Stand: 12.05.2018 21:18 Uhr

Aus und vorbei! Der HSV ist abgestiegen

von Matthias Heidrich, NDR.de

Schluss, Aus, Abstieg! Der Niedergang des Hamburger SV hat seinen Höhepunkt erreicht. Nach 55 Jahren Erstliga-Zugehörigkeit muss das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten. Der 2:1 (1:1)-Heimsieg im letzten Saisonspiel zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach war letztlich wertlos, da Wolfsburg seine Hausaufgaben gegen Köln machte. Damit steigt der Traditionsclub als Tabellenvorletzter der Saison 2017/2018 ab. 2014 und 2015 hatte sich der HSV jeweils noch in der Relegation retten können.

Seeler: "Nicht geglaubt, dass das passiert"

"Ich hätte nicht geglaubt, dass das so lange ich lebe noch passiert. Damit muss man leben. Ich bin schon etwas traurig, aber ich werde auch den zu den Spielen in der Zweiten Liga gehen. Jetzt geht es darum, in der Zweiten Liga zu bestehen und wieder aufzusteigen", sagte Club-Ikone Uwe Seeler dem NDR. "Es ist heute ein trauriger Tag für uns alle. Aber das Fußball-Leben des HSV geht weiter. Es tut weh, aber wir müssen nach vorne schauen und wieder hochkommen", sagte Kapitän Gotoku Sakai.

Chaoten sorgen für Unterbrechung

Unwürdig, dass ein kleiner Teil der HSV-Fans kurz vor dem Abpfiff Rauchbomben und bengalische Feuer zündeten und auch auf den Platz schossen. Die Polizei musste aufs Feld. Referee Brych blieb nichts anderes übrig, als die Partie zu unterbrechen und die Mannschaften vom Platz zu schicken. Das restliche Stadion protestierte lautstark gegen die schwarz vermummten Chaoten. Die Lage beruhigte sich erst nach einer Unterbrechung von 20 Minuten. Schiedsrichter Dr. Felix Brych pfiff noch einmal an, um gleich wieder abzupfeifen und den Abstieg des HSV endgültig zu besiegeln.

Dabei hatten die Hamburger Greenkeeper ihrem Team einen passenden Untergrund bereitet und das Grün im Volksparkstadion in Form einer gigantischen Raute gestaltet. Mehrere tausend Fans standen zudem Spalier, als der Mannschaftsbus am Volksparkstadion vorfuhr. "Niemals Zweite Liga" skandierten die HSV-Anhänger. Es war also alles angerichtet für ein kleines Fußball-Wunder.

Videoassistent hilft HSV - Hunt trifft

Doch der erste Nackenschlag für das Team von Trainer Christian Titz ließ nicht lange auf sich warten. Joshua Guilavogui brachte Wolfsburg gegen Köln nach 43 Sekunden 1:0 in Führung. Der Spielstand wurde im Volksparkstadion nicht eingeblendet. Die Titz-Elf spielte unbeeindruckt nach vorne und wurde früh belohnt. Denis Zakaria wehrte einen Schuss von Lewis Holtby mit dem ausgestreckten linken Arm im Strafraum ab. Schiedsrichter Brych pfiff zunächst nicht, doch der Videoassistent in Köln intervenierte - Handelfmeter für den HSV. Aaron Hunt traf trocken zum 1:0 (11.). Von den Gladbachern war nichts zu sehen - bis zur 28. Minute. Dann ließen sich Kyriakos Papadopoulos und Co. auskontern. Josip Drmic traf eiskalt zum Ausgleich.

Hilfe kam allerdings aus Wolfsburg. Jonas Hector markierte das 1:1 für Köln (32.). Hunt (38.) und Bobby Wood (40.) verpassten in der Folge das zweite HSV-Tor im Volksparkstadion. Die Hoffnung auf die Rettung in die Relegation lebte zur Pause noch.

Holtbys Siegtreffer reicht nicht

Den Hanseaten war auch im zweiten Durchgang kein Vorwurf zu machen. Gladbach konnte sich bei seinem Keeper Yann Sommer bedanken, der gegen Tatsuya Ito (48.), Matti Steinmann (55.) und auch Filip Kostic (58.) bravourös parierte. Glück hatten die Hamburger allerdings, dass die Rettungstat von Sakai auf der Torlinie bei Oscar Wendts Schuss von Brych und auch dem Videoassistenten nicht als absichtliches Handspiel gewertet wurde (61.). Zwei Minuten später war Holtby zur Stelle und traf zum 2:1 für den HSV. Als Robin Knoche (71.) das 3:1 für Wolfsburg markierte, war der erste Abstieg der Clubgeschichte praktisch besiegelt. Passend, dass HSV-Stürmer Wood für ein sinnloses Foul in derselben Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste.

"Mein Hamburg lieb' ich sehr..."

Beeindruckend war die Reaktion der Hamburger Fans. Sie feierten ihr Team, das in den vergangenen Wochen ein ganz anderes Gesicht als zu Beginn der Saison gezeigt hatte, in der Schlussphase der Partie regelrecht ab. Tausende Fans stimmten das Lied "Mein Hamburg lieb' ich sehr..." an und sorgten so für einen Gänsehaut-Moment in der bittersten Stunde der Clubgeschichte. "Sind die Zeiten auch oft schwer, weiß ich doch, hier gehör ich her" heißt es in dem Lied. Melancholie lag über dem Volksparkstadion, bis die Chaoten auf den Plan traten.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.05.2018 | 22:30 Uhr

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