Stand: 12.05.2018 22:19 Uhr

HSV: Enttäuschung, Entsetzen, aber auch Hoffnung

von Matthias Heidrich, NDR.de
Chaoten zündeten beim letzten Spiel des HSV Rauchbomben und Pyrotechnik.

Enttäuschung über den ersten Abstieg der Clubgeschichte, aber vor allem Entsetzen über eine kleine Gruppe von Chaoten: Nach 19.985 Tagen in der Fußball-Bundesliga muss der Hamburger SV den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten. Rund 100 Chaoten im HSV-Fanblock sorgten dafür, dass der Abgang des Traditionsclubs noch bitterer wurde als ohnehin schon. Sie zündeten kurz vor Ende der Partie gegen Gladbach Rauchbomben und Pyrotechnik und sorgten für eine Spielunterbrechung.

"Dafür habe ich kein Verständnis. Es bleibt ein Stück weit hängen. Aber es bleibt mehr hängen, dass der Großteil der 57.000 die Mannschaft großartig unterstützt hat", sagte Vorstandschef Frank Wettstein. Es war dennoch ein unwürdiges Ende für den Traditionsclub nach 55 Jahren in der Ersten Liga. Das fand auch die breite Masse, die sich mit Pfiffen und Sprechchören gegen die Chaoten in den eigenen Reihen stellte.

"Mein Hamburg lieb' ich sehr..."

Die Aktion einiger Vermummter ruinierte einen trotz des Abstiegs eigentlich gelungenen letzten Auftritt des HSV und spaltete die Fanszene. Zehntausende hatten weit vor dem Abpfiff das Team von Trainer Christian Titz für seinen erneut spielerisch guten Auftritt gefeiert. Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auch in Liga zwei, schwang dabei mit. Als die Anhänger "Mein Hamburg lieb' ich sehr..." anstimmten, schufen sie sogar einen Gänsehaut-Moment in der bittersten Stunde des so stolzen Traditionsclubs.

Weitere Reaktionen zum HSV-Abstieg:

  • HSV-Ikone Uwe Seeler

    "Ich hätte nicht geglaubt, dass das so lange ich lebe noch passiert. Ich bin schon etwas traurig, aber ich werde auch den zu den Spielen in der Zweiten Liga gehen. Jetzt geht es darum, in der Zweiten Liga zu bestehen und wieder aufzusteigen."

  • HSV-Kapitän Gotoku Sakai

    "Es ist heute ein trauriger Tag für alle HSVer. Aber das Fußball-Leben des HSV geht weiter. Wir müssen nach vorne schauen, wieder alles aufbauen und wieder hochkommen."

  • HSV-Trainer Christian Titz

    "So etwas hat im Stadion nichts zu suchen. Es ist unglaublich schade, dass wir bei uns im Verein solche Menschen haben. Die gehören hier nicht hin, die müssen raus hier. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich die Zuschauer gegen die Wenigen gewehrt haben. Die Mannschaft hat sich in diesen letzten acht Spielen gut präsentiert. Jetzt sitzen die Spieler niedergeschlagen da, ein Teil heult. Denen geht es schon sehr nahe."

  • HSV-Vorstandschef Frank Wettstein

    "Dafür habe ich kein Verständnis. Es bleibt ein Stück weit hängen. Aber es bleibt mehr hängen, dass der Großteil der 57.000 die Mannschaft großartig unterstützt hat. Wir arbeiten ab jetzt intensiv an dem klaren Ziel, bestmöglich vorbereitet in die nächste Saison zu gehen und den direkten Wiederaufstieg zu realisieren. Jetzt ist gerade der falsche Zeitpunkt um einzuschätzen, wie es weitergeht. Wir werden uns zeitnah mit allen Spielern nochmal zusammensetzen und klärende Gespräche führen."

  • HSV-Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann

    "Dies ist ein enorm schmerzhafter Moment für den gesamten HSV, der damit eine seiner Einzigartigkeiten verloren hat. Die Raute und auch wir als Club haben trotz dieses bitteren Augenblicks viel Kraft und werden in Zukunft auch wieder Stärke ausstrahlen."

  • HSV-Verteidiger Kyriakos Papadopoulos

    "Wir sind extrem enttäuscht und leiden. Es tut mir für den Verein, die Fans und Mitarbeiter unglaublich leid. Die Arbeit des Trainers war überragend und der Hauptgrund dafür, dass die Mannschaft in den letzten Wochen so aufgeblüht ist. Es tut mir echt leid, dass wir den Abstieg am Ende nicht mehr verhindern konnten. Daran sind wir selbst schuld. Ich bin überzeugt, dass der HSV es schnell wieder nach oben schaffen wird. Was meine persönliche Zukunft angeht, ist zu diesem Zeitpunkt nichts auszuschließen. Ich spiele gerne für diesen großen Verein und habe einen Vertrag für die Zweite Liga."

  • Marcelo Diaz, Ex-HSV-Profi

    "Ich dachte, dass dieser Moment niemals kommen würde. Viel Kraft und Hoffnung HSV, du wirst bald dorthin zurückkehren, wo du hingehörst."

  • Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher

    "Es ist natürlich traurig, dass wir mit dem HSV in der Zweiten Liga spielen müssen. Wir hoffen aber, dass das Projekt Aufstieg, das jetzt beginnt, möglichst bald erfolgreich ist."

  • Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry

    "Das Nordderby ist ein Klassiker wie Schalke gegen Dortmund. Das wird fehlen."

  • Gladbach-Trainer Dieter Hecking

    "Wir haben heute verdient verloren - auch wenn es dem HSV nichts mehr nützt. Die beste Aktion war für mich nach dem Spiel von den 56.500 Zuschauern, die dann gezeigt haben, dass Fußball Spaß machen kann, auch wenn man absteigt. Und den anderen sollte man keine Beachtung schenken."

  • Werder-Coach Florian Kohfeldt

    "Es ist immer eine komische Sitation, wenn jemand absteigt, der so lange in der Bundesliga war. Köln genauso. Insgesamt ist das traurig. Aber an beiden Standorten wird Gas gegeben und sie arbeiten daran, schnellstmöglich zurückzukommen."

  • Werder-Sportchef Frank Baumann

    "Für den Verein und die Stadt Hamburg ist das schade. Ich denke aber, der HSV wird sich so aufstellen, dass der Aufenthalt in der Zweiten Liga nicht ganz so lange dauert und wir irgendwann wieder emotionale und schöne Nordderbys in der Bundesliga erleben werden."

  • Freiburgs Trainer Christian Streich

    "Der HSV geht einen guten Weg. Die Leute stehen dahinter. Jetzt spielen sie halt mal ein Jahr nicht in der Bundesliga, so traurig das ist. Aber das ist uns auch schon passiert, dass wir abgestiegen sind. Wenn man das richtig macht, kann man auch wieder aufsteigen."

  • Juan Pablo Sorin, Ex-HSV-Profi

    "Eine große Umarmung an alle HSV-Fans, im schwierigsten Moment der Club-Geschichte! Sie werden stark in die erste Bundesliga zurückkehren."

  • Rafael van der Vaart, Ex-HSV-Profi

    "Das trifft mich hart. Ein trauriger Tag für alle, die den HSV lieben. Aber ich bin zuversichtlich, dass der Club schon bald dahin zurückkehrt, wo er hingehört."

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Rauchwolken und Böller-Explosionen

Doch dann traten die Chaoten auf den Plan: Dicke schwarze Rauchwolken, laute Böller-Explosionen, massiver Polizeieinsatz mit Pferden und Hunden auf dem Spielfeld, die Stimmung im Volksparkstadion hatte in den letzten Minuten der Nachspielzeit etwas Bedrohliches. Schiedsrichter Dr. Felix Brych unterbrach das Spiel für rund 20 Minuten. Ordner verhinderten einen Platzsturm. "Schon nach dem 2:1 für den HSV wurde im Block 25 A eine Plane aufgezogen, unter der sich Fans umzogen und teilweise vermummten", beschrieb die Polizei die Vorgänge. "Ab der 85. Minute wurden Polizeikräfte sichtbar neben dem Platz aufgestellt und nach dem Zünden von Pyrotechnik auf dem Platz eingesetzt." Nach Angaben der Polizei wurde niemand verletzt.

Tschentscher: "Das sind Anti-Fans"

Tausende Zuschauer pfiffen die Randalierer lautstark aus. "Wir sind Hamburger und ihr nicht", hallte es durch die ausverkaufte Arena. Letztlich zog der schwarze Mob ab. "Das sind Anti-Fans", schimpfte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher und lobte die Polizei: "Die Sicherheitskräfte haben besonnen und richtig reagiert." Coach Titz war ebenfalls entsetzt: "So etwas hat im Stadion nichts zu suchen. Es ist unglaublich schade, dass wir bei uns im Verein solche Menschen haben. Die gehören hier nicht hin, die müssen raus hier. Es war beeindruckend zu sehen, wie sich die Zuschauer gegen die Wenigen gewehrt haben."

Sakai: "Wir müssen nach vorne schauen"

Multimedia-Doku

Die Ausschreitungen könnten für den Neustart in der Zweiten Liga eine Bürde sein. Der HSV muss sich auf eine empfindliche Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) einstellen. Die Spieler verschwendeten daran in der Stunde des Abstiegs keine Gedanken. "Es ist schwer, Worte zu finden. Es ist ein ganz trauriger Tag für uns. Aber das Fußball-Leben des HSV geht weiter. Wir müssen nach vorne schauen, wieder alles aufbauen und wieder hochkommen", sagte HSV-Kapitän Gotoku Sakai mit Tränen in den Augen. Das sah der überwältigende Teil der Anhänger auch so und feierte das Team, als es nach dem aufwühlenden Spiel auf eine Art "Abschieds-Ehrenrunde" ging. "So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir sind abgestiegen und wurden trotzdem beklatscht", sagte ein sichtlich bewegter Verteidiger Kyriakos Papadopoulos.

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Sportclub | 13.05.2018 | 22:30 Uhr

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