Stand: 21.01.2016 12:02 Uhr  - Markt  | Archiv

Plastikgeschirr: Gefahr durch Erhitzen?

von Birgit Augustin

Geschirr aus Melaminharz gilt als leicht, bruchsicher und stabil. Deshalb sind Melamin-Produkte wie Schüsseln, Becher und Teller vor allem als Kindergeschirr beliebt, aber auch als Camping- und Partygeschirr. Werden Küchenutensilien aus Melaminharz beim Braten, Kochen oder zum Erhitzen von Essen in der Mikrowelle verwendet, können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd in die Lebensmittel übergehen. Oft fehlen eindeutige Warnhinweise.

Krebs durch Melamin und Formaldehyd?

Melaminharze bestehen aus den Grundbausteinen Melamin und Formaldehyd. Beim Erhitzen werden die toxikologisch bedenklichen Stoffe wieder freigesetzt, sagt Toxikologe Edmund Maser.

  • Im Tierexperiment konnte gezeigt werden, dass Melamin Niere und Harnblase schädigt. Außerdem gibt es Hinweise, dass Melamin krebserzeugend ist.
  • Formaldehyd kann direkt auf die Nahrung übergehen und - als Gas freigesetzt - die Schleimhäute reizen. Es steht in starkem Verdacht, bei Menschen Krebs im Nasen-Rachen-Raum auszulösen.

Melamin-Geschirr nicht über 70 Grad erhitzen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass Melaminprodukte bei bis zu 70 Grad gesundheitlich unbedenklich sind. Höhere Temperaturen stellen dagegen ein Gesundheitsrisiko dar: Laut BfR sind Küchenutensilien aus Melamin zum Beispiel zur Zubereitung von Speisen in der Mikrowelle nicht geeignet. Vor allem säurehaltige Lebensmittel wie Obst und Gemüse, zum Beispiel Tomatensuppe, sollten nicht in einer Melaminschüssel in der Mikrowelle erhitzt werden. Unbedenklich ist nach Ansicht des BfR das Einfüllen von heißen Flüssigkeiten wie Tee oder Kakao in Melaminbecher, wenn sie auf unter 70 Grad abgekühlt sind.

Hersteller müssen auf Gefahren hinweisen

Die Hersteller von Geschirr aus Melaminharz sind verpflichtet, ihre Produkte "erforderlichenfalls mit besonderen Hinweisen für eine sichere und sachgemäße Verwendung" zu versehen. So will es die EU-Verordnung Nr. 1935/2004. Für Melamingeschirr bedeutet das: Kennzeichnung des sicheren Temperaturbereiches bis 70 Grad und eine Warnung vor der Nutzung in der Mikrowelle, weil es dort deutlich heißer werden kann. Eine Kennzeichnung des Stoffes Melamin ist derzeit nicht vorgeschrieben.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 25.01.2016 | 20:15 Uhr

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