in Holzstempel mit der Aufschrift "Negativzinsen", gehalten von einer Hand im Anschnitt über mehreren Stapeln mit Euro

Negativzinsen: Wie kann man sie vermeiden?

Stand: 27.05.2021 10:40 Uhr

Viele Geldinstitute erheben inzwischen Negativzinsen auf die Guthaben ihrer Kundschaft, sei es auf Giro- oder Tagesgeldkonten. Grund dafür sind die niedrigen Zinsen, vorgegeben von der Europäischen Zentralbank.

von Jochen Lambernd

Die Niedrigzinspolitik der EZB gefährdet aus Sicht der Geldinstitute ihr klassisches Geschäftsmodell, bei dem unter anderem mit Kreditzinsen Einnahmen erwirtschaftet werden, und zwingt sie, sogenannte Verwahrentgelte zu berechnen. Denn nur mit der Abwälzung der Kosten auf die Kunden können die Banken gewinnbringend oder zumindest kostendeckend arbeiten - so die Begründung der Institute. Diese Verwahrentgelte sind letztlich nichts anders als Negativzinsen - auch Straf- oder Minuszinsen genannt.

Freibetragsgrenzen werden reduziert

Weit über 400 Banken und Sparkassen in Deutschland erheben mittlerweile solche Negativzinsen. Betroffen sind neben Neukunden auch Bestandskunden. Dabei handelt es sich längst nicht mehr um besonders solvente Kunden, sondern immer häufiger auch Sparer mit kleinerem Budget. Viele Institute böten "nur noch einen Freibetrag von 25.000 Euro oder weniger", sagt Horst Biallo, Gründer und Geschäftsführer des gleichnamigen Verbraucherportals. Einige Banken und Sparkassen langen bereits ab dem ersten Euro zu. Meist beläuft sich das Verwahrentgelt auf 0,5 Prozent pro Jahr.

Seit Anfang April räumt die Hypovereinsbank nach individueller Vereinbarung einen Freibetrag von 100.000 Euro auf dem Girokonto ein. Die Sparda-Bank Hannover will ab 1. Juli Strafzinsen ab 50.000 Euro einführen. Die Commerzbank plant, die Freibetragsgrenze zum 1. August ebenfalls auf 50.000 Euro zu reduzieren. Diesen Betrag hat auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) gewählt. In der Regel sollen die Kunden eine entsprechende Vereinbarung unterschreiben. Geschieht dies nicht, können die Institute Konten kündigen.

Wertpapiere, Fondssparen, Sparbriefe, Festgelder oder ETF?

Für die Kundschaft dürfte es eine Herausforderung sein, ihr Geld sinnvoll und vor allem gewinnbringend aufzubewahren. Der Vize-Vorstandschef der Haspa, Frank Brockmann, sagte: "Nicht benötigtes Geld sollte daher derzeit in Wertpapiere investiert werden. Dazu raten wir schon seit Jahren. Nur dort sind - neben der eigenen Immobilie - noch nachhaltige Wertzuwächse zu erzielen. Fondssparen ist aktuell eine gute Alternative."

Eine Rentenversicherung hingegen sei dafür nicht das richtige Produkt, betont Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg im Gespräch mit NDR.de. Als sichere Anlagen kämen weiterhin Sparbriefe und Festgelder infrage, auch bei anderen Anbietern als der Hausbank. Wer sich des Risikos bewusst sei, könne sein Geld über sogenannte Exchange Traded Funds (ETF) anlegen. Um diese zu erwerben, muss der Kunde oft selbst aktiv werden.

Ältere Menschen oft überfordert

Immer mehr Menschen fänden sich im Hinblick auf die technischen Entwicklungen nicht gut zurecht, berichtet Sandra Klug. Dabei sei Online-Banking nur der Anfang. Gerade für Ältere sei es oft schwierig, sich mit den sich bietenden Möglichkeiten auseinanderzusetzen und die Informationen verschiedener Anbieter zu vergleichen. "Ich habe da schon eine gewisse Sorge um diese Menschen", sagt Klug.

Was können Kunden tun?

Die Geldinstitute bieten ihren Kunden meist Beratungsgespräche und Informationen an, was zu tun sei, um die Negativzinsen zu umgehen. Dabei empfehlen sie gern ihre eigenen Hausprodukte, die im Vergleich nicht immer die günstigsten sein müssen. Daher sollten sich Sparer, die über Geldsummen oberhalb der jeweiligen Freibeträge verfügen, nach weiteren Alternativen umsehen. Hier ein paar Ratschläge:

  • Reagieren Sie unbedingt auf Negativzins-Ankündigungen Ihres Geldinstituts, suchen Sie das direkte Gespräch. Dann sind individuelle Lösungen leichter. Unterschreiben Sie aber nichts unüberlegt und nichts, das Sie nicht verstehen.
  • Legen Sie sich ein zusätzliches - kostenloses - Girokonto bei einer anderen Bank zu, die höhere Freibeträge anbietet. Verteilen Sie also Ihr Geld.
  • Das Institut ganz zu wechseln, kann eine Möglichkeit sein. Allerdings können auch andere Banken später Strafzinsen erheben.
  • Schichten Sie Ihr Guthaben auf Sparkonten um. Auf diese dürfen Banken und Sparkassen aus Sicht der Verbraucherzentrale Hamburg keine Negativzinsen erheben.
  • Auch manche Tagesgeldkonten bieten sich an, um Guthaben umzuschichten. Fragen Sie aber explizit nach dem Freibetrag.
  • Achten Sie in jedem Fall auf eine Einlagensicherung. Üblich ist, dass 100.000 Euro Spargeld pro Kunde abgesichert sind.
  • Legen Sie Ihr Geld an: in Aktien und Anleihen - zum Beispiel über ETF. Achten Sie auf die Verfügbarkeit Ihres Kapitals! Und: Ein gewisses Risiko ist dabei.
  • Immobilien sind eher sehr langfristige Investitionsobjekte.
  • Lassen Sie sich unabhängig und individuell beraten, was für Sie der beste Weg ist - etwa von der Verbraucherzentrale in ihrer Nähe.

Wichtig: Wer sich weitere Girokonten zulegt, sollte beachten, dass die jeweiligen Informationen an die Schufa weitergeleitet werden können. Ob sich deshalb die Bewertung ("Score") womöglich verschlechtert, lässt sich pauschal nicht sagen. Es komme auf alle Informationen zu einer Person an, erklärt Anna-Lena Rawe im Gespräch mit NDR.de.

Die Verbraucherzentralen lassen derzeit gerichtlich prüfen, ob Strafzinsen auch auf kostenpflichtigen Girokonten zulässig sind. Negativzinsen kann man übrigens steuerlich nicht absetzen. Das Finanzamt stuft sie Stiftung Warentest zufolge als Gebühr ein.

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