Pflanzengifte in Kräutertees nachgewiesen
Kräutertees namhafter Hersteller sind zum Teil mit Pflanzengiften in einem Maße verunreinigt, dass deren Aufnahme als gesundheitlich bedenklich eingestuft wird. Bei einer Laboranalyse im Auftrag von Markt wurden in einer Stichprobe in vier von sechs Pfefferminz- und Kräutertees sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) entdeckt. Diese können zu Leberschädigungen und Leberkrebs führen.
Untersucht wurden drei Pfefferminztees und drei Kräutermischungen:
- "Ja! Pfefferminze" von Rewe für 49 Cent
- "Minze" von Teekanne für 1,99 Euro
- "Westminster Pfefferminze" von Aldi für 49 Cent
- "Kloster Kräuter Mischung" von Edeka für 99 Cent
- "Kräuter pur würzig frisch" von Meßmer für 1,99 Euro
- "Lord Nelson 6 Kräuter" von Lidl für 89 Cent
Toxikologe: Schon geringe Mengen können Krebs auslösen
"Es besteht die Möglichkeit, dass geringste Mengen ausreichen, um Krebs zu verursachen", sagt der Toxikologe Prof. Edmund Maser von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er fordert, dass jegliche Lebensmittel - so auch Tees - frei von PA sein sollten. Die Gifte sind in Unkraut enthalten, das zwischen den Teekräutern wächst.
Pflanzengifte im Pfefferminztee von Rewe
Zwar gibt es keinen gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat jedoch für PA eine Höchstaufnahmemenge errechnet. Diese liegt für einen Erwachsenen bei 0,42 Mikrogramm pro Tag. Bei einem Pfefferminztee der Rewe-Eigenmarke ermittelte das Labor eine PA-Menge von 0,67 Mikrogramm pro Tasse. Das Unternehmen teilte dem NDR auf Anfrage mit, dass es bereits umfangreiche Maßnahmen zur Minimierung der Gehalte durchführe.
Edeka-Kräutertee nur knapp unter Höchstaufnahmemenge
Ein Kräutertee der Edeka-Eigenmarke enthielt 0,36 Mikrogramm pro Tasse. Diese Menge ist laut Toxikologe Prof. Edmund Maser geeignet, um die vom BfR empfohlenen Höchstaufnahmemenge schnell zu erreichen. Edeka weist darauf hin, dass es keinen gesetzlich festgelegten Grenzwert gebe. Dennoch wolle das Unternehmen mit seinem Lieferanten ein Minimierungskonzept umsetzen.
Geringe Mengen Pflanzengift in Tees von Aldi und Meßmer
Auch im Pfefferminztee von Aldi und im Kräutertee des Herstellers Meßmer wurde das Labor fündig - jedoch in geringerem Maße. Der Tee von Aldi enthielt 0,02 Mikrogramm PA pro Tasse, das Produkt von Meßmer 0,005 Mikrogramm. Beide Unternehmen teilten mit, dass sie Maßnahmen ergriffen hätten, um den PA-Gehalt zu verringern. Nur im Pfefferminztee von Teekanne und im Kräutertee Lord Nelson von Lidl war kein Pflanzengift nachweisbar.
So gelangen die Pflanzengifte in den Tee
Einige Pflanzen wie das Jakobskreuzkraut produzieren Pyrrolizidinalkaloide (PA), um sich vor Fressfeinden und Schädlingen zu schützen. Bei maschineller Ernte der Teekräuter geraten die Giftpflanzen, die zwischen den Teepflanzen wachsen, mit in das Erntegut. PA sind wasserlöslich und temperaturbeständig. Schon geringste Mengen reichen aus, um die Leber dauerhaft zu schädigen und krebsfördernd zu wirken.