Hamburgs Khaled Narey (r.) und Jan Gyamerah sind enttäuscht. © IMAGO / HMB-Media Foto: Timm Schamberger/dpa

HSV blamiert sich bei Schlusslicht Würzburger Kickers

Stand: 21.02.2021 16:05 Uhr

Der Hamburger SV hat sich bei Zweitliga-Schlusslicht Würzburger Kickers bis auf die Knochen blamiert. Nach der 2:3 (0:2)-Pleite drohen die Hanseaten, die Tabellenführung zu verlieren.

von Hanno Bode

Dem Nordrivalen Holstein Kiel genügt am Montagabend im Spiel bei der SpVgg Greuther Fürth bereits ein Remis, um die Hanseaten vom Platz an der Sonne zu verdrängen. Wie der zuvor elf Mal in Serie ungeschlagene HSV dorthin gekommen ist, war am Sonntagnachmittag nicht ersichtlich. Die Leistung des sechsmaligen deutschen Fußball-Meisters gegen die Mainfranken genügte jedenfalls keinen höheren Ansprüchen. In dieser Verfassung wären die Norddeutschen in der Bundesliga vermutlich ein Punktelieferant wie es aktuell der FC Schalke 04 ist.

"Das war in den ersten 70 Minuten zu wenig von uns. Es gibt manchmal so Tage, an denen läuft es nicht so", sagte HSV-Kapitän Tim Leibold dem NDR: "Wir haben es den Würzburgern leicht gemacht, waren nicht aggressiv in den Zweikämpfen." Auch Coach Daniel Thioune war bedient. "Das ist nicht unsere Erwartungshaltung, wie wir uns hier heute präsentiert haben. Das tut schon weh", erklärte der 46-Jährige.

Hamburgs Tim Leibold ist enttäuscht. © WITTERS Foto: WolfgangZink

AUDIO: HSV-Kapitän Leibold: "Haben es Würzburg leicht gemacht" (2 Min)

Thioune-Elf ohne Struktur im Spiel

Die Hanseaten hatten im Stadion am Dallenberg ein Déjà-vu. Denn wie bereits im Hinrunden-Duell mit dem Aufsteiger (3:1) waren sie im ersten Abschnitt trotz individueller Überlegenheit nicht in der Lage, der Partie ihren Stempel aufzudrücken. Das aggressive, aber nicht unfaire Zweikampfverhalten der Bayern sowie deren hohes Anlaufen war nicht nach dem Gusto des Aufstiegskandidaten. Und hatte der HSV doch einmal die erste Verteidigungslinie der Hausherren überspielt, agierte er anschließend zu unpräzise. Aus dem Spiel heraus erarbeiteten sich die Gäste in den ersten 45 Minuten keine einzige Chance. Top-Torjäger Simon Terodde war vor der Halbzeit ein Phantom.

Dennoch fehlte nicht viel, und die Hamburger wären in Führung gegangen: Sonny Kittel scheiterte mit einem Freistoß aus 25 Metern am Pfosten (10.). Mehr als diesen Standard hatte der Favorit offensiv nicht zu bieten.

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Fußball-Tabelle © Panthermedia,  Screenshot/NDR Foto: Tobias Eble

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Gyamerah streckt vor 0:1 Heyer zu Boden

Aber nicht nur in der Vorwärtsbewegung zeigte die Thioune-Elf viele Mängel. Auch die Arbeit gegen den Ball ließ zu wünschen übrig. So traf Rechtsverteidiger Jan Gyamerah beim Versuch, den Ball im Mittelfeld zu klären, seinen Mitspieler Moritz Heyer. Letzterer ging zu Boden, der neben ihm stehende Martin Hasek schnappte sich das Spielgerät, lief ein paar Meter und bezwang Keeper Sven Ulreich dann mit einem Flachschuss (19.). Ganz unhaltbar schien der Abschluss des Würzburger Winterzugangs nicht. Dass Hamburgs Torwart kurz zuvor beinahe bereits ein Eigentor nach einem Rückpass von Gideon Jung fabriziert hatte (11.), war irgendwie sinnbildlich für den fahrigen Auftritt der Norddeutschen.

HSV offensiv harmlos, defensiv desolat

Was ebenfalls bedenklich stimmte: Nach dem 0:1 zeigte der HSV bis zur Pause keine nennenswerte Reaktion. Im Gegenteil, sein Auftritt wurde noch schlechter. Gegen leidenschaftlich kämpfende und rennende Kickers ließ sich das Thioune-Team nun komplett den Schneid abkaufen. Und die Abwehr bewarb sich weiter um vieles - beispielsweise den Freischwimmer - aber nicht um weitere Einsatzminuten in den kommenden Begegnungen. Es war schon mindestens erstaunlich, wie teilnahmslos die Gäste nach einem zunächst abgewehrten Eckstoß den Ball durch ihre Reihen flutschen ließen. Er landete schließlich bei Douglas Franco Teixeira, der Ulreich mit einem strammen Rechtsschuss bezwang (30.) - der Halbzeitstand.

Hamburgs Trainer Daniel Thioune © dpa-Bildfunk Foto: Timm Schamberger/dpa

AUDIO: HSV-Trainer Thioune: "Das tut schon weh" (3 Min)

Leibolds Fehlpass zerstört fast jede Hoffnung

Thioune nahm zur Halbzeit Khaled Narey (bemüht, aber völlig wirkungslos) und Aaron Hunt (fiel primär durch Positionstreue auf) vom Feld und wechselte zum zweiten Durchgang Manuel Wintzheimer sowie Jeremy Dudziak ein. Die ersten Hamburger Aktionen nach dem Wiederanpfiff waren auch ein kleines bisschen besser als zuvor. Mehr allerdings auch nicht. Denn nach zwei ordentlichen Angriffen zerstörte Leibold das zarte Pflänzchen Hoffnung auf eine Wende durch einen leichtfertigen Ballverlust. Die Kickers schalteten energisch um und brachten Patrick Sontheimer in Position, der mit einem Linksschuss zum 3:0 traf (54.).

Dudziak und Wood treffen - Onana fliegt vom Platz

Damit schien der Drops am Dallenberg gelutscht zu sein. Und das war er irgendwie auch, obwohl am Ende "nur" ein 3:2 für die Kickers von der Anzeigetafel leuchtete. Denn der HSV konnte trotz seiner Tore von Dudziak (72.) und Bobby Wood (89.) zu keinem Zeitpunkt eine längere Druckphase ausüben. Die Gelb-Rote Karte für Amadou Onana (90.) war der bittere Schlusspunkt eines Nachmittags, der beim neutralen Publikum Zweifel an der Hamburger Aufstiegs-Tauglichkeit aufkommen ließ. Allerdings nicht bei Leibold. "Die letzten Wochen waren so stark von uns. Das wirft uns nicht aus der Bahn", erklärte der Linksverteidiger.

22.Spieltag, 21.02.2021 13:30 Uhr

Würzburger K.

3

Hamburger SV

2

Tore:

  • 1:0 Hasek (19.)
  • 2:0 Franco Teixeira (30.)
  • 3:0 Sontheimer (54.)
  • 3:1 Dudziak (72.)
  • 3:2 Wood (89.)

Würzburger K.: Bonmann - Feltscher, Franco Teixeira, Strohdiek, Feick - Hägele - Sontheimer (90.+1 L. Dietz), Hasek - Lotric (79. Kopacz) - Pieringer (86. van La Parra), Munsy (79. Baumann)
Hamburger SV: Ulreich - Gyamerah (81. Vagnoman), G. Jung, Heyer - Narey (46. Dudziak), Onana, Hunt (46. Wintzheimer), Leibold - Kinsombi (82. Wood), Kittel (69. Heil) - Terodde
Zuschauer:

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.02.2021 | 23:00 Uhr

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