Lübecks Spezialist Malone: Wenn Einwürfe zum Ereignis werden

Stand: 08.04.2021 14:20 Uhr

Der beste Einwerfer im deutschen Profifußball steht in Diensten des Drittligisten VfB Lübeck. Ryan Malone befördert den Ball bis zu 40 Meter weit - und avancierte damit schon zum Matchwinner.

von Christian Görtzen

Wenn Ryan Malone an der Seitenlinie eines Fußballfeldes steht und den Ball in den Händen hält, wird es einsam um ihn. Bei anderen Profis würden sich in diesen Augenblicken im Umkreis von sechs bis zwölf Metern Teamkollegen und Mitspieler tummeln - in Erwartung, dass die Kugel schnöde nach vorne geworfen wird. Der US-amerikanische Abwehrspieler des VfB Lübeck sieht in solchen Momenten dagegen nur viel Rasenfläche vor sich.

Mindestens in 25 Metern Entfernung stellen sich die ersten Gegenspieler auf - wohl mehr, um den Raum abzudecken. Sie ahnen, dass der Ball über ihre Köpfe hinwegzischen wird. Und dann höre er in solchen Momenten auch schon die aufgeregten Rufe der gegnerischen Spieler, sagte Malone dem NDR. "Weiter Einwurf kommt!", werde dann laut gewarnt, erzählte der 28-Jährige mit einem Lächeln. "Die wissen schon: Wenn Ryan Malone beim Einwurf steht, dann kommt der schon weit. Das ist ein gutes Gefühl."

Entscheidend beim 3:2-Sieg in München

Malone macht dank seiner besonderen Fähigkeit eigentlich spannungsarme Momente an der Seitenlinie, weit weg vom Tor, zu wahren Ereignissen. In der Vor-Corona-Zeit, als die Tribünen voll waren, folgten dem 1,88 Meter großen Verteidiger gebannte Blicke, wenn er zum Einwurf bereitstand. "Ich habe das in meiner Zeit beim 1. FC Magdeburg erstmals so richtig erlebt, das war schon geil. Jedes Mal, wenn ich zum Einwurf ging, klatschten die Fans und machten 'Ooooooohhhhh', und warteten darauf, dass der Einwurf kommt."

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Tabelle der 3. Fußball-Bundesliga © Panthermedia, NDR.de/Screenshot Foto: Alexander Ricci

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Die Spieler von Bayern München II hätten am vergangenen Sonnabend gewiss bestens darauf verzichten können, dass seine Bälle in den Strafraum gerauscht kamen. Zwei davon führten zu Toren, die abstiegsbedrohten Lübecker siegten mit 3:2, Malone war der Matchwinner - durch Einwürfe!

Sein Bruder zeigte Malone die Technik

Die Basis zu diesem persönlichen Erfolg im Besonderen und dieser Fähigkeit im Allgemeinen legte er in jungen Jahren - durch Neugierde und Ehrgeiz. "Als mein Bruder jung war, hat er auch Fußball gespielt und weit eingeworfen. Ich habe ihn gefragt: 'Wie machst du das?' Er hat mir dann die Technik gezeigt", sagte Malone. "Ich habe dann jeden Tag probiert, probiert, probiert. Und dann habe ich gemerkt: 'Okay, das funktioniert.' Und dann wurde es immer länger, länger, länger."

Als Jugendspieler habe er sich in Videos genau angesehen, wie die besten Einwerfer das hinbekommen. "Die wollen es so perfekt wie möglich machen. Für mich ist der Einwurf auch eine besondere Spezialität. Deswegen habe ich viel studiert, wie kann ich es besser machen, jeden Tag."

Flache Flugbahn, hohes Tempo

Wie weit er den Ball einwerfen könne, wisse er gar nicht. "Vielleicht sind es 40 Meter oder so." Das Besondere ist aber nicht die bloße Weite. Es ist diese Geschwindigkeit, die eine flache Flugbahn und damit eine bemerkenswerte Härte ermöglicht. Der Ball fällt nicht am Ende herunter, sondern hat auch am Fünf-Meter-Raum noch ein Tempo, als sei er von einem Spieler aus dem Halbfeld scharf auf Kopfhöhe hereingeschlagen worden.

Malone: "Es ist mehr Technik als Kraft"

Aber wie macht er das nur? Wie schafft es Malone, dass der Ball beim Adressaten am Fünf-Meter-Raum in Sprunghöhe so druckvoll ankommt? "Auf jeden Fall brauchst du ein bisschen Kraft mit dem Oberkörper, aber es ist mehr Technik als Kraft", so der Familienvater. "Andere Spieler machen Einwürfe nur mit dem Oberkörper, mit den Armen und Schultern, das war's. Aber wenn man Videos von mir sieht, dann erkennt man: Bei mir ist es immer von ganz unten bis ganz oben, du brauchst ein bisschen Rückenstärke", erklärt Malone und stellt im Video-Interview mit dem NDR den Einwurf in seinem Wohnzimmer vorsorglich zur Verdeutlichung nach.

Acht Schritte Anlauf

Ryan Malone vom VfB Lübeck in der Vorbereitung auf einen Einwurf. © Imago/Fotostand Foto: Fotostand/Voelker
Ruhe vor dem Sturm: Ryan Malone kurz vor dem Einwurf.

"Sagen wir, es sei die 85. Minute. Ich konzentriere mich auf den Moment, denn das ist jetzt meine Möglichkeit, der Mannschaft zu helfen", sagt der VfB-Profi. "Normalerweise nehme ich acht Schritte Anlauf, und wenn wir ein Tor machen, nehme ich immer die Arme hoch und gucke zu den Fans." So auch beim 3:2 in München. "Wir haben das endlich mal genutzt mit meinen Einwürfen, das war ein schönes Gefühl, der Sieg war unfassbar."

Am Sonnabend wichtiges Spiel gegen Kaiserslautern

Er gibt vor allem auch Rückenwind für das wichtige Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am Sonnabend (14 Uhr, im Livecenter bei NDR.de), einen Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. "Wir müssen uns auf unsere Qualitäten konzentrieren, dann können wir etwas holen", sagt Malone. Beim Aufsteiger VfB Lübeck, der den Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsrang von sieben auf vier Punkte verkürzte, ist nach dem Erfolg an der Isar der Glaube an den Klassenerhalt zurück. Wenn jetzt noch ein Sieg gegen die "Roten Teufel" gelänge, wäre das ein enormer Schritt.

Und wer weiß, vielleicht wird Malone wie in München nochmals entscheidend dazu beitragen. Sollte es so kommen, wird der 28-Jährige an der Seitenlinie wieder die Arme hochheben, seine Zeigefinger ausstrecken und sich lächelnd um die eigene Achse drehen - mit Blick zur Tribüne. Auch wenn dort weiterhin keine Fans sein werden.

Mögliche Aufstellungen:

VfB Lübeck: Raeder - Malone, Grupe, Rieble - Thiel, Mende, Boland, Ramaj - Zehir - Akono, Deichmann
1. FC Kaiserslautern: Spahic - Hercher, Kraus, Senger, Zuck - Götze, Rieder - Zimmer, Ouahim, Sessa - Pourié

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 10.04.2021 | 14:00 Uhr

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