Stand: 08.01.2016 11:52 Uhr Archiv

Kork und Wein: Ein bewährtes Duo

Korken ragen aus einem Stück Korkeichen-Rinde. © picture-alliance/dpa Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Weinkorken werden aus der Rinde von Korkeichen geschnitten.

Schon die alten Römer kannten ihn als Verschluss für ihre Amphoren und für manchen Weinfreund geht es nicht ohne Korken. Seit einigen Jahren ist das Naturprodukt in der Weinbranche allerdings auf dem Rückzug. Zunächst wurden nur billige Weine mit Stopfen aus Plastik oder Schraubdeckeln aus Metall verschlossen. Inzwischen greifen auch renommierte Winzer zu Alternativen, besonders zu Schraubverschlüssen oder Glasstöpseln.

Gute Eigenschaften und ein Risiko

Die Weinbranche schätzt die positiven Eigenschaften von Kork, der aus vielen kleinen Zellen mit geruchslosem Gas besteht. Seine Elastizität sorgt dafür, dass Kork gepresst und in den Flaschenhals gedrückt werden kann. Dort schmiegt er sich dicht an das Glas. Gute Korken geben geringe Mengen Sauerstoff an den Wein ab, nehmen kaum Flüssigkeit auf und lassen den Wein so ungestört reifen. Allerdings gibt es auch einen gravierenden Nachteil: Kork kann die Chemikalie Trichloranisol (TCA) entwickeln. Dann bekommt der Wein einen unangenehmen, muffigen Geschmack. Kenner sprechen vom "Korkschmecker" und erklären die Flasche für ungenießbar.

Tradition bestimmt die Diskussion

Eine Nase riecht an einem Weinkorken. © VDP.Die Prädikatsweingüter
Weinfreunde erkennen am Geruch, ob der Korken einwandfrei ist.

Bei der Suche nach Alternativen dürfte auch der Preis eine Rolle gespielt haben, denn Naturkork ist vergleichsweise teuer. Letztlich dominiert aber die Tradition die Diskussion über das Für und Wider des Korkens. Für konservative Weinfreunde gehört es zum Genuss, ihn mit einem sanften Plopp aus der Flasche zu ziehen und prüfend daran zu riechen. Der schlichte Dreh an einem Schraubverschluss verdirbt ihnen den Spaß. Progressive Genießer schätzen an den Alternativen auch, dass die Weinflasche stehend gelagert werden kann und der gute Tropfen so nicht mit dem Verschluss in Kontakt kommt. Die verbreitete Ansicht, Naturkorken würden stehend austrocknen und undicht werden, ist allerdings nach Ansicht des Deutschen Kork-Verbandes ein Mythos. Bleibt der Vorteil, dass sich Schraubverschlüsse problemlos wieder schließen lassen. Eines haben alle Alternativen gemeinsam: Es ist noch unklar, ob sie sich nach Jahrzehnten auf einer Flasche edlen Weines bewähren werden.

Die Produktion braucht viel Zeit

Ein Mann schält bei der Korkernte in Portugal die Rinde von einer Korkeiche © picture-alliance/dpa Foto: Christian Volbracht
Die zentimeterdicke Rinde wird von den Korkeichen geschält, ohne den Baum zu schädigen.

Echter Kork besteht aus der Rinde von Korkeichen, die dafür erstmals nach gut 25 Jahren und dann etwa alle neun Jahre geschält werden. Erst die dritte Schälung gilt als qualitativ hochwertig genug, um daraus Flaschenkorken herzustellen. Ein langfristiges Verfahren also. Weltmarktführer in Sachen Kork ist Portugal, das rund die Hälfte der weltweiten Produktion von jährlich etwa 300.000 Tonnen liefert. Mit rund 30 Prozent folgt Spanien vor weiteren Mittelmeerländern, die jeweils auf höchstens gut fünf Prozent kommen. Die mit Abstand häufigste Verwendung für Kork sind Naturkorken, gefolgt von Baumaterialien wie Fußbodenbelägen.

Recyceln statt wegwerfen

Flaschenkorken sollten nicht im Müll landen, denn das Naturmaterial lässt sich gut recyceln. Korken werden geschreddert und dann beispielsweise als ökologischer Dämmstoff verwendet. Wertstoffhöfe und viele Weinhändler nehmen die gebrauchten Korken zur Wiederverwendung an. Metalldeckel auf dem Korken, etwa von Sektflaschen oder Plastikteile sollten vorher entfernt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / BINGO! / 10.01.2016 / 17:00 Uhr

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