Shakehands zwischen Hamburgs Jonas Meffert (l.) und Aues Sören Gonther. © Witters

Spätes Eigentor rettet HSV vor Blamage bei Erzgebirge Aue

Stand: 02.10.2021 13:30 Uhr

Fußball-Zweitligist Hamburger SV hat dank eines Eigentors in der Nachspielzeit noch einen Punkt beim bisherigen Schlusslicht Erzgebirge Aue geholt. Die Partie am Freitagabend endete 1:1 (0:1).

von Martin Schneider

Zwei kuriose Tore sorgten im Erzgebirge für die Punkteteilung, die angesichts der schlechten Leistung und trotz Überzahl für die Hamburger am Ende schmeichelhaft war. "Wir waren heute nicht gut, haben nicht ins Spiel gefunden und holen einen glücklichen Punkt, über den wir trotzdem froh sind", sagte Trainer Tim Walter nach dem Spiel.

"Wir haben ganz ehrlich schei*e gespielt. Das muss man so sagen." Tim Walter

Zwei Tage frei zum Nachdenken

Trotz der Kritik gab er seinen Spielern nach der Rückkehr am Samstagmorgen und dem Auslaufen und Regenerationstraining für zwei Tage frei. Zeit für sie zum Nachdenken. Der Trainer kündigte in der durch die Länderspiele bedingte zweiwöchige Ligapause eine Analyse an, "und dann müssen wir in zwei Wochen neu ansetzen". Zu analysieren und neu anzusetzen gibt es reichlich. Daran ändert auch die kleine Erfolgsserie von sechs Spielen ohne Niederlage nichts.

HSV dominiert, hat aber keine Torchancen

Der HSV dominierte zunächst die Anfangsphase. Die Hanseaten ließen den Ball souverän durch die eigenen Reihen laufen, ohne sich allerdings torgefährliche Aktionen zu erspielen. Die Lila-Weißen machten die Räume dicht und zeigten Härte in den Zweikämpfen.

Die Offensivaktionen der Hausherren waren Folgen des bekannten wie riskanten Walter-Balls. Ein kurzer Rückpass von Tim Leibold brachte in der siebten Minute Daniel Heuer Fernandes in Not, der Klärungsversuch des HSV-Keepers landete bei Aue. In der 18. Minute vertändelten die Norddeutschen erneut den Ball kurz vor dem eigenen Strafraum, ehe Jonas David den folgenden Auer Abschluss zur Ecke klären konnte.

Ping-Pong-Gegentor für Hamburg

Beide Aktionen waren kuriose Vorboten eines Gegentreffers der Kategorie "Pleiten, Pech und Pannen". Und wieder stand David im Mittelpunkt. Unfreiwillig. Der Verteidiger wollte eine Flanke klären, köpfte dabei aber den direkt vor ihm stehenden Antonio Jonjic an. Von dessen Hinterkopf prallte der Ball am verdutzten Heuer Fernandes ins Tor zum 1:0 für die Sachsen (23.).

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Auf dem Platz wurde es danach hitzig. Kleine Fouls, Wortgefechte und eine Rudelbildung behinderten den Spielfluss. All dies spielte den Sachsen in die Karten, die Atmosphäre im Erzgebirge erinnerte eher an ein Pokalspiel. Jede gelungene Aktion des vermeintlichen Underdogs wurde von den Zuschauern lautstark gefeiert. Fast hätten die Auer Fans sogar noch den zweiten Treffer vor der Halbzeit bejubeln können, doch der Kopfball von Babacar Gueye ging haarscharf am rechten Pfosten vorbei. Pause - die konnte der sichtlich beeindruckte HSV gut gebrauchen.

Jatta und Reis bringen keine Belebung

Walter reagierte und brachte Bakery Jatta sowie Ludovit Reis in die Partie. Doch das Problem blieb: Aue war schwer zu knacken. Jatta bekam kaum Bälle, um seine Stärken im Eins-gegen-Eins auszuspielen. Und Reis knüpfte an die Fehlpasswerte seiner Kollegen im Mittelfeld an. Vom eigenen Spiel und vom Gegner entnervt, gelangen den Hamburgern kaum nennenswerten Offensivaktionen - bis auf einen "Torschuss" des ebenfalls eingewechselten Anssi Suhonen, der eigentlich flanken wollte und Martin Männel im Auer Tor prüfte.

Überzahl und kurioses Eigentor

Die Gastgeber holten die Hamburger mit einer unsportlichen Aktion zurück in die Partie. In der 69. Minute trat Soufiane Messeguem dem ihm enteilenden Sonny Kittel von hinten in die Beine - Platzverweis für den Aue-Profi und erneut Hektik auf und neben dem Platz. Die übertrug sich auf die Schlussphase der Partie. Die Gastgeber mauerten sich ein, gewannen die entscheidenden Zweikämpfe und machten dem HSV das Leben schwer.

Als alle schon mit dem Schlusspfiff rechneten, leitete der HSV den letzten Angriff des Spiels ein. Robert Glatzel legte im Strafraum für den gerade erst eingewechselten Tommy Doyle ab, der das Leder über Männel hinweg an die Latte hob. Aues Verteidiger Dirk Carlson wollte den Ball wegköpfen, doch das Spielgerät rutschte ihm über den Scheitel und landete im eigenen Netz zum 1:1 (90.+4). Es war die letzte Aktion. Die Auer, die den ersehnten ersten Saisonsieg verpassten, sanken entgeistert und frustriert auf den Rasen. Die HSV-Profis machten den Eindruck, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.

9.Spieltag, 01.10.2021 18:30 Uhr

Erzgeb. Aue

1

Hamburger SV

1

Tore:

  • 1:0 Jonjic (23.)
  • 1:1 Carlson (90. +4, Eigentor)

Erzgeb. Aue: Männel - Carlson, Gonther, Bussmann, Barylla - Strauß (90.+2 Majetschak), Fandrich - Zolinski (78. Sijaric), Messeguem, Jonjic (86. N. Kühn) - Gueye (78. Mance)
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah, David, Schonlau, Leibold (75. Muheim) - Heyer (46. Jatta), Meffert, D. Kinsombi (59. Suhonen) - Wintzheimer (46. Reis), Glatzel, Kittel (87. Doyle)
Zuschauer: 7750

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 03.10.2021 | 22:50 Uhr

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