Taubenpaar auf einem sonnigen Balkon © picture alliance / JOKER Foto: Karl-Heinz Hick

Tauben von Balkon und Terrasse vertreiben: So geht's

Stand: 13.07.2022 11:40 Uhr

Für viele Menschen sind Tauben und deren Kot ein großes Ärgernis. Wie lassen sich die Tiere von Balkon und Terrasse vertreiben? Einige einfache und gleichzeitig schonende Maßnahmen im Überblick.

Kaum jemand möchte Tauben auf seinem Balkon oder seiner Terrasse als Dauergäste haben. In der Regel sind es Stadttauben, manchmal Ringeltauben, die als Wildtiere gelten. Taubenkot kann einige Materialien angreifen, unter anderem Metalle. Wird der Kot lange Zeit nicht entfernt, können Schimmelpilze entstehen, die den Untergrund wie etwa Steine schädigen. Außerdem sehen viele Menschen in Taubenkot aufgrund von Keimen und Bakterien eine gesundheitliche Gefahr oder finden ihn schlichtweg eklig.

Doch wie schafft man es, dass die Tauben nicht ständig wiederkommen? Zu bedenken ist, dass sie nicht getötet werden dürfen. Das verbietet das Tierschutzgesetz. Außerdem sollten die Maßnahmen zur Taubenabwehr den Tieren keine Verletzungen zufügen und so schonend wie möglich erfolgen, so der Tierschutzbund. Wohnungsmieter sollten mit ihrem Vermieter besprechen, welche Tricks zur Anwendung kommen können, ohne dass es Ärger in der Nachbarschaft gibt.

Einfache Tricks, um Tauben fernzuhalten

  • Essensreste entfernen: Auf den Boden gefallene oder dem Tisch zurückgeblieben Krümel von Brot oder Kuchen locken die Tauben an. Daher regelmäßig sauber machen und keine Müllsäcke und Abfälle draußen lagern. Dass die Tiere nicht gefüttert werden sollten, versteht sich von selbst. Unabhängig davon besteht in einigen Städten ein Fütterungsverbot.

  • Plastikraben aufstellen oder aufhängen: Ein meist schwarzer Rabe aus Kunststoff soll den Tauben Angst einjagen. Oft gewöhnen sie sich aber an den Anblick des letztlich harmlosen Gesellen. Mehr Erfolg hat man, wenn man den Raben so befestigt, dass er sich im Wind bewegt. Das irritiert die Tauben.

  • Eigene Haustiere einsetzen: Wer einen Hund oder eine Katze hat, kann den Tieren - je nach örtlichen Bedingungen - etwas mehr Auslauf gewähren. Allein wenn sie draußen herumlaufen, schreckt das Vögel ab. Draußen verteilte Haare der Haustiere haben einen ähnlichen Effekt.

  • Vogelnetze aufspannen: Die Netze verhindern, dass Tauben landen können. Sie dienen auch dem Schutz eigener Haustiere, damit sie zum Beispiel nicht vom Balkon stürzen. Ein solches Netz sollte möglichst engmaschig sein, ansonsten können sich Tauben - und andere Vögel - darin verfangen.

  • Windspiele, Windräder oder Flatterbänder installieren: Die Luft sorgt dafür, dass Bewegung in den Garten oder auf den Balkon kommt. Tauben mögen keine unvorhersehbaren Bewegungen oder störende Geräusche und meiden deshalb Orte mit Windspielen, Windrädern oder Flatterbändern. Es gibt auch solarbetriebene Geräte, die in unterschiedlichen Abständen einen beweglichen Stab oder Faden in Gang setzen. Sie können zum Beispiel am Balkongeländer montiert werden.

  • Reflektierende Gegenstände aufhängen: CDs oder DVDs an einem Band aufgehängt eignen sich gut, um Reflexionen zu erzeugen. Idealerweise können sie sich drehen. Streifen aus Alufolie sorgen für einen ähnlichen Effekt. Manche Nachbarn mögen es aber nicht, wenn die Lichtreflexe bis in ihre Wohnungen dringen.

  • Abwehrspikes befestigen: Diese Stacheln sollen verhindern, dass sich Tauben auf Fenstersimsen, Geländern oder Dächern niederlassen. Metallspikes können sie sowie andere Vögel aber verletzen. Alternativ sind im Handel Spikes aus Kunststoff erhältlich.

  • Abgeschrägte Oberflächen einbauen: Auf glatten oder schrägen Oberflächen finden Tauben kaum Halt. An Fenstersimsen und Dachvorsprüngen lassen sich gut Bleche oder Kunststoffpanele anbringen. Ein Winkel ab 45 Grad wird dabei empfohlen.

  • Glöckchen aufhängen: Die Glöckchen erzeugen Töne, die die Tauben von einem Aufenthalt auf Balkon oder Terrasse abhalten sollen. Der Wind sorgt dabei dafür, dass die Glöckchen anschlagen. Es gibt auch Windspiele, in die Glöckchen integriert sind. Allerdings kann das ständige Geräusch auch für Menschen störend sein - nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Nachbarn.

