Stand: 27.08.2020 20:28 Uhr

Bundesligen bis mindestens Ende Oktober ohne Fans

Im leeren Volksparkstadion in Hamburg liegen zwei Bälle im Tornetz. © Witters Foto: Valeria Witters
Leere Stadien - wie hier im Hamburger Volkspark - wird es wohl noch eine Weile geben.

Die Zuschauerplätze in Stadien und Sporthallen bleiben bis Ende Oktober (fast) leer. Beim Gipfel zwischen Bund und Ländern einigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Donnerstag zunächst lediglich darauf, dass eine Arbeitsgruppe gegründet werden soll. Ziel ist es, dass die Chefs der Staatskanzleien in den kommenden beiden Monaten einen Vorschlag für den Umgang mit Fans bei bundesweiten Sportveranstaltungen erarbeiten. Auch in Regionen mit sehr geringen Infektionszahlen soll es vorerst keine Ausnahmeregeln geben, wie noch in der Beschlussvorlage angedacht worden war. Es sei "nicht sinnvoll, im September mit Zuschauern zu starten", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit Blick auf die Fußball-Bundesligen. "Es ist mit einer steigenden Infektionszahl ein falsches Signal."

Fest steht bereits, dass Großveranstaltungen, bei denen die Einhaltung der Hygieneregeln und eine Kontaktverfolgung nicht möglich ist, wegen der angespannten Pandemie-Lage in Deutschland bis mindestens 31. Dezember 2020 verboten bleiben. Offen blieb weiter, ob vorher zumindest einige Hundert Fans zugelassen werden könnten. Die Beschränkungen für derartige Veranstaltungen unterscheiden sich derzeit in den Bundesländern sehr stark.

Überarbeitetes Hygienekonzept von DFL

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte am Mittwoch im Zusammenspiel mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein überarbeitetes Hygienekonzept vorgestellt und den Vereinen der Bundesliga und 2. Bundesliga zugesendet. Die 36 Clubs der DFL sollen den Leitfaden auf ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 3. September in den Statuten verankern. Darin sind auch personalisierte Tickets für Zuschauer vorgesehen. Söder lobte das Konzept ausdrücklich, aber zunächst müsse das weitere Infektionsgeschehen abgewartet werden.

Tausende Dauerkarten sind verkauft

Viele Clubs in den Bundesligen haben bereits Konzepte erarbeitet und Dauerkarten verkauft. Werder Bremen beispielsweise hat trotz der bislang ungeklärten Situation 25.000 Dauerkarten abgesetzt, 99 Prozent der Fans verlängerten ihr Ticket für die neue Spielzeit. Für Spiele ohne Zuschauer soll es Geld zurückgeben. "Wir alle als Fußballer haben in den letzten Monaten schmerzlich gemerkt, wie entscheidend Fans sind, wie entscheidend es ist, dass das Stadion voll ist, weil das den eigentlichen Reiz des Spiels ausmacht. Ich sehne den Tag herbei, wo die Fans wieder da sind", sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. In den Etat-Kalkulationen ist Werder allerdings von Zuschauern erst im Januar ausgegangen, auch der VfL Wolfsburg hat den Dauerkartenverkauf bereits abgeschlossen. Eine Abbuchung erfolgt aber erst, wenn feststeht, dass wieder vollständig vor Zuschauern gespielt werden kann, teilte der Club mit.

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Zur Partie gegen Hansa Rostock am 5. September (15 Uhr) lassen die "Störche" 500 Zuschauer ins Stadion. Diese Höchstzahl ist bereits nach der aktuell geltenden Landesverordnung in Schleswig-Holstein zugelassen. "Wir freuen uns sehr, einer, wenn auch kleinen Anzahl KSV-Fans und -Partnern den Stadionbesuch wieder ermöglichen zu können", sagte Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. Die Tickets werden personalisiert und sollen nur von Dauerkartenbesitzern gekauft werden können, die den Club während der Corona-bedingten Geisterspiele mit einer Spende unterstützt haben. Verzichtet wird auf Stehplätze und den Ausschank von Alkohol. Gästefans sind nicht zugelassen.

Die Dritte Liga hatte sich am Dienstag darauf geeinigt, eine beschränkte Rückkehr von Zuschauern zu ermöglichen, wenn es die lokalen Verfügungslagen zulassen und die Gesundheitsämter zustimmen.

Hörmann: "Wachsende Gefahr" für den Sport

Die ausbleibenden Zuschauereinnahmen sind für die kleineren Profiligen wie beim Handball, Basketball oder Eishockey ein deutlich größeres Problem als beim Fußball, der viel mehr Geld durch TV-Rechte einnimmt und die Geisterspiele fast schon gewöhnt ist. DOSB-Präsident Alfons Hörmann warnte deshalb vor gravierenden Folgen. "Jeder zusätzliche Monat mit massiven Beschränkungen im Sport, wie nunmehr weiterhin durch Veranstaltungen ohne Zuschauereinnahmen, führt dazu, dass wir unser wertvolles Angebot im sportlichen und gesellschaftlichen Bereich nicht auf dem bewährten Niveau aufrechterhalten können", wurde der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes in einer Stellungnahme zitiert.

Es handele sich um einen "schwierigen Spagat" für den deutschen Sport. Man trage die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie mit. "Fakt ist aber auch, dass jede Verlängerung der Einschränkungen im Sport eine wachsende Gefahr für Vereine, Verbände, Ligen sowie Veranstalter und damit für die Vielfalt von ganz Sportdeutschland darstellt."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 27.08.2020 | 17:25 Uhr

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