Stand: 30.07.2018 14:09 Uhr  | Archiv

Wie öko ist Ökostrom wirklich?

von Charlotte Horn, NDR Info

Seit dem beschlossenen Atomausstieg steigt in Deutschland die Nachfrage nach erneuerbaren Energien aus Wind, Wasser und Sonne. NDR Info Reporterin Charlotte Horn bezieht Ökostrom und wollte wissen: Wie umweltfreundlich verhält sie sich wirklich?

Die Briefe aus grauem, umweltfreundlichem Papier erkenne ich sofort. Post von meinem neuen Anbieter für Ökostrom. In der Info-Broschüre steht: "Weil es saubere Energie nur von nachhaltigen Anbietern gibt." Der Strom stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, lese ich. Aus der Steckdose kommt tatsächlich aber immer ein Strom-Mix.

Worin besteht also der Unterschied, ob ich Strom von reinen Ökostrom-Anbietern beziehe oder von konventionellen Kohle-Strom-Anbietern? Inwiefern ist Ökostrom wirklich nachhaltig, also umweltfreundlich? Dominik Seebach vom gemeinnützigen Ökoinstitut in Freiburg erklärt dazu: "Mein Kühlschrank kühlt nicht grüner und meine Deckenlampe leuchtet kein wärmeres Licht." Der Sinn, der laut Seebach dahintersteckt, ist die Frage, ob man durch die Wahl des Ökostromanbieters der Umwelt und dem Klima was Gutes tut - und nicht die Frage, welcher Strom konkret aus der Steckdose kommt.

Richtige Wahl des Ökostrom-Anbieters entscheidend

Wer zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln wolle, dem bieten Gütesiegel wie "Grüner Strom" oder "OK Power" Orientierung, wie Seebach sagt. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Experten kritisieren, dass der Begriff nicht rechtlich geschützt ist. Die Folge: Immer mehr konventionelle Stromanbieter wie Vattenfall, E.ON oder RWE werben zwar mit Ökostrom, aber speisen noch Kohlestrom in die Netze.

Aktiver Ausbau von erneuerbaren Energien

Porträtbild von Cornelia Steinecke von Greenpeace Energy. © NDR Foto: Charlotte Horn
Nach Ansicht von Cornelia Steinecke von Greenpeace Energy setzen sich Ökostrom-Kunden aktiv für die Energiewende ein.

Diese Konkurrenz ärgert Anbieter von reinem Ökostrom wie Greenpeace Energy. Aber was machen sie anders? Kundenberaterin Cornelia Steinecke zeigt mir am Firmensitz in der Hamburger Hafencity Details zu den von Greenpeace Energy gebauten Windparks und Solaranlagen. Kunden, die Ökostrom beziehen, unterstützten direkt deren Ausbau, sagt Steinecke. Denn ein Teil des Strompreises werde in deren Bau reinvestiert. Außerdem setzten sie auch ein wichtiges Zeichen für die Politik. "Die Leute denken ja, es läuft schon irgendwie. Wobei es eben nicht läuft und jede Kilowattstunde zählt. Wind und Sonne, das gibt es umsonst. Wir sind doch dumm, wenn wir das nicht als Energie-Ressource nutzen", sagt die Kundenberaterin.

Speicher-Technologien notwendig

Noch sei die umfassende Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien nicht nachhaltig gesichert, kritisieren Experten. Derzeit arbeiten reine Ökostrom-Anbieter an Konzepten, wie Strom aus erneuerbaren Energien gespeichert werden kann. Zum Beispiel durch die Umwandlung in Wasserstoff und Gas - ohne dass sich bisher eine Lösung abzeichnet. Fast hat man den Eindruck: Die Realität überholt die Forschung. Besonders nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima hat sich die Zahl der Kunden von Ökostrom-Anbietern laut Bundesnetzagentur verdoppelt. Demnach bezieht etwa jeder vierte Haushalt in Deutschland Ökostrom.

Strom sparen am Wichtigsten

Der sei ein Mehrwert für die Umwelt und außerdem oft günstiger als Verbraucher dächten, sagt Andrea Grimm von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Wenn man zum Beispiel im Grundversorger-Tarif ist beim örtlichen Anbieter, dann ist der wesentlich teurer. Der Ökostrom ist dann tatsächlich günstiger."

Nur Ökostrom alleine bringt es allerdings nicht, um besonders nachhaltig zu sein. Vielmehr geht es darum, insgesamt ganz bewusst Strom, also Energie zu sparen - das haben mir alle Experten versichert. Also: den Fernseher nicht auf Standby laufen lassen, sondern ganz ausschalten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.07.2018 | 07:20 Uhr

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