Eine Maske liegt auf dem Rasen am Millerntor. © picture alliance / xim.gs | xim.gs / Philipp Szyza

Neue Quarantäne-Regeln - Entlastung auch für den Sport

Stand: 07.01.2022 22:28 Uhr

Fußball, Eishockey, Basketball - durch den massiven Anstieg von Coronavirus-Infektionen auch unter Sportlern sind mittlerweile zahlreiche Wettbewerbe gefährdet. Die Bund-Länder-Beschlüsse zu einer Verkürzung von Quarantäne und Isolation könnten Entlastung bringen.

Nach den Beschlüssen sollen künftig Kontaktpersonen von der bislang bis zu 14 Tage dauernden Quarantäne ausgenommen sein, wenn sie:

  • bereits eine Booster-Impfung erhalten haben
  • frisch doppelt geimpft sind
  • geimpft und genesen sind
  • oder frisch genesen sind.

Für alle anderen sollen Isolation beziehungsweise Quarantäne in der Regel nach zehn Tagen enden. Infizierte und Kontaktpersonen sollen sich nach sieben Tagen durch einen PCR-Test oder einen zertifizierten Antigen-Schnelltest mit Nachweis "freitesten" können. Dabei wird nicht mehr nach Virusvarianten unterschieden. Vor allem wegen der neuen Omikron-Variante steigen die Infektionszahlen derzeit extrem schnell und steil an.

Die bereits Ende Dezember getroffene Regelung zu sogenannten Geisterspielen bleibt bestehen. Am 24. Januar wollen Bundesregierung und Länderchefs erneut über die Corona-Lage beraten.

Grizzlys Wolfsburg komplett in Quarantäne

Wenngleich noch nicht klar ist, wann genau die neuen Regelungen für Quarantäne und Isolation in Kraft treten, ist es doch eine gute Nachricht auch für den Sport. Gerade für Teams, die stark von Infektionen und Einschränkungen für Kontaktpersonen betroffen sind wie die Grizzlys Wolfsburg. Das Eishockey-Team hat sich wegen einiger Corona-Fälle komplett in Quarantäne begeben. Die Grizzlys hatten gerade erst geplant, die komplette Mannschaft mit einer Booster-Impfung zu versorgen. Dafür war vorsorglich das Spiel in Straubing am vergangenen Dienstag abgesagt worden.

VfL-Trainer Kohfeldt sieht Wettbewerb in Gefahr

Auch Trainer Florian Kohfeldt vom VfL Wolfsburg sieht mit großer Sorge auf die steigenden Corona-Zahlen und deren mögliche Auswirkungen auf den Verlauf der Rückrunde in der Fußball-Bundesliga. "Es hat schon einen massiven Einfluss auf den Wettbewerb, wenn aufgrund der Pandemie Spiele so stattfinden, wie sie heute Abend stattfinden werden", sagte der 39-Jährige mit Blick auf die neun Corona-bedingten Ausfälle beim FC Bayern München vor dem ersten Rückrunden-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:2).

So viele Spieler ersetzen zu müssen, sei "für alle Trainer schwer zu akzeptieren. In einer großen Anzahl sind Spieler unverschuldet nicht dabei. In der Häufung ist das schwierig", sagte Kohfeldt. "Diese Häufung sollte nicht zu häufig vorkommen, sonst ist der Wettbewerb in Gefahr. Das muss man aus sportlicher Sicht so klar sagen."

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Zahlreiche Ligen von Spielabsagen betroffen

Zwar ist die Fußball-Bundesliga noch nicht von Spielabsagen betroffen, denn die Hürden dafür sind hoch. Solange mehr als 15 spielberechtigte Profis zur Verfügung stehen (darunter mindestens ein Torwart und neun Lizenzspieler; auch verletzte oder gesperrte Spieler werden mitgezählt), muss der betroffene Verein antreten. Dafür sind bereits zahlreiche Spiele in den höchsten Ligen im Eishockey, Basketball oder Volleyball Corona-bedingt abgesagt beziehungsweise verschoben worden.

Scholz appelliert: Zum Impfen "rennen"

Nach den neuen Quarantäne-Regelungen dürfte es nun im Interesse aller Vereine liegen, möglichst viele Spielerinnen und Spieler so schnell wie möglich mit einer Booster-Impfung zu versorgen. "Wer eine Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, sollte da nicht hingehen, sondern eher hinrennen", appellierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach den Bund-Länder-Beratungen. Gerade für Sportler dürfte das kein Problem sein.

Schleswig-Holstein mit 2G-Plus auch im organisierten Sport

Schleswig-Holstein hat nach den Bund-Länder-Beratungen auch die landesweit geltenden Regelungen präzisiert. So gilt auch beim organisierten Sport und im Fitnessstudio künftig für alle ab 18 Jahren 2G-Plus, also Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit aktuellem Test - ausgenommen sind Menschen mit Booster-Impfung. Sie müssen ab dem Tag der Impfung keinen aktuellen Test mehr vorlegen. Nach Ansicht des Landessportverbands sind aber noch nicht genug Menschen im Land dreimal geimpft.

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Deshalb befürchtet Geschäftsführer Thomas Niggemann, dass der Aufwand bei 2G-Plus für viele Vereine zu hoch sein wird, Sportangebote daher wegfallen und Menschen nicht in die Vereine gehen. Mit weniger Besuchern rechnen auch die Fitnessstudios, sagt der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen. Einige Studios planen, eigene Testmöglichkeiten anzubieten - vorausgesetzt, das Land erlaubt dies.

Hamburgs Proficlubs und Senat führen klärendes Gespräch

In Hamburg hatte der Senat 2G-Plus für den Breitensport bereits beschlossen. Die Regelung gilt ab Montag (10. Januar). Auch in Hamburg sind "Booster" umgehend gültig. Für Wirbel hatte die Ankündigung gesorgt, dass Proficlubs in der Hansestadt ab Montag wieder vor leeren Rängen spielen sollen, während bei Amateuren 200 (in der Halle) beziehungsweise 1.000 Zuschauer (im Freien) zugelassen werden sollen.

Die Fußball-Zweitligisten Hamburger SV und FC St. Pauli, Basketball-Bundesligist Hamburg Towers, Handball-Bundesligist HSV Hamburg und Eishockey-Oberligist Crocodiles Hamburg veröffentlichten dazu am Freitagabend eine gemeinsame Erklärung, in der sie ein Gesprächsangebot des Senats begrüßten.

HSV-Vorstand Wüstefeld will Gleichbehandlung

"Mir erschließen sich die unterschiedlichen Verordnungslagen für Veranstaltungen in Innen- wie Außenbereichen ebenso wenig wie die Unterscheidungen zwischen Kultur und Sport", ließ sich HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld darin zitieren. "Wir als Profisportorganisation wollen keine Sonderbehandlung, sondern eine angemessene Gleichbehandlung."

Willoughby: Profisportstandort nicht nachhaltig schädigen

Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby hatte bereits wegen der Einnahmeausfälle durch "Geisterspiele" den Senat zur Unterstützung aufgefordert. In der Erklärung sagte er: "Dieser Gesprächsfaden muss schnellstens aufgenommen werden, um den Profisportstandort Hamburg nicht nachhaltig zu schädigen und vor weiteren Wettbewerbsnachteilen zu schützen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 07.01.2022 | 23:03 Uhr

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