Stand: 10.12.2019 06:31 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Rassismus? Spielabbruch im Amateur-Fußball

Ein Spiel der siebten Fußball-Liga Mecklenburg-Vorpommerns ist am Sonnabend abgebrochen worden, weil sich zwei Spieler der Gastmannschaft von einem Zuschauer rassistisch beleidigt fühlten. Im Landesliga-Spiel zwischen Dynamo Schwerin und Anker Wismar stand es in der 65. Minute 6:0 für die Hausherren, als der Wismarer Kamara Abu Bakarr wütend den Ball in Richtung Zuschauer schleuderte. Er fühlte sich durch einen auf seine Herkunft gezielten Zuruf beleidigt. Der Schiedsrichter stellte ihn wegen des Ballwurfs vom Platz. Daraufhin beschwerte sich auch ein zweiter dunkelhäutiger Wismarer Spieler beim Schiedsrichter über die Rufe von den Rängen.

Spielabbrüche, Rassismus, Gewalt im Fußball

Nordmagazin -

Vier Vorfälle an zwei Wochenenden: Verbale und körperliche Gewalt im Amateurfußball sind keine Ausnahme mehr. Ein Gespräch mit Joachim Masuch vom Landesfußballverband.

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Anker stand "nicht mehr zur Verfügung"

Kurz darauf beschloss Anker Wismar, das Spiel nicht fortzusetzen. "Wir können hier so als Mannschaft nicht weitermachen. Wenn hier zwei Leute von uns beleidigt werden, dann stehen wir da nicht mehr zur Verfügung", sagte Ankers Vize-Präsident Tom Brüggert. Welche Worte aus dem Publikum kamen, ist nicht klar. Ein Zuschauer schilderte gegenüber NDR 1 Radio MV: "Irgendeiner hat gesagt, er soll aufhören zu foulen, und dann ist er ausgerastet." Bereits vor dem Zwischenfall hatte ein Dynamo-Anhänger lauthals gepöbelt. Dies jedoch sei unter "Alltag auf Fußballplätzen" zu verbuchen, meinte Torsten Koop, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im Landesverband, der unter den Zuschauern stand.

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Rassismus? Amateurfußballer brechen Spiel ab

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Schiedsrichter Marvin Tennes hatte beim Spiel Dynamo Schwerin gegen Anker Wismar in der siebten Liga gut zu tun: Die Wismarer fühlten sich von einem Zuschauer rassistisch beleidigt. Video (03:35 min)

Fall kommt vor ein Sportgericht

Laut Koop ist der eigenmächtige Spielabbruch Anker Wismars unabhängig vom konkreten Anlass unzulässig: "Es kann nicht sein, dass eine Mannschaft selbstständig ein Spiel abbricht. Was macht denn Borussia Dortmund vor 80.000 Zuschauern, wenn da etwas reingerufen wird? Die gehen ja auch nicht nach Hause." Der Fall kommt vor ein Sportgericht. Er zeigt, dass die Aggressivität im Amateurfußball auch in Mecklenburg-Vorpommern zunimmt. Erst vor einer Woche war in Pampow ein Schiedsrichter attackiert worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.12.2019 | 12:00 Uhr