Stand: 23.11.2018 11:19 Uhr

Vitamine mit Biss: Wissen rund um Äpfel

Ob als Saft, im Kuchen oder zum Reinbeißen: Der Apfel ist mit Abstand das Lieblingsobst der Deutschen. Das ganze Jahr über sind die Supermarkt-Regale voll mit glänzenden Äpfeln zum Premium-Preis. Doch warum finden wir beim Einkaufen die immer gleichen Sorten? Warum sehen die Äpfel immer frisch aus und wie gesund ist das Obst? Hier finden SIe die Antworten.

Stephanie Müller-Spirra, Arne Jessen und Tim Berendonk an einem Tisch mit vielen Äpfeln.

Der Apfel - ein Naturprodukt?

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Ob zwischendurch, im Kompott, auf dem Kuchen oder als Saft: Der Deutschen lieben Äpfel. NDR Wissenschecker Tim Berendonk testet, wie frisch unsere Äpfel wirklich sind.

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Wie viele Sorten gibt es?

Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 30.000 Apfelsorten, in Deutschland sind es 2.000 bis 3.000. Die Anbaubedingungen in Deutschland sind gut. Jeder dritte deutsche Apfel kommt aus dem Alten Land südlich der Elbe. Die Region ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas. Von der Vielfalt ist in den Supermärkten und Discountern allerdings nicht viel zu sehen: Nur wenige Sorten beherrschen den Markt. Zudem stammen viele Äpfel in den Supermarktregalen nicht aus der Region, sondern werden aus fernen Ländern importiert.

Warum finde ich im Supermarkt nur wenige Sorten?

Rund 25 Sorten werden im Erwerbsobstbau kultiviert, nur sieben Hauptsorten werden regelmäßig im Handel angeboten: Boskoop, Cox Orange, Golden Delicious, Elstar, Gloster, Jonagold und Granny Smith. Das hat vor allem ökonomische Gründe, denn der erwerbsmäßige Obstanbau hat sich seit den 1970er-Jahren stark verändert. Anlagen mit hochstämmigen, großkronigen Apfelbäumen wurden durch ertragreiche Plantagen mit niedrigen Bäumchen am Spalier ersetzt. Auf derselben Fläche stehen dadurch wesentlich mehr Bäume, deren Wuchshöhe so eingeschränkt ist, dass alle Früchte von Hand gepflückt werden können. Tafeläpfel werden nämlich bis heute von Hand gepflückt. Die Äpfel werden so sorgsam wie möglich behandelt und angefasst, damit keine Druckstellen entstehen.

Was zeichnet die gängigen Apfelsorten aus?

Die Apfelklassiker wurden so gezüchtet, dass sie einheitlich große Früchte bringen, leicht zu ernten sind und immer gleich gut schmecken - egal aus welchem Land sie kommen. Größe und Gewicht eines Apfels und sogar die Beschaffenheit seines Stiels wurden genau festgelegt. Fast alle der modernen Äpfel stammen vom Golden Delicious ab:

  • Jonagold ist eine Kreuzung von Jonathan und Golden Delicious
  • Elstar ist eine Kreuzung von Ingrid Marie und Golden Delicious.

Apfelzüchter kritisieren, dass auch die Schwächen des Apfels mitvererbt wurden, sodass die modernen Sorten kaum ohne Spritzmittel auskommen. Viele Äpfel werden zudem nach der Ernte chemisch behandelt, sodass sie auch nach Monaten noch makellos in der Obstschale liegen. Kennzeichnungspflichtig ist das nicht, sodass der Kunde gar nicht erfährt, wie frisch sein Apfel wirklich ist.

Als sogenannte Clubsorten werden moderne und oft auch teurere Apfelsorten bezeichnet wie zum Beispiel die Pink Lady, die ebenfalls vom Golden Delicious abstammt. Diese Clubsorten unterliegen einer zentralen Kontrolle und werden nur von wenigen Produzenten unter ihrem Markennamen in den Handel gebracht.

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Was ist mit den vielen alten Apfelsorten?

Einige Züchter setzen sich dafür ein, die alten Apfelsorten wie etwa den Finkenwerder Herbstprinz zu erhalten. Die alten Sorten wachsen auch auf Streuobstwiesen, auf denen die Obstbäume anders als im modernen Plantagenanbau wild verstreut stehen. Das macht ihren Anbau und die Ernte sehr viel zeitaufwändiger. Außerdem eignet sich nicht jede Sorte für alle Verwendungsmöglichkeiten. Es gibt große Unterschiede im Geschmack, manche eignen sich vor allem fürs Backen, aus anderen wird guter Most. Viele der alten Sorten sind saurer als die handelsüblichen Äpfel.

Was bedeuten die Güteklassen?

Im Handel werden Äpfel in Güteklassen eingeteilt. Die Klasse Extra ist die höchste Stufe. Nur nahezu perfekt aussehende Äpfel bekommen diese Auszeichnung. In der Klasse I sind kleine Fehler erlaubt. Eine marktfähige Qualität wird als Klasse II eingestuft. Schon ein fehlender Stiel oder optische Fehler an der Schale können dazu führen, dass ein Apfel in die Güteklasse II eingeteilt wird. Über den Geschmack sagt die Güteklasse nichts aus: Ein Apfel der Güteklasse II schmeckt nicht zwangsläufig schlechter als ein Apfel der Klasse Extra. Da hilft nur eins: probieren.

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Wie gesund sind Äpfel?

Ein Apfel besteht zwar zu 85 Prozent aus Wasser, aber die restlichen Inhaltsstoffe haben es in sich: Das Obst enthält jede Menge Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. So stecken zum Beispiel Kalium, Kalzium und Magnesium, die B-Vitamine 1, 2 und 6, Vitamin E und Folsäure in dem Obst. Äpfel sind außerdem ein wichtiger Vitamin-C-Lieferant, wobei der Gehalt je nach Lagerung und Sorte stark variiert. Ein Großteil der Vitamine sitzt direkt unter der Schale, weshalb man diese nicht entfernen sollte. Ein Apfel hat nur 45 bis 60 Kilokalorien pro 100 Gramm und eignet sich damit gut für eine gesunde, kalorienarme Ernährung.

Kann man auf Äpfel allergisch reagieren?

Die Apfel-Allergie ist die am weitesten verbreitete Obstallergie in Deutschland. Es handelt sich in der Regel um eine Kreuzallergie: Wer auf Pollen allergisch ist, hat auch beim Verzehr von Äpfeln eine allergische Reaktion. Der Grund: Einige Eiweiß-Bausteine im Apfel ähneln den Pollen, das Immunsystem kann sie nicht von den Pollen-Allergenen unterscheiden. Die Symptome reichen von einem Kribbeln im Hals bis zum allergischen Schock.

Allergiker reagieren vor allem auf moderne Apfelsorten wie Jonagold, Granny Smith, Braeburn, Elstar, Cox Orange und Gala. Das hat zwei Gründe: In vielen jungen Sorten sind besonders viele Eiweißstoffe enthalten, die Allergikern nicht bekommen. Und neue Äpfel enthalten weniger Polyphenole als alte Sorten. Experten vermuten, dass Polyphenole die allergene Wirkung von Äpfeln aufheben. Sie bewirken aber auch, dass Äpfel nach dem Aufschneiden braun werden. Das mögen viele Verbraucher nicht. Deshalb sind Polyphenole bei den meisten neuen Sorten weggezüchtet. Schwach allergen sind alte Sorten wie der Finkenwerder Herbstprinz und der Gravensteiner sowie zum Beispiel Alkmene, Berlepsch, Boskoop, Idared, Jamba oder Rubinette. Gekochte und verarbeitete Äpfel sind zudem für die meisten Allergiker kein Problem.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 23.11.2018 | 16:20 Uhr

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