Stand: 17.02.2019 10:34 Uhr

Claudio Pizarro: Hommage an eine Legende

von Matthias Heidrich, NDR.de

Claudio Pizarro hat einen Rekord aufgestellt, einen weiteren - vermutlich für die Ewigkeit. Legenden wie den Ausnahmestürmer des SV Werder Bremen zeichnet aus, dass sie mehr repräsentieren als das Spiel, das sie perfekt beherrschen. Von dem Peruaner werden die Fußballfans weit über die Hansestadt hinaus auch in Jahrzehnten noch mit Hochachtung sprechen. Zu Recht.

Claudio Miguel Pizarro Bozzio hat Geschichte geschrieben, wieder einmal. Zugegeben, das Tor, das "Piza" am Samstagabend im Berliner Olympiastadion zum Rekordmann machte, war eins für die Rubrik "Kacktor des Monats" bei "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs". Ein Freistoß, zweimal abgefälscht zum Last-Second-Remis des SV Werder Bremen bei Hertha BSC. Werder und auch Pizarro, der nun mit 40 Jahren und 136 Tagen der älteste Torschütze der Bundesliga-Geschichte ist, wird es egal sein. Dem Betrachter auch. War der Peruaner nicht schon längst eine kickende Legende, ist er es jetzt ohne jeden Zweifel.

Claudio Pizarro bejubelt sein Rekordtor in Berlin. © imago/Nordphoto

Top 5: Die ältesten Bundesliga-Torschützen

Für Werder trifft es sich im Alter besonders gut. Drei Bremer führen die Liste der ältesten Bundesliga-Torschützen an. Auf Platz eins: Claudio Pizarro.

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Pizarros zeitlose Geistesblitze

In diesem Alter auf diese Art noch Fußballspiele auf diesem Niveau mit Geistesblitzen wie eben einem flach statt hoch getretenen Freistoß (abgefälscht oder nicht) entscheiden zu können, ist etwas Besonderes. Während andere Kicker-Größen mit 40 Lenzen von ihren Experten-Stühlen aus daran scheitern, ein Spiel zu erklären, das viel schneller und komplexer ist als zu ihren besten Zeiten, drückt der zeitlose Pizarro auch dem modernen Fußball noch seinen Stempel auf.

Schlitzohrig oder unnachahmlich-magisch

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02:21

Mit 40 heiß auf Fußball: Das Phänomen Pizarro

1999 kam Claudio Pizarro als "No Name" nach Bremen, seitdem sammelt er Rekorde. Video (02:21 min)

Etwas schlitzohrig wie gegen die Hertha oder unnachahmlich-magisch wie bei seinem Tor im DFB-Pokal gegen Dortmund, der Peruaner trifft auf alle möglichen Arten - und zuverlässig. Er ist nicht von ungefähr der Ausländer mit den meisten Bundesligatoren (195 Treffer). Noch. Bayerns Top-Stürmer Robert Lewandowski (193) dürfte ihn bald eingeholt haben. Und trotzdem wird "Lewa", unzweifelhaft ein Ausnahmekönner seines Fachs, im Rückblick nicht auf einer Stufe mit "Piza" stehen.

Die Liebe zum Spiel ist das Besondere

Legenden wie Pizarro zeichnet aus, dass sie mehr sind, als das Spiel, das sie perfekt beherrschen. Die herausragende Technik, der Zug zum Tor, der in allen Lagen perfekte Torabschluss und die Einstellung, auch für das Team mitzuarbeiten, sind letztlich nur das notwendige Handwerkzeug für einen Weltklasse-Stürmer. Was den Peruaner zu einer Ausnahmeerscheinung macht, von der auch in Jahrzehnten die Fußballfans nicht nur in Bremen mit Hochachtung sprechen werden, ist seine Liebe zum Spiel.

Geben ist seliger denn nehmen

Im Milliarden-Geschäft Profifußball, in dem nicht wenige Millionen auf Pizarros Konto gelandet sind, klingt das klischeehaft romantisch. Doch wer den Südamerikaner in den 20 Jahren, die er nun schon die Bundesliga unsicher macht, beobachtet hat, dem ist eines immer sofort ins Auge gesprungen: der Spaß, mit dem der Peruaner seinem Beruf nachgeht. Nur, er selbst würde es nie als Beruf bezeichnen. Ein Ball, ein Team, einen Gegner und zwei Tore: Mehr braucht "Piza" nicht, um glücklich zu sein. Ob Champions-League-Finale oder bedeutungsloses Trainingsmatch: Der sechsmalige deutsche Meister und Pokalsieger will einfach nur spielen. Pizarro nimmt sich nie wichtiger als das Spiel, obwohl er es dank seines Talents vielleicht dürfte. Er gibt zurück, statt nur zu nehmen - auf und außerhalb des Platzes.

Mehmet Scholl hätte viele Namen nennen können

"Claudio braucht ungefähr drei Minuten, dann gehört er zu jeder Mannschaft", hat Werders Europameister Marco Bode einmal der "Süddeutschen Zeitung" über seinen ehemaligen Teamkollegen erklärt. Mehmet Scholl wiederum wurde einmal gefragt, wer der beste Fußballer gewesen sei, mit dem er zusammengespielt habe. Scholl, der 16 Jahre Profi beim FC Bayern München und ebenfalls Europameister von 1996, hätte viele Namen nennen können. Er sagte: Claudio Pizarro.

Claudio Pizarros Karriere in Bildern

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Sportclub | 17.02.2019 | 22:50 Uhr