Nahrungsergänzung: Überdosierung vermeiden

Stand: 23.09.2022 13:55 Uhr

Vitamine und Mineralstoffe sind wichtig für ein gesundes Leben. Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate sollen deshalb vor einem Mangel schützen. Doch zu viel davon kann schädlich für den Körper werden.

von Lotta Polter, Rieke Sprotte

Mit Gesundheitsversprechen, sogenannten Health Claims, werben viele Hersteller von Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Verbraucher glauben, dass zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe eine positive Wirkung haben. Doch nach Ansicht von Ernährungsexperten droht bei einigen Substanzen eine schädliche Überdosierung. Auch Kombi-Präparate sehen viele Mediziner kritisch. Oftmals sind die einzelnen Vitamine und Mineralstoffe zu hoch dosiert und können dem Körper nachhaltig schaden.

Was unterscheidet Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel?

Für ein Arzneimittel müssen im Zulassungsverfahren klinische Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit vorgelegt werden. Die Dosierungen aller Inhaltsstoffe werden geprüft und exakt festgelegt. Ein Nahrungsergänzungsmittel dagegen gilt offiziell als Lebensmittel. Es muss deshalb nur vom Hersteller bei der zuständigen Behörde angemeldet werden. Der Hersteller ist allein für die Sicherheit verantwortlich. Nahrungsergänzungsmittel dürfen auch nicht wie ein Arzneimittel mit krankheitsbezogenen Aussagen werben.

Höchstmengen für die Inhaltstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang nicht: Zwar existiert bereits seit dem Jahr 2002 eine EU-Richtlinie, die genau das regeln soll, doch bislang konnten sich die Mitgliedsstaaten nicht auf einheitliche Höchstmengen einigen.

Nahrungsergänzungsmittel werden häufig online oder per Telefon verkauft

Längst erhält man Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr nur in Drogerien: Vielfach werden sie auch im Internet, in den sozialen Medien oder am Telefon verkauft. Werbeanrufe ohne Einwilligung sind zwar unzulässig, aber der Kauf am Telefon ist grundsätzlich genauso gültig wie im Geschäft. Die Verbraucherzentralen warnen vor Geschäften übers Telefon: Oft verstecken sich hinter vermeintlichen Schnäppchen langfristige Pillen-Abos.

Vosicht vor Fakeshops und "Multi-Level-Marketing"

Auch beim Kauf im Internet gibt es einige wichtige Details zu beachten: Hinter manchen Seiten können sich Fakeshops verbergen. Viele Anbieter wollen durch den direkten, persönlichen Kontakt über soziale Medien für ihre Produkte werben und sie auch verkaufen. Eine Unterform des Direktvertriebs ist das Multi-Level-Marketing: Hier geht es neben dem klassischen Verkauf von Produkten auch um das Anwerben von neuen Mitgliedern, die dann ebenfalls die Produkte verkaufen. Gerade in dieser Vertriebsform wird immer wieder von unzulässigen krankheitsbezogenen Aussagen berichtet. Diese mündlichen Werbeaussagen sind von den Behörden nicht überprüfbar.  Die Verbraucherzentralen halten insbesondere den Direktvertrieb im Freundes-, Verwandten- oder Kollegenkreis für problematisch. Denn das Vertrauensverhältnis zu Menschen, die man kennt, macht die Entscheidung gegen einen Kauf schwerer.

So bedenklich ist eine Überdosierung

In einigen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Doch eine Überdosierung kann Folgen haben:

  • Vitamin A (Betacarotin): Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt bei diesem Zusatzstoff Zurückhaltung. Einer Studie zufolge steigt bei Rauchern ab 20 Milligramm täglich das Risiko für Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Eine dauerhafte Überdosierung schade dem Knochenbau.

  • Vitamin D: Gegen eine Überdosierung wehrt sich der Körper mit Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Wer über längere Zeit zu viel Vitamin D zu sich nimmt, muss mit Kalkablagerungen in Gefäßen und Organen sowie Nierenschäden rechnen. Auch das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs kann sich erhöhen.

  • Vitamin E: Sehr hohe Vitamin-E-Gaben können das Risiko für Prostatakrebs erhöhen. Verschiedene Studien sehen auch einen Zusammenhang mit einer erhöhten vorzeitigen Sterblichkeit.

  • Folsäure: Empfohlen für Schwangere, tabu für Männer. Bei ihnen erhöht die Einnahme von zusätzlicher Folsäure das Risiko für Prostatakrebs. 

  • Kalium: Bei Überdosierung drohen Herzrhythmusstörungen oder gar ein Kreislaufkollaps. Besonders Nierenkranke müssen vorsichtig sein, da ihre Nieren weniger Kalium ausscheiden.

  • Kupfer: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von Nahrungsergänzungsmitteln mit Kupfer ab: Einer Studie zufolge steigert die zusätzliche langfristige Einnahme von Kupfer das Risiko, vorzeitig zu sterben, um bis zu 18 Prozent.

  • Omega-3-Fettsäuren: Laut Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl können die Fettsäuren das Herzinfarktrisiko senken und die Entzündungsneigung reduzieren. Mit Omega-3-Fettsäuren versetzte Lebensmittel seien aber oft ungesund. Riedl empfiehlt deshalb Lebensmittel, die von Natur aus reich an Omega-3-Fettsäuren sind - zum Beispiel Fisch, hochwertige Öle wie Lein- oder Hanföl sowie Leinsamen, Walnüsse und Chiasamen.

Health Claims: Foodwatch kritisiert Hersteller

In der EU soll die sogenannte Health-Claims-Verordnung dafür sorgen, dass nur tatsächlich gesunde Lebensmittel als gesund beworben werden. Für 250 Inhaltsstoffe ist vorgeschrieben, mit welchen Gesundheitsversprechen die Lebensmittelindustrie werben darf. Allerdings dürfen laut einer Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch auch ungesunde Lebensmittel mit viel Zucker, Salz und minderwertigen Fetten als gesund beworben werden.


23.09.2022 13:55 Uhr

Hinweis der Redaktion: Wir haben den Abschnitt über Selen entfernt. Eine follow-up Studie ergab, dass das Diabetes-Risiko bei Männern nicht signifikant durch die Einnahme von Selen erhöht wird.

 

Dieses Thema im Programm:

Markt | 15.08.2022 | 20:15 Uhr

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