werdegang hinter sich haben: Fabian Klos und Wout Weghorst.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesligaprofis haben beide kein Nachwuchsleistungszentrum besucht, sondern kickten als 18-Jährige im Seniorenbereich bei kleinen, weit unterklassigen Vereinen.

Der junge Klos: "Übergewicht und steht fast nur vorne drin"

Der gebürtige Gifhorner Klos knipste als A-Jugendlicher für den Bezirksligisten SV Meinersen ebenso zuverlässig wie später für den Oberligisten MTV Gifhorn. Das rief 2009 den regionalen Platzhirsch VfL Wolfsburg auf den Plan. Co-Trainer Bernd Hollerbach lotste den 21 Jahre alten Stürmer zur U23 des deutschen Meisters: "Der Junge hat zwar Übergewicht und steht eigentlich fast nur vorne drin. Aber wenn er an den Ball kommt, zeigt er eine unglaubliche Gefährlichkeit", erinnert sich Wolfsburgs damaliger Regionalliga-Coach, Lorenz-Günther Köstner, im "kicker" an Hollerbachs ungewöhnliche Empfehlung.

Klos tat sich allerdings schwer. "Fabian hatte eben nichts von dem, was man heute einen top-ausgebildeten Spieler oder angehenden Profi nennen würde. Eine gewisse Konstitution ist aber doch die Grundvoraussetzung. Mein Assistent Alexander Strehmel und ich haben ihn im Trainerbüro bearbeitet: 'Tu' mehr für dich, geh' laufen, mach Gymnastik!' Und wir haben seine Ernährung umgestellt", erzählte Köstner.

Konkurrenz beim VfL zu groß

Aber die Konkurrenten in jener Zeit beim VfL hießen Edin Dzeko oder Grafite. Zu große Kaliber für Klos. "Fabian musste sich noch entwickeln, den berühmten nächsten Schritt machen", sagte Köstner, der zugleich beim Angreifer einen "unbändigen Willen" sah, "alles herauszuholen und auch noch das letzte Trainingsspiel zu gewinnen".

Diesem Ehrgeiz habe Klos es zu verdanken, dass er doch noch den Durchbruch schaffte, so Förderer Köstner. Zwar gelang dies nicht beim VfL Wolfsburg, aber dafür ab 2011 mit dem Wechsel zu Arminia Bielefeld. Für die Ostwestfalen erzielte er in 193 Zweitligaspielen 79 Tore und erfüllte sich jetzt mit 33 Jahren sogar noch den späten Traum Bundesliga.

Weghorst: "Ich spielte Kreisliga, lebte aber wie ein Profi"

Ehrgeiz ist auch die herausragende Charaktereigenschaft von Wout Weghorst, der allerdings nie Probleme mit überschüssigen Pfunden hatte. Der Wolfsburger Torjäger ordnete seinem Ziel Profifußball schon früh alles unter: "Als 18-Jähriger spielte ich in der neunten oder zehnten Liga. Trotzdem wollte ich es nach oben schaffen. Und wenn die anderen am Wochenende feiern gingen, dann blieb ich zu Hause und ging früh ins Bett. Ich spielte Kreisliga, lebte aber wie ein Profi", beschrieb der Niederländer seine Anfänge im "11 Freunde"-Interview.

Ebenso wie Klos erlebte Weghorst in jungen Jahren zunächst eine Abfuhr bei den Profis und fiel als Viertliga-Stürmer beim Probetraining des Zweitligisten Heracles Almelo durch. "Ich dachte nur 'Wow: Was ist das denn?': Das Tempo, die Physis, die Technik. In allen Bereichen war der qualitative Unterschied gigantisch. Trainer Peter Bosz sagte damals, dass es noch nicht reichen würde. Allerdings sah er auch schon mein Potenzial."

Auf dem Weg zum VfL-Rekordtorschützen

Und Weghorst schaffte es nach oben. Zwei Tage nach seinem 22. Geburtstag feierte er sein Erstligadebüt und trifft seitdem zuverlässig. Nach vier Jahren und 52 Toren in der Eredivisie heuerte er 2018 in Wolfsburg an. Dort hat er sich mit 47 Treffern in 87 Bundesligapartien bereits auf Rang vier der VfL-Rekordtorschützen vorgearbeitet. Für Rang eins fehlen ihm lediglich 20 Tore - es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Weghorst auch an Grafite und Dzeko vorbeigezogen ist - jenen Stürmern, die einst dem jungen Fabian Klos in Wolfsburg im Wege standen.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.02.2021 | 23:00 Uhr

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