Stand: 16.01.2018 10:31 Uhr

Missbrauchs-Vorwurf: Boxverband bremst Aufklärung aus

von Pia Lenz und Andreas Bellinger
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"Hamburger Sportjugend" ist im Ernstfall machtlos.

Während die Sport-Spitzenverbände und zuständigen Behörden auf die "Autonomie des Sports" oder auf die entsprechende Leitlinie des DOSB verwiesen, duckte sich die "Hamburger Sportjugend" nicht weg. Trotzdem passierte nichts, weil der Sportjugend die Hände gebunden sind. Zwar ist sie auf Landesebene für die Umsetzung des reformierten Bundeskinderschutzgesetzes zuständig, prüft auch Führungszeugnisse und schult Vereine. Aber im Ernstfall ist sie machtlos. Es fehlen die Sanktionsmöglichkeiten, solange es keine Verurteilung gibt. "Wir sprechen Empfehlungen aus und die werden übernommen oder nicht. Mehr können wir im Sport nicht tun. Das ist Verbandsrecht", sagt Conny Sonsmann von der Hamburger Sportjugend. "Wir sind darauf angewiesen, dass das Strafrecht klarere Vorgaben macht."

Es ist noch nicht vorbei

Im August 2017 wurden die Ermittlungen gegen Christian M. zunächst eingestellt, obwohl die Staatsanwaltschaft in Schwerin einen "hinreichenden Verdacht" für einen sexuellen Kontakt zwischen der jungen Boxerin und dem Trainer Christian M. für gegeben ansieht. Weil sie aber zum Zeitpunkt der Vorfälle über 16 Jahre alt war, wäre der Trainer strafrechtlich nur dann zu belangen, wenn sie ihm nachweisen könnte, dass er seine Machtposition ausgenutzt hat.

Nele Rades-Walther und Frank Rieth hatten sich fast ein Jahr für die Einhaltung der Leitlinien eingesetzt. Sie haben mittlerweile Hausverbot im Hamburger Boxverband. Der Grund: Verbandsschädigendes Verhalten. Die Ex-Boxerin hat Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens eingereicht. Es ist somit noch nicht abgeschlossen. Der Beschuldigte ist bis heute weiter aktiv. Zwar ruhen seine Trainerlizenzen, doch als Teamleiter fährt er wieder mit Jugendlichen zu Wettkämpfen.

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 14.01.2018 | 22:50 Uhr

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