Stand: 06.10.2014 16:31 Uhr  | Archiv

Laktosefrei: Teuer und manchmal überflüssig

von Saskia Engels

In vielen Supermärkten und bei einigen Discountern gibt es ein großes Angebot an laktosefreien Lebensmitteln. Sie sollen besonders verträglich sein, kosten meist aber deutlich mehr als Produkte mit Laktose. Dabei haben nur wenige Verbraucher tatsächlich eine Laktoseunverträglichkeit. Und manchmal sind auch Produkte als "laktosefrei" deklariert, die von Natur aus keinen Milchzucker enthalten, zum Beispiel Knäckebrot, Ketchup oder Nudeln.

So tricksen die Hersteller mit Laktose

Höhere Preise für laktosefreie Produkte

Immer mehr Supermarkt-Ketten setzen auf den Ausbau eigener laktosefreier Produktlinien. Für die Ernährungsexpertin Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucherzentrale Hamburg handelt es sich dabei um eine geschickte Strategie: "Mit einem vermeintlichen gesundheitlichen Zusatznutzen lassen sich Preiserhöhungen durchsetzen." In Fachzeitschriften werden laktosefreie Lebensmittel als "margenträchtiges Nischengeschäft" mit "attraktiven Umsatzchancen" beschrieben.

Laktosefrei: So tricksen die Hersteller

Tatsächlich ist der Zusatznutzen oft nur vorgegaukelt. Verwirrend wird es, wenn Hersteller Produkte als laktosefrei bewerben, die von Natur aus keine Laktose enthalten. Zum Beispiel Nudeln, Marmelade und Goudakäse, bei dem die Laktose durch natürliche Reifung abgebaut wird. Auf Nachfrage schreibt dazu nur ein Hersteller, der unter anderem Ketchup und Marmelade herstellt: Die Kennzeichnung sei "als besonderer Service zu betrachten" und werde von vielen Kunden als "Orientierungshilfe" wahrgenommen.

Verdacht auf Unverträglichkeit bestätigt sich oft nicht

Viele Menschen führen ihre Verdauungsprobleme auf Laktose zurück. Doch nur selten bestätigt sich der Verdacht, sagt der Allergologe Dr. Andreas Kleinheinz. Nur bei rund zehn bis 15 Prozent seiner untersuchten Patienten werde eine Laktoseintoleranz diagnostiziert.

Was ist Laktoseintoleranz?

Laktose ist eine Zuckerart in der Milch. Der Körper spaltet sie mithilfe des Enzyms Laktase auf. So können Babys die Laktose in der Muttermilch verdauen. Lässt die körpereigene Produktion von Laktase nach, zum Beispiel im Alter, spricht man von Laktoseintoleranz. Dabei kann es zu Blähungen, Krämpfen und Durchfall kommen. Rund zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland gelten als laktoseintolerant. Viele Betroffene vertragen jedoch noch kleine Mengen Laktose.

Tipp: Von Natur aus laktosefreie Produkte essen

Auch wer tatsächlich laktoseintolerant ist, muss keine teuren laktosefreien Produkte kaufen. Oft hilft ein Blick auf die angegebenen Nährwerte, zum Beispiel bei Mozzarella, um auf den Laktoseanteil schließen zu können. Sind auf 100 Gramm gerechnet weniger als ein Gramm Kohlehydrate enthalten, ist in der Regel keine Laktose drin - auch wenn das nicht ausdrücklich auf der Verpackung steht. Denn Laktose ist eine Zuckerart, und Zucker wird in der Nährwerttabelle unter den Kohlehydraten angegeben. Bei Fertigprodukten wie zum Beispiel Tiefkühlpizza weisen Hersteller Allergene mittlerweile deutlich aus. So ist schnell erkennbar, ob Laktose verarbeitet wurde oder nicht. Für alle anderen sind laktosefreie Produkte nicht nur teurer, sondern schlicht überflüssig.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 06.10.2014 | 20:15 Uhr

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