Stand: 16.01.2017 09:58 Uhr

Wie gut sind LED-Schreibtischlampen?

von Thilo Eckoldt

Während herkömmliche Glühbirnen vom Markt weitgehend verschwunden sind, sind LEDs als Leuchtmittel absolut angesagt: Sie sind lichtstark, langlebig und extrem stromsparend. Zu finden sind sie nicht nur in Lampen, sondern auch in Displays und Monitoren. Doch wie gut sind LEDs wirklich? Und sind sie in der Anwendung wirklich unproblematisch? Am Fachbereich Augenoptik der Ernst-Abbe-Hochschule Jena hat die Studentin Lisa Manke eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema "LED-Licht am Büroarbeitsplatz" verfasst. Das wichtigste Ergebnis: Das Licht der getesteten LED-Schreibtischleuchten enthält einen sehr hohen Blaulichtanteil - und der kann unter Umständen das Auge schädigen.

Für das Projekt wurden zehn der im Internet im häufigsten verkauften Leuchten untersucht:

  • CONRAD L750
  • Bestek LED Eye Protection Desk Lamp
  • Daffodil LEC200
  • Maul MAULatlantik (9W)
  • Taotronics TT-DL05 (9W)
  • Lighting Ever 3100012-DW-EU (8 W)
  • Idealeben IL8059 (5 W)
  • Philips Eyecare Mallet (5,5 W)
  • Paulmann ZED (6,7 W)
  • Renkforce Merfy (8 W, Hausmarkte Conrad)

Dabei ging es unter anderem um Handhabbarkeit, Sicherheit, Beleuchtungsstärke und Farbspektrum. Zur Bewertung der jeweiligen Messergebnisse wurden die Normen zugrunde gelegt, die für Arbeitsplätze gelten. Für Markt haben zudem drei Testerinnen die Leuchten unter praktischen Gesichtspunkten bewertet.

LED-Leuchten im Test

Handhabbarkeit: Je mehr Verstellmöglichkeiten, desto besser

Je mehr Verstellmöglichkeiten eine Leuchte bietet, desto leichter lässt sie sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen. Das Modell von Renkforce wurde von unseren Testerinnen zwar wegen des gelungenen Designs gelobt, doch es gibt keine einzige Möglichkeit, die Position der Leuchte zu verändern. Die Modelle von Bestek, Philips und Idealeben sind eingeschränkt verstellbar, die anderen Leuchten lassen sich sehr gut verstellen.

Zum Teil fehlt ein Diffusor

Gerade bei grellem, intensivem Licht kann ein Diffusor sinnvoll sein. Dieser streut das Licht etwas, sodass man nicht so stark geblendet wird. Die Leuchten von Conrad, Philips und Daffodil verfügen über keinen Diffusor.

Sechs Produkte ohne gültiges CE-Zeichen

Mit dem CE-Zeichen sichert der Hersteller beziehungsweise Verkäufer zu, dass das Produkt den EU-Normen insbesondere in punkto Sicherheit entspricht. Bei sechs von zehn Produkten im Test wurde kein ordnungsgemäßes CE-Zeichen verwandt.

Helligkeit wohl ausreichend für den Heimbedarf

Die Testerinnen bewerteten auch die Qualität des Lichts, das die Lampen abgeben. Dabei spielt das subjektive Empfinden eine große Rolle: Manche mögen es heller, manche wärmer. In der Tendenz empfanden die Testerinnen das LED-Licht als kalt. Umso besser deshalb, wenn sich das Licht bei den Leuchten verändern lässt. Bei einigen Leuchten kann das Licht gedimmt werden, auch Änderungen am Farbton sind zum Teil möglich. Im Labor der Hochschule wurde jedoch festgestellt, dass die Messergebnisse sich nicht unbedingt mit den subjektiven Einschätzungen decken. Das Labor stellte fest, dass keine der Leuchten die Normen für Helligkeit am Bildschirmarbeitsplatz erfüllt. Für die private Nutzung dürften alle Leuchten aber ausreichend sein.

So reagierten die Hersteller:

  • Diffusor:

    Philips schreibt, dass ein Diffusor nicht erforderlich ist, da aufgrund der eingeschränkten Einstellungsmöglichkeiten eine Blendwirkung praktisch ausgeschlossen ist. Daffodil schreibt, es handele sich um ein sehr einfaches Modell, daher gebe es keinen Diffusor. "Für das Nachfolgemodell  wird es in Betracht gezogen." Conrad nimmt zum fehlenden Diffusor nicht Stellung.

  • CE-Zeichen:

    Daffodil schreibt, beim verwendeten CE-Zeichen handele es sich nicht um eine Fälschung; das CE-Zertifikat liege vor. Paulmann schreibt, das CE-Zeichen entspreche den Vorgaben. Taotronics erklärt, wegen eines Druckproblems werde das Zeichen nicht richtig gezeigt. Von Bestek und Lighting Ever haben wir dazu keine Stellungnahme bekommen. Von Idealeben ist keine Geschäftsanschrift bekannt.

  • Beleuchtungsstärke:

    Paulmann, Philips und Maul schreiben dazu sinngemäß: Es handelt sich um Leuchten für den Heimbereich. Paulmann betont zudem, die europäischen Richtlinien für privaten Wohnraum würden eingehalten. Daffodil schreibt, die getestete Lampe könne nicht mit professionellen Schreibtischlampen verglichen werden. Conrad teilt mit, die Leuchten seien nicht explizit für den gewerblichen Einsatz bestimmt.

  • Blaulicht:

    Daffodil weist darauf hin, dass das Auge das gesamte Spektrum sehe und sich darauf einstelle. Grundsätzlich gelte, dass nicht für eine längere Zeit in eine Lichtquelle geschaut werden solle. Conrad (dazu gehört auch Renkforce) schreibt: "Unsere Leuchten erfüllen die gesetzlichen Anforderungen." Maul teilt mit, auf Basis der allgemeinen heutigen Erkenntnisse und der geltenden DIN-Norm könne eine Netzhautschädigung bei dauerhaftem Gebrauch ausgeschlossen werden. Sollte sich die Basis ändern oder sich eine Gefährdung durch die Leuchten herausstellen, würden diese vom Markt genommen. Philips schreibt, die Leuchte sei photobiologisch unbedenklich.Taotronics erklärt sinngemäß, es sei geplant, die Werte in Zukunft anzugeben. Paulmann schreibt, die Produkte unterlägen den europäischen Richtlinien, die alle eingehalten würden. Von Bestek und Lighting Ever gingen keine Stellungnahmen ein. Von Idealeben ist keine Anschrift bekannt.

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Ein Experte, der Lampen testet.

Wie gut sind LED-Schreibtischlampen?

Markt -

Schreibtisch- und Leselampen mit LED-Leuchtmitteln gehören zum Standard in vielen Haushalten. Doch bei vielen Modellen ist der Blaullichtanteil zu hoch - das kann das Auge schädigen.

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Dieses Thema im Programm:

Markt | 16.01.2017 | 20:15 Uhr

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