  • Akustische Abwehrsysteme verwenden: Diese Systeme werden häufig im landwirtschaftlichen Bereich eingesetzt. Damit werden Schreie von Raubvögeln oder Hundegebell imitiert. Aber: Tauben gewöhnen sich daran. Daher muss der Ton unregelmäßig erfolgen. Zudem sollte man öfter das Geräusch wechseln. In Wohngebieten würden solche Geräte aber wohl in erster Linie zu Problemen mit den Nachbarn führen. Deshalb sind sie definitiv nicht für den Einsatz in der Stadt geeignet.

Tierschutzbund: Leiden und Schmerzen vermeiden

Egal, welche Maßnahmen man ergreift, die Tauben sollten dabei nicht zu Schaden kommen. Der Tierschutzbund schreibt in einem Positionspapier: "Vergrämungsmaßnahmen an Gebäuden, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die Tiere verbunden sind, müssen aus Tierschutzgründen abgelehnt werden." So sei es zum Beispiel verboten, spitze Nägel oder geschliffene Dolche zu verwenden. Ebenso sei das Anbringen einer stark klebenden Paste abzulehnen. "Elektroabwehrsysteme können den Tauben [...] unnötige Schäden und Leiden zufügen [...]."

Strikt abzulehnen sei es auch, die Tauben über Futter zu betäuben und anschließend einzufangen. "Die Tiere zeigen Atemnot und Lähmungen der Extremitäten. Nicht selten sind sie noch in der Lage, auf hohe Dächer oder Bäume zu fliegen [...]." Wenn die Wirkung des Mittels dann aber einsetze, fielen die Tiere herunter und verletzten sich schwer. Auch die Vergiftung, etwa mit Blausäure, kommt laut Tierschutzbund nicht infrage. Ein langsamer und qualvoller Erstickungstod sei die Folge. Eindeutig abzulehnen sei zudem der Abschuss von Tauben. "Es ist beinahe unmöglich, jedes Tier so zu treffen, dass es sofort tot ist." Von daher läge direkt ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.

Betreute Taubenhäuser in der Stadt als Alternative

Ein anderer Weg, dass Tauben nicht mehr auf privaten Balkonen oder Terrassen landen, ist, ihnen ein eigenes Zuhause zu schaffen. In Hamburg zum Beispiel setzt sich der Verein Stadttauben für den Bau von Taubenhäusern oder -türmen ein. Das "Augsburger Stadttaubenkonzept" wurde bereits in einigen Städten verwirklicht - auch in der Hansestadt. Dort, wo viele Tauben sind, sollten nach Möglichkeit betreute Taubenschläge oder Fütterungsplätze installiert werden, so das Konzept. Dort bekommen die Tiere ausreichend artgerechtes Futter und können in Ruhe nisten. Die Tauben nehmen diese Plätze als ihren Zufluchtsort an. Auf diese Weise könnten die Tiere auch ein besseres Image bekommen, so die Hoffnung des Vereins. Schließlich würde ein Großteil des Kots zunächst in den Schlägen verbleiben.

Taubenkot mit heißem Wasser und Essig entfernen

Wer auf seinem Balkon oder seiner Terrasse Taubenkot entdeckt, sollte ihn möglichst rasch entfernen. Eingetrocknet kann er sehr hartnäckig sein. Dazu am besten Gummihandschuhe anziehen. Auch eine Feinstaubmaske ist nützlich. Dann heißes Wasser über die betroffenen Stellen kippen. Verkrustungen lassen sich mit einem Spachtel lösen. Danach noch einmal heißes Wasser über die Stellen gießen. Haushaltsessig eignet sich gut zum anschließenden Reinigen, weil er Keime abtötet. Zum Schluss noch einmal mit Wasser nachspülen.

Nester entfernen oder nicht?

Wenn Tauben beginnen zu nisten, sollte man die Nester schnell entfernen - ebenfalls am besten mit Handschuhen und Maske. Brüten die Tiere bereits, wird es kniffliger. Man kann die Eier laut Tierschutzorganisation PETA gegen Plastikeier austauschen, die Brutzeit von 17 Tagen abwarten und die Plastikeier wieder entfernen. Allerdings sollte man das nicht mehr tun, wenn die Eier schon mehrere Tage bebrütet wurden. In jedem Fall erzeugen solche Eingriffe bei den Tauben Stress. Möglicherweise kommen sie nach einem erfolglosen Brutversuch erneut zurück. Wer sich dieses Vorgehen nicht zutraut, sollte sich an einen Fachmann wenden. Auch der Hamburger Verein Stadttauben bietet dazu Beratungen sowie ein Notfalltelefon an.

Verletzten oder kranken Tauben sollte immer geholfen werden. In diesen Fällen gibt es Unterstützung von Taubenhilfe-Vereinen oder vom Tierschutzverein.

Taubenplage: Mietminderungen möglich - Experten zu Rate ziehen

Herrscht eine regelrechte Plage im Wohnumfeld vor, muss der Vermieter Abhilfe schaffen. Ansonsten sind Mietminderungen möglich, wie bereits einige Gerichte entschieden haben. Eigentümer können Experten zu Rate ziehen, um die Tauben möglichst tierfreundlich an einen anderen Ort zu bringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 18.10.2020 | 11:00 Uhr

